Hervorgehoben

113. Episode – Betriebsrat

Episoden aus meinem Leben

113. Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

 

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Weihnachtsfeier Betriebsfeier

 

„Sie sind ein Aufsichtsratsvorsitzender, den wir schätzen, weil unsere Firma unter Ihrer Führung prosperiert und besser dasteht als die Konkurrenz. Was Sie jetzt von uns verlangen ist die Bereitschaft einzuwilligen, über das gesetzliche Maß hinaus Mehrarbeit zu leisten. Uns beängstigt die Situation, den Entscheidungen unserer Chefs ausgesetzt zu sein, die nach ihrem Gutdünken unerwartet Überstunden anordnen können.“ Das ist etwas, was ich bei einer Betriebsversammlung vor der großen Mannschaft in der Fabrik gesagt habe.

Zum Weihnachtsfest der Firma hält unser Chef normalerweise eine passende Ansprache, für die ich mich bedanke. Heuer ist er durch Sitzungen von der Teilnahme abgehalten. Er schickt uns seinen Vize, der voraussichtlich etwas später eintreffen wird.

Ich – als Betriebsrat unserer Verkaufsabteilung in Wien – richte daher zunächst meine Worte an die zirka 40 Angestellten, die dort beschäftigt sind. „Liebe Kolleginnen und Kollegen, unserer Firma geht es – Gott sei Dank – gut und wir haben allen Grund, Weihnachten auch im Lichte unseres Erfolgs zu feiern.“

Der Stellvertreter unseres obersten Chefs kommt tatsächlich bald mit Weihnachts-Glückwünschen. Dann gelangt er zum wesentlichen Teil seiner Botschaft. Wir hätten im Jahr 1998 ein Jahrhundert-Ergebnis eingefahren, müssten aber befürchten, dass sich die Kostensituation ab jetzt so verschlechtere, dass wir in der unmittelbar bevorstehenden Zukunft gemeinsame Anstrengungen unternehmen müssten, um nicht von der geänderten Situation überfahren zu werden. Trotzdem könnten wir für heuer eine Prämie erwarten.

Ich frage ihn, wie hoch die wäre, bekomme aber eine ausweichende Antwort. Sie müsse erst berechnet werden. Sie werde zwar bescheiden aber spürbar sein.

Seinen Hinweis auf die Zyklen in der Papierindustrie, die 1999 talwärts laufen, kommentiere ich: „Wir sind davon überzeugt, dass wir nach den riesigen Erfolgen im vergangenen Jahr weiterhin ein gutes Ergebnis bringen werden. Von Produktionskürzungen ist derzeit keine Rede. Also finde ich das geschilderte Szenario übertrieben.In unser aller Interesse bilden wir gemeinsam mit unseren Vorgesetzten ein zusammengeschweißtes Team, wenn es dabei auch manche Schweißnähte gibt. Jetzt schon sind wir glücklich über die Erfolge, die wir bei der Zusammenarbeit mit der eben erst in den Firmenverband aufgenommenen russischen Papierfabrik erzielt haben. Wir werden uns auch den künftigen Herausforderungen stellen.“

Da der Firmenbeauftragte bald schon wieder weg muss, wünsche ich – in der Art eines Klosterbruders, der ich einmal war – allen ein geruhsames Weihnachtsfest im Kreise ihrer Lieben und kündige an: „Das Buffet ist eröffnet.“

Hervorgehoben

111. Episode aus meinem Leben – zusammengefallenes Bett

111. Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

 

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Die ab und zu erforderliche Reinigung des Fußbodens unter unserem Doppelbett steht an. Die Systemrahmen, so heißt jetzt der Ersatz für die früheren Lattenroste, sind mit den verstellbaren Liegepositionen und den dafür erforderliche Motoren viel schwerer als die ohnehin schweren Matratzen. Lässig übernehme ich die schwere Aufgabe, sie in passende Position fürs Staubsaugen zu bringen. Aber ich bin ein Laie und überschätze mein Geschick, das dafür erforderlich ist. Ein Systemrahmen fällt auf den Balken zwischen den beiden Liegeflächen und lässt ihn einknicken. Was tun?Ich nehme also die beiden Bruchstücke des Kantholzes unter der den Arm und gehe in einen Laden für Selbstbaumöbel. Beim Anmarsch mache ich gedanklich Bestandsaufnahme der erforderlichen Werkzeuge, um selber das beschädigte Ersatzteil zu reparieren. Ich habe Lochsägen und Stichsägen und jede erforderliche Art von Schrauben inklusive Längs- und Kreuzschlitz-Schraubendrehern. Also kein Problem! Die Schwierigkeit besteht nur darin, dass der Verkäufer klarstellt, ein Brett dieser Breite und Dicke wäre nicht lieferbar.
Es bleibt mir also nicht erspart, die Rechnung für die gesamte Schlafzimmereinrichtung herauszusuchen. Sie datiert vom Jahr 2004. In der Hoffnung, dass der Hersteller das Ersatzteil lagernd hat oder zumindest erzeugen kann, rufe ich beim damaligen Lieferanten an. Ich habe viel Mühe, mein Anliegen begreiflich zu machen. Mein Telefon-Partner versteht nicht, was die „Mittelkonsole eines Doppelbetts“ sein soll. Erst als ich die Kaufvertrags-Nummer von damals nenne versteht er, dass es sich um eine „Traverse“ handelt. Jetzt geht es rasch. Nach einer Rückfrage beim Hersteller des Betts ist geklärt, dass das Ersatzteil lieferbar ist. Der Preis ist mir in diesem Moment ziemlich egal. Das Bestellformular würde mir zum Zweck der Unterschrift noch am selben Tag gemailt.Meine Frau und ich überlegen uns, wie wir diese und künftige Nächte schlafen sollen. Wir wählen die einfachste Variante und legen Systemrahmen und Matratze auf den Boden zwischen den „Begrenzungsborden“ (wie das wohl fachgerecht heißt?). Kann doch nicht so schwer sein! Abends steigen wir fast mühelos in unsere Schlafhöhle ein. Als ich in der Nacht auf die Toilette muss, schaffe ich es trotz aller möglichen und unmöglichen Verrenkungen nicht, über das Seitenbord wieder auszusteigen. Ich reiße damit meine Frau aus dem Schlaf. Sie ist viel geschickter als ich und hilft mir durch Handreichen aus meiner misslichen Lage. Da ich noch weiterschlafen will, nehme ich mir jetzt einen Regenschirm als Halterung an einem Mauervorsprung mit, damit ich das Handikap allein bewältigen kann. Den Schirm brauche ich dann aber nicht, weil ich – höchst ungewöhnlich – gleichzeitig mit meiner Frau aufstehe und ihre entgegengestreckte Hand ergreife.
Stammbaum
Da das angekündigte Formular auch am nächsten Tag nicht kommt, mache ich mir über die Gültigkeit unserer Abmachung Sorgen. Der Berater von der Service-Line hört sich die mittlerweile fachgerechte Schilderung meines Anliegens an. Er gibt zu, nicht zu wissen, ob mein Wunsch erfüllbar wäre. Als ich ihm versichere, bereits eine fixe Zusage zu haben, fragt er mich, von wem ich diese erhalten hätte: „Wenn sie seinen Namen nicht kennen, kann ich leider nichts für Sie tun. Der betreffende Mitarbeiter kann außer Haus sein. Sogar in Urlaub kann er sein. Es tut mir leid.“ Da er auflegt, rufe ich noch einmal an und bemerke durch ein Knacksen in der Leitung, dass man mich wieder in die Warteschleife befördert hat. Erst beim fünften Anruf spreche ich mit dem „Fachmann“ von vorher, gebe mit erhobener Stimme meinem Ärger Ausdruck und frage, ob es in dieser Riesenfirma nur einen Zuständigen gäbe: „Verbinden Sie mich mit dem Mitarbeiter, der Bescheid wissen müsste, auch wenn er dazu nicht die Qualifikation hat. Nennen Sie mir vorsichtshalber seinen Namen und Ihren eigenen dazu.“ Gleich danach bin ich mit dem Ansprechpartner von gestern verbunden. Der ist sofort im Bilde und entschuldigt sich. Nach einem Monat würde ich den fehlenden Teil bekommen …

Wie wir in der Zwischenzeit unsere Schlafsituation organisieren? Das ist eine andere Geschichte.

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140. Episode aus meinem Leben – Ahnenforschung

140. Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

 

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Matrikeln
Matrikeln zu Johann Berger *1856

 

Als ich auf die Welt komme, sind meine Großeltern bereits alle verstorben. Bei meinen Großmüttern weiß ich nicht einmal wann. Mit der frei verfügbaren Zeit zu Beginn meines Ruhestandes überkommt mich als 65-Jährigen das Interesse an meinen Vorfahren. Im Tiroler Landesarchiv finde ich Matrikeln, das sind Kirchenbücher ab dem 16. Jahrhundert, die in der Jetzt-Zeit durch öffentliche Personenstands-Verzeichnisse ersetzt werden. Ich lasse mir dort Mikrofilme zu meiner Familie kopieren, zeichne mir die daraus gewonnenen Daten auf und entwickle daraus einen Stammbaum.
Ich bin sehr beharrlich und forsche an allen verfügbaren Stellen, wie in der Nationalbibliothek und vor allem im Internet, wo ich 2010 bei Ancestry, vielen anderen genealogischen Plattformen und schließlich MyHeritage lande. Erfolgreich arbeite mich bis zurück ins siebzehnte Jahrhundert und nach Mähren, wohin mich der Familienname meiner Mutter ‚Berger‘ führt.

 

Berger_Wappen Der zweite Prager Fenstersturz im benachbarten Böhmen passiert im Jahr 1618 und ist der Beginn des Dreißigjährigen Krieges. Der ist auch eine Zäsur im Leben meiner Vorfahren, wie ich bei weiteren Nachforschungen entdecke. Vor diesen Umwälzungen hießen diese nämlich nicht nur Berger sondern ‚Berger z Bergu‘, waren also adelig. Ab diesem Moment wird es noch interessanter für mich. Mein Eifer wächst, die Entdeckungen überschlagen sich und die Jahre, die ich auf die Ahnenforschung verwende, werden mehr.

 

Zunächst ist mir nicht klar, wie weit zurück mich das führen kann. Aber je intensiver und hartnäckiger ich ermittle, desto mehr Daten erschließen sich mir. Ich komme mit dem Namen meiner Mutter bis zurück ins 15. Jahrhundert, bis 1470. Da ist aus. Ist da wirklich aus?
Bis jetzt habe ich nur die männliche Linie verfolgt. Erst 2013 bemerke ich, dass ein Berger z Bergu 1590 eine Kateřina ze Zástřizl von der Burg Buchlov heiratetete. Das Schloss Buchlov ist unter dem Namen Buchlowitz bis heute erhalten. Die jahrhundertealte Dynastie der Zástřizls führt bis zirka 1350 zurück, als aus dem Herzogtum Sachsen-Wittenberg das Kurfürstentum Sachsen entsteht. Was will ich mehr?

 

Schloss Buchlov
Burg Buchlov bei der Königsstadt Uherské Hradište.

 

Trotzdem oder gerade deshalb begebe ich mich auf neue Suche. Wieso soll es mir nicht zum zweiten Mal gelingen, über die weibliche Linie weiter zu kommen? Die Mutter der Kateřina ist eine Drnovský z Drnovic, ein Geschlecht, das ich dann wieder bis zu Jindrich, geboren im Jahr 1280, zurückverfolgen kann. Er ist verheiratet mit Anka aus der sehr bekannten Familie z Kunštátu, Herren der ebenfalls noch erhaltenen Burg Boskovic. Er ist in meiner 20. Generation oder mein 17-facher Urgroßvater. So klar wird das auf der Internetplattform dargestellt. Wer kann das von sich behaupten?
Ich bin begeistert. Wir schreiben mittlerweile bereits 2017, aber mein Engagement ist nicht erloschen. Ich komme zu den Grafen von Plain Hardegg, ursprünglich eingewandert aus Frankreich, und Monate später zu den preussischen Ballenstedts und den sächsischen Markgrafen von der Lausitz bis zu Wittekind von Wettin. Er ist 795 geboren und König der Sachsen.

 

In weiterer Reihenfolge erreiche ich König Hengest, König von Sachsen und durch Heirat von 455 bis 488 auch King of Kent, dem angel-sächsischen Königreich. Ob die weiteren Vorfahren bis zu König Harderich, geboren im Jahr 111 vor Christus, reichen oder nicht? Ob es drei Generationen davor noch König Anserich gab? Wer weiß es?
Meine Freude über das Erreichte ist groß, sollte es auch nicht in allen Details den Tatsachen entsprechen.
Die Sehnsucht, Näheres über die zu meinen Lebzeiten bereits verstorbenen Großeltern zu erfahren, hat sich erfüllt.
Kent_Wappen
Wappen vom Königreich Kent
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139. Episode aus meinem Leben – Tanzeifer

 

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Mit siebenundvierzig Jahren lerne ich 1989 in einem Diätheim in Pfarrkirchen eine hinreißende Frau kennen, die aufmerksam zuhört, als mich eine Kursteilnehmerin fragt: „Tanzen Sie?“ Sie betrachtet mich auch sehr interessiert, als ich wahrheitsgemäß antworte: „Ja gerne, aber ich kann es nicht!“

Wir kommen uns näher und fahren gemeinsam von Oberösterreich zurück nach Wien. Als wir dort spazieren gehen, ermutigt mich mein Schatz zum gemeinsamen Bewegen in musikalischem Rhythmus: „Trau Dich doch!“ Wir kennen uns jetzt ein Monat und fast so lang sind wir ein verliebtes Paar. Gerne komme ich dieser Aufforderung ohne Umstände nach. Es ist ganz neu für mich und gerade deshalb auch so verlockend.

 

Liebespaar Runder

 

Es wird ein „Runder“. Was anderes kann ich nicht. Im Kloster war Tanzen kein Thema. Es gab keine Gelegenheit dazu, es war verboten. In meiner ersten Ehe war es nicht willkommen, es war tabu. Das ist subtiler, aber nicht weniger effizient als ein Verbot. Ich bin also völlig unbedarft und scheue mich vor jeder Anstrengung in dieser Richtung. Diese Tatsachen verwende ich als Argumente gegen das entschlossene Ansinnen meiner neuen, bereits lieb gewonnenen Partnerin: „Du bist doch einverstanden, dass wir das ändern?“

Es ändert sich. Wir besuchen eine Tanzschule nach der anderen. Wir lernen Disko-Fox, Walzer langsam und schnell, Tango und Paso Doble, Cha-Cha-Cha und Rumba, Foxtrott und auch Boogie-Woogie. Bevor ich noch die Namen der Tänze intus habe, lerne ich schon die Grundschritte dafür. Das schaffe ich mit der Zeit und viel Eifer tatsächlich, aber nur deshalb, weil meine aufopfernde Partnerin mich führt. Ich ‚errate‘ nämlich nie den richtigen Zeitpunkt für den Einsatz. Auf der Basis des ‚Mich Führen Lassens‘ erlerne ich sogar manche Tanz-Figur, die mich als passablen Tänzer erscheinen lässt.

Aus Sympathie folgen wir dem uns zugeteilten Tanzlehrer, als er sich unter dem Namen ‚Tanzschule Eddy Franzen‘ selbständig macht. Das entstandene Nahe-Verhältnis nütze ich dazu, ihn mit Vehemenz davon abzuhalten, mich wie die anderen der Reihe nach mit wechselnden Partnerinnen tanzen zu lassen. Er lässt diese meine Eigenbrötelei zu und unterstützt mich sogar, indem er meine geliebte Gattin, zu der sie mittlerweile geworden ist, während einer Perfektions-Stunde ermahnt: „Warum führst Du nicht?“

Auf zwei Hochzeiten bei unserem Gebietsvertreter für Griechenland, zu denen wir beide geladen sind, wird salopp übergangen, dass ich – auf den jetzt die Augen gerichtet sind – beim Sirtaki nicht rechtzeitig einsetze.

 

Sirtaki

 

Ähnlich geht es mir bei Tanzveranstaltungen in unserer Firma, wo man mir vieles, so auch fehlendes Taktgefühl nachsieht. Bei der Hochzeit meiner Schwägerin, die wir in einem kärntnerischen Gasthaus feiern, ist ein solches überhaupt nicht erforderlich. Das beweist mir ihre Mutter, meine Schwiegermutter, indem sie mit uns allen genau vor mir sogar über die hölzernen Wirtshausbänke und -tische tanzt.

Unsere und damit auch meine Begeisterung am Tanzen zeigt sich auch bei der Hochzeit eines Freundespaars im Burgenland. Dort muss man uns Unermüdliche darauf hinweisen, dass wir das letzte Paar am Tanzboden sind und die Musik deswegen nicht aufhören kann. Wir hätten noch länger getanzt…

Als man Knorpelmasse in mein Knie einsetzt, gebe ich es hingegen auf, ‚mich im Kreis zu drehen‘. Ich kann und will es später auch nicht mehr. Aber im fortgeschrittenen Alter bin ich recht anfällig auf die unverhohlene Aufforderung meiner lieben Frau, die sie sehr einsichtsvoll äußert: „Da könnten wir doch unseren Einheitstanz tanzen!“ Ich bin wieder bei schwungvollen oder weniger schwungvollen ‚Runden‘ gelandet. Die aber tanze ich voll Lebensfreude.

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Ansichten & Einsichten 68 – Kollegiale Beratung

Ansichten & Einsichten 68 8. Apr. 2019 Weitere Beiträge

 

In den kurzen Beiträgen
geht es um praktische
Beispiele aus dem Alltag

einer Beraterin und Trainerin über erlebte Missverständnisse und schwierige Situationen. Hier gebe ich konkrete Anregungen für Verhaltensmöglichkeiten, wie mit Respekt, Wertschätzung, Humor und (angeleitetem) Erfahrungsaustausch einfühlsame Kommunikation und konstruktive Intervention möglich sind.

Über Ergänzungen und diskussionsfreudigen Austausch freue ich mich jetzt schon!

Beiträge, die nicht veröffentlicht werden
sollen, bitte entsprechend anmerken!

Wie sag ich’s?
Für ein konstruktives Miteinander

Wie_sag-ich_es

Foto. Alexandra Grill

 

„Wenn man nicht genau weiß, wohin man will, landet man leicht dort, wo man gar nicht hin will.“ (R.F.Mager)
Um herauszufinden, welche Methoden oder Übungen in den verschiedenen Weiterbildungen geeignet sind, biete ich als Lehrtrainerin den Teilnehmenden die Methode „
kollegiale Beratung“ an. Jede Person tauscht sich mit jeder anderen Person in der Gruppe aus. Bei diesem angeleiteten Erfahrungsaustausch werden Fragen gestellt wie:
Was soll mit dieser Übung erreicht werden?
Für welche Situation oder Personen ist dieses Training gedacht?
Welche Erkenntnisse soll die spezielle Vorgangsweise ermöglichen?
Durch diese ausführlichen Diskussionen mit Anderen, die ganz unterschiedliche Blickwinkel und Sichtweisen haben, erkennen die Teilnehmenden rasch, ob die spezielle Übung für die gedachte Situation gut geeignet ist oder ob eine andere Methode oder Übung passender wäre. Es sollte dabei nicht nur auf das gehört werden, was gesagt wird, sondern auch darauf geachtet werden, was gemeint ist. Dabei werden viele kreative Ideen entwickelt und die Teilnehmenden erweitern damit ihr Repertoire an Methoden und Übungen. In veränderter Form kann ein solches Üben auch für firmeninterne Diskussionen eingesetzt werden.

Episoden aus meinem Leben – Gschaftlhuber

138. Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

 

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Facebook hat auch Vorteile.

Im Jahr 2005 rege ich als Betriebsrat meine Kolleginnen und Kollegen dazu an, das Blatt „Teamwork – Mondi-Betriebsrat“ herauszubringen. Einer  unserer Vorstände, CEO, sponsert nicht nur vierteljährlich das Papier (was ja in einer Papierfabrik nichts Außergewöhnliches darstellt), sondern auch den Farbdruck für zirka 1000 Exemplare.

Ende 2007 gehe ich in Pension, die ich jahrelang hauptsächlich genieße. Sieben Jahre später wird mir bewusst, dass die „Eigenbrötlerei“ bei meinem Hobby, der Ahnenforschung, neben einigen Unternehmungen für den Rest meines Lebens nicht reicht.

Ich erinnere mich, dass ich immer ein „Gschaftlhuber“ war und gerne an die Zeit anknüpfen möchte, als ich mit der Betriebsratzeitung die Kollegen nicht nur informiert, sondern auch unterhalten habe. Nach so vielen Jahren besteht auch keine Gefahr mehr, für zu anhänglich gehalten zu werden. Mit Hilfe von Facebook nehme ich mit der Crew von damals wieder Kontakt auf. Es gelingt ganz leicht und die Reaktionen sind sehr positiv. Ich freue mich sehr.

Unterbrochen durch eine krankheitsbedingte Pause steigere ich mich jetzt wieder spontan in diese selbst gewählte Aufgabe hinein. So oft ich Exkolleginnen oder Exkollegen auf Facebook finde, lade ich sie in die Gruppe „Neusiedler Teamwork“ ein, die nur für die aktuelle oder ehemalige Belegschaft von Mondi / Neusiedler zugänglich ist. Die Schar der Interessierten, die sich kontinuierlich vergrößert, fordere ich auf, sich bei der Gestaltung zu beteiligen. Viele erstellen eine Biographie über ihren Werdegang. Diese ihre Schilderung interessiert die meisten von uns. Sie gibt uns die Gelegenheit, spannende Details bei der Entwicklung ihrer Karriere oder in ihrem privaten Leben zu erfahren.

Wo es möglich ist, verwenden wir sowohl Deutsch als auch Englisch. Längere Berichte schreiben wir in der Muttersprache oder in Englisch, weil das eher von allen verstanden wird.

Ich versuche, aus meinem großen Repertoire, zusammengetragen im Zuge meiner Tätigkeit als Betriebsrat, das herauszukramen, was  die meisten ansprechen könnte: Gruppenfotos oder Porträts, die leider nur in recht unterschiedlicher Qualität vorhanden sind.

 

Neusiedler

 

Wo ich bei Facebook-Freunden erinnert werde oder mein Kalender mir Aufschluss gibt, gratuliert „Neusiedler Teamwork“. Brenzlig wird es, wo aus Unachtsamkeit einen Tag zu früh gratuliert wird, bedeutet es doch – im Speziellen bei unseren bundesdeutschen Freundinnen und Freunden – Nachteiliges für das bevorstehende Lebensjahr. Für mich als betagten Österreicher (junge sind von diesem Brauchtum schon infiziert) bedeutet das gar nichts. Was mir jedoch besonders peinlich ist, ist die Tatsache, dass ich einer Person sowohl unter ihrem Mädchennamen als auch unter ihrem Ehenamen gratuliert habe. Welch ein Fauxpas!

Aktuell gibt es in der Gruppe „Neusiedler Teamwork“ zirka 150 Mitglieder. Obwohl ich noch einige Gruppenfotos und Porträts zu publizieren habe, freue ich mich über jeden Beitrag der Anderen. Schließlich ist das der Zweck dieser Gruppe, die ich als Pensionist zwar problemloser aber nicht auf ewig betreuen kann.

Eines wird jedenfalls sichtbar: Facebook macht’s möglich.

Ansichten & Einsichten – übertriebene Reaktion

Ansichten & Einsichten 67 1. Apr.. 2019 Weitere Beiträge

 

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einer Beraterin und Trainerin über erlebte Missverständnisse und schwierige Situationen. Hier gebe ich konkrete Anregungen für Verhaltensmöglichkeiten, wie mit Respekt, Wertschätzung, Humor und (angeleitetem) Erfahrungsaustausch einfühlsame Kommunikation und konstruktive Intervention möglich sind.

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Wie sag ich’s?
Für ein konstruktives Miteinander!

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Foto. Alexandra Grill

 

Worum geht’s?
„Mir ist etwas sehr Peinliches passiert. Während einer Auseinandersetzung mit einem Kollegen bin ich regelrecht explodiert, was sonst gar nicht meine Art ist. Ich bin eher ruhig und verbindlich. Das darf mir nicht mehr passieren. Was kann ich tun?“
Wir versuchen nun gemeinsam, die Ursache des für die Kundin ungewöhnlichen Verhaltens herauszufinden. Gab es einen besonderen Anlass, einen persönlichen Widerstand beim besprochenen Thema aufzubauen? Hat der Kollege eine verstärkte Reaktion herausgefordert? Beim konkreteren Nachforschen, was der Auslöser hätte sein können, erinnert sich die Kundin auf Nachfrage an ähnliche Situationen, bei denen sie sich nicht ernst genommen und angegriffen gefühlt hatte. Ja: genau die gleiche Empfindung hat jetzt ihre übertriebene Reaktion ausgelöst. Diese früheren schweren Kränkungen haben die aktuelle Situation überdimensional verstärkt, sodass sie diese nicht mehr kontrollieren konnte. Ihre Erkenntnis für zukünftige ähnliche Situationen besteht darin, für sich zu klären, wodurch sie aufgrund früherer schlimmer Erfahrungen schwer verletzt werden kann. Wir erarbeiten nun gemeinsam persönliche Strategien, damit sie jeweils
prompt und sicher auf für sie schwierige Situationen reagieren kann.

Episode aus meinem Leben – wie ich alt werde

 

Episoden aus meinem Leben

137. Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel
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Der Morgen einer Person in meinem Alter und in meiner Verfassung beginnt mit einer schwungvollen Gewichtsverlagerung aus dem Bett. Vorher schaue ich noch den Dehn- und Streckübungen meiner Frau zu, ohne mitzumachen. Ich genieße das Privileg, den Zeitpunkt meines Aufstehens frei wählen zu können. Er liegt zwischen halb sieben und halb acht Uhr. Die Einnahme der Medikamente, die ich häufchenweise zu mir nehme, richtet sich danach.

Zum Ausgleich für die Zubereitung des Mittagessens durch meine Frau, das Erfahrung und Kreativität verlangt, richte ich ohne viel Aufwand ganz automatisch das Frühstück. Es bleibt mir daher nur die Zeit für das Lesen der interessantesten Teile einer Zeitung beim Schlürfen des Kaffees, während meine Frau fünf Zeitungen liest und immer noch Gelegenheit findet, mir zwischendurch Teile davon vorzulesen.

Danach setze ich mich erwartungsvoll und mit großem Vergnügen hinter meinen Mac, lese E-Mails und Nachrichten aus den Social Media. Da ich dort viele Initiativen setze, kann ich auch viele Rückmeldungen genießen.

Manchmal lasse ich mich dazu bewegen, zusammen mit meiner Frau einen Spaziergang für die körperliche Ertüchtigung zu unternehmen. Der Unterschied in Alter und Gewicht lassen mich schlecht aussehen. Nicht nur dass ich manchmal eine Parkbank brauche, taumle ich auch durch die Gegend, als ob ich betrunken wäre. Aber von Bitter Lemon allein kann das nicht kommen. Die Ärzte kramen bei solchen Gelegenheiten immer wieder lateinische oder griechische Fachausdrücke hervor wie in diesem Fall Polyneuropathie. So etwas steht mir in meinem Alter eben zu.

Zurückgekehrt setze ich mich wieder voller Elan vor meinen Computer. Ich senke meinen Kopf so tief, damit ich Inhalte wahrnehmen kann, die nicht vom Bildschirm, sondern von meinem Erinnerungsvermögen kommen. Dann beginne ich eifrig zu schreiben. Es gilt, die Anfangsschwierigkeiten zu überwinden. Sobald ich das tatsächlich geschafft habe, lösche ich fast immer den ersten Absatz aus meiner neuen Geschichte. Anschließend foltere ich die Tastatur, bis zumindest ein Teil des geplanten Ganzen fertig ist. Beim Verfassen hilft mir die Erinnerung an meine früheren Taten und Untaten. Die unmittelbar vergangenen sind meinem Gedächtnis ohnehin leider oder zum Glück entronnen.

Um die Mittagszeit werde ich von meiner Frau mit dem Standardsatz „du kannst schon Händewaschen“ zum Essen geladen. Das ist meist eine willkommene, manchmal jedoch auch eine unliebsame Unterbrechung. Genießen tu ich das Mittagsmahl immer, denn meine geliebte Frau hat die Kochkünste meiner Schwiegermutter nicht vergessen, sondern vervollkommnet.

Wenn mir dann jedoch beim Abräumen des Tisches etwas hinunter fällt, stellt das schon ein Problem für mich dar. Das Bücken ist mit großer Anstrengung verbunden, sodass ich es manchmal durch Niederknien ersetzen muss. Und zum Aufstehen brauche ich jedenfalls einen festen Halt.

Sobald ich endlich die aktuelle Episode aus meinem Leben fertig habe, ist sie noch nicht fertig. Das Lektorat meiner Frau erfordert noch viel Nachdenken meinerseits, gibt mir jedoch auch eine gewisse Sicherheit.

Egon Poet
Ist das Opus „druckreif“, setze ich mich wieder an den Computer, diesmal an den Windows-Laptop, weil sich dort das Programm zum Hochladen und Veröffentlichen des Geschriebenen befindet. Oft benütze ich auch die Gelegenheit, Fotos oder Nachrichten in der Facebook-Gruppe mit meinen Ex-Kolleginnen und-Kollegen zu integrieren. Alternativ vergnüge ich mich im Kreise von Freunden mit dem Kartenspiel Whist, das fast jedem die Chance einräumt zu gewinnen.

Mit viel Gelassenheit beende ich den Tag fast immer vor dem Fernseher. Meistens vergesse ich dabei, wie ich schon so bin, die Computerbrille mit der Gleitsichtbrille zu tauschen. Meine Kopfhörer, die die Ohren meiner Frau und unserer Nachbarn vor einem zu hohen Geräuschpegel schonen sollen, rennen mir auch nicht nach. Die unvermeidlichen Medikamente vergesse ich nur in absoluten Ausnahmefällen. Dazu bin ich viel zu lebensfroh, will ich doch auch am Tag danach wieder schwungvoll mein beachtliches Gewicht aus dem Bett in eine aufrechte Stellung verlagern.

Ansichten & Einsichten – firmeninterne Konflikte

Ansichten & Einsichten 66 25. Mrz. 2019 Weitere Beiträge

 

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Wie sag ich’s?
Für ein konstruktives Miteinander

Wie_sag-ich_es

Foto. Alexandra Grill

 

„Geht’s jetzt endlich los?“

Ungeduldig fordert mich ein Teilnehmer eines firmeninternen Konflikt-Trainings auf, der Gruppe Lösungsvorschläge für das interne Problem anzubieten. Das bewegt mich, nicht nur diesem Teilnehmer, sondern der gesamten Gruppe meine Vorgangsweise konkreter zu erläutern.

Bei Gruppentrainings muss ich als Trainerin darauf achten, dass für alle Beteiligten angemessen Raum und Zeit vorhanden sind, damit von jeder Person das Fachwissen und der mögliche Beitrag für das Gelingen in der richtigen Bedeutung berücksichtigt werden. Für manche Teilnehmende „geht alles zu langsam“. Ich soll konkrete Lösungen anbieten.

Jede Gruppe ist ein Zusammentreffen verschiedener Individuen. Die Wahrnehmung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden ist die Voraussetzung für einen gelingenden Gruppenprozess. Die Bedürfnisse jeder Person in der Gruppe sind für mich gleich wichtig. Meine Rolle ist es, den Entscheidungsprozess der Konfliktlösung zu begleiten.

Begleiten heißt nicht, vorgeben oder vorschreiben. Mit Anregungen werden Blickwinkel und Sichtweisen erweitert. Mit Ermutigung und Zutrauen wird es möglich, sich auf Veränderungen einzulassen. Meine Aufgabe ist es, das Wesentliche zu erfassen und eine angemessene Begleitung für die individuelle Entwicklung zu bieten.

Der Kollege kann diese Vorgangsweise nachvollziehen und die Gruppe ist nun gerne bereit, sich auf die gemeinsame Arbeit einzulassen.

 

Episode aus meinem Leben – k. & k. Gerichtsbarkeit

Episoden aus meinem Leben

136. Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel
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Gerichts-Saal
Ich liebe Betriebsausflüge, in der wir Angestellte der Wiener Niederlassung unserer Firma einander besser kennen lernen und näher kommen können. 1997 im Renaissance-Schloss Greillenstein im Bezirk Horn wird für uns neben den verschiedenen sportlichen Unternehmungen eine Gerichtsversammlung um das Jahr 1850 nachgestellt. In einem passend ausgestattete Gerichtssaal finden wir alle erforderlichen Utensilien wie Kruzifixe, Kerzen, Tintenfässer und Federkiele. Zum Anziehen erhalten wir historische Kostüme, insbesondere richterliche Roben, Perücken und Barette für die Repräsentanten der Gerichtsbarkeit.

Den Richter oder Justitiar gibt Stefan, ich den Schreiber und Anton den Beisitzer. Wahllos suchen wir einen als ‚Inquisiten‘ oder Schuldigen aus unserer Kollegenschaft. Im Endeffekt wird Michael widerspruchslos dafür bestimmt. Zur ‚graviden‘ Magd, um die es geht, wird erst nach längeren Diskussionen Andrea ausgesucht.

Am Beginn der Gerichtsverhandlung wird die Anklage des Gutsherrn, der als Oberhaupt aller auf seinem Hof Bediensteten automatisch auch für deren leibliches Wohl sorgen muss, verlesen: „Der Knecht Michael hat die Magd Andrea geschwängert, ohne mit ihr kirchlich verheiratet zu sein. Damit will er die Verpflichtung, den Lebensunterhalt für sein Kind zu bezahlen, dem Gutsherrn aufbürden.“

Sofort bekomme ich als Protokoll-Schreiber viel zu tun. Der ‚vorarrestierte‘ Angeklagte wird befragt, wie er heiße, welcher Religion er angehöre, ob er vermählt oder ‚einschichtig‘ sei und wie alt er wäre; von ‚wannen‘ er gebürtig sei und wer seine ‚Erzeuger‘ wären. Interessant wird es, als der Richter ihn verhört, ob er wisse, wessen er angeklagt wäre. Er verneint und wird jetzt mit der ganzen Schwere seines Frevels konfrontiert. Ich schreibe mir die Finger wund.

Bevor der Richter von seiner vorrangigen Position noch das Wort  ergreifen kann, mischt sich der Pfarrer, die hier unwidersprochene Respektsperson ein: „Hier in einem katholischen Land zählt es zu den Todsünden, das Gebot der Keuschheit zu missachten. Hat ‚er‘ tatsächlich dagegen verstoßen?“ Michael verneint vehement. Ohne darauf zu achten, beschuldigt ihn der örtliche Seelsorger, dass man protestantische Umtriebe vermuten müsse, wenn er es getan hätte.

Das Gericht distanziert sich von der moralischen Instanz und befragt Andrea die Magd, von wem sie schwanger sei. Kleinlaut antwortet sie, ihrer eigenen Schuld bewusst, dass es tatsächlich der Angeklagte gewesen wäre. Jetzt werden der Reihe nach alle Anwesenden am Geschehen beteiligten Beteiligten befragt. So lässt Beatrix, die Wirtin des Dorf-Gasthauses, wissen, dass Michael bei der ‚Zecherei‘ mit Bier und Wein mehrmals geprahlt hätte, öfter mit unzweideutiger Absicht in Andreas Kammer gewesen zu sein.

Im Anschluss an die Befragung von rund zehn ‚Testimonen‘, die über detaillierte Feinheiten Bescheid wissen sollten, und nach etwa eineinhalb Stunden ‚exkulpierte‘ sich Michael, der ‚Maleficant‘, damit, dass er von der reizenden Andrea, die sich jetzt in anderen Umständen befindet, verführt worden wäre; sie hätte absichtlich ihren Busen vor ihm entblößt.

Wir lachen über die schauspielerischen Nuancen unserer individuell gestalteten Aufführung der mittelalterlichen Gerichtsversammlung und haben auch Spaß an den unterschiedlichen Auffassungen, was als schändliches Delikt zu werten ist und was nicht.

Was hat sich alles verändert seit der kaiserlichen Entschließung zur österreichischen Gerichtsbarkeit von 1849! Wie wird das wohl in weiteren 150 Jahren sein? Wird man ähnlich amüsiert über unsere Gerichtsbarkeit von 2019 (oder gar 1997) lächeln?

Ansichten & Einsichten – Meinen Impulsen vertrauen

 

Ansichten & Einsichten 65 18. Mrz.. 2019 Weitere Beiträge

 

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einer Beraterin und Trainerin über erlebte Missverständnisse und schwierige Situationen. Hier gebe ich konkrete Anregungen für Verhaltensmöglichkeiten, wie mit Respekt, Wertschätzung, Humor und (angeleitetem) Erfahrungsaustausch einfühlsame Kommunikation und konstruktive Intervention möglich sind.

Über Ergänzungen und diskussionsfreudigen Austausch freue ich mich jetzt schon!

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Wie sag ich’s?
Für ein konstruktives Miteinander!

Wie_sag-ich_es

Foto. Alexandra Grill

 

Worum geht’s?
Ich habe eine neue Stellung als Führungskraft angetreten und fühle mich noch unsicher. Ich spüre die Erwartungen der Mitarbeitenden, weiß aber nicht genau, wie ich mich verhalten soll.
Wir klären nun gemeinsam, worin diese Unsicherheit besteht: einerseits sind die „informellen Regeln“ in dieser Organisation noch nicht erkennbar und andererseits fehlt die Erfahrung in einer Führungsposition.
Wie es der Kunde richtig einschätzt, ist wichtig, auf Bedürfnisse und Erwartungen zu achten. Genauso wichtig ist es, wie andere kompetente leitende Persönlichkeiten mit den eigenen Empfindungen bewusst umzugehen. Personen in einer Führungsposition brauchen Selbstbewusstsein. Das bedeutet, dass sie alle ihre Fähigkeiten und Möglichkeiten kennen und dadurch gelassen agieren. Diese innere Sicherheit wird durch äußere Klarheit sichtbar. So kann eine Führungskraft offen und ehrlich kommunizieren und authentisch sein. Das ist glaubwürdig und daher annehmbar. Als kompetente leitende Personen nehmen wir die Befindlichkeiten Anderer ernst, beziehen sie aber nicht auf uns persönlich. So können wir jede noch so schwierige Situation meistern.
Meine Anregung:
den eigenen – ersten – Impulsen, also im Unterbewusstsein gespeicherten Erfahrungen, zu vertrauen. Dieses Authentisch-Sein ist die Individualität, in der wir uns von Einflüssen Anderer abgrenzen können. So fühlen wir uns sicher und vermitteln Klarheit und damit Sicherheit für die Mitarbeitenden. Hilfreich ist dabei immer, anschließend zu reflektieren, welche Erfahrungen und welches Wissen diesen Impuls begründet haben.

Nächstes Seminar „Meinen Impulsen vertrauen“

Episode aus meinem Leben – Ehe mit Schwierigkeiten

135 Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

 

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Ich freue mich über jeden Titel oder Kommentar und über jeden, der künftig die Splitter regelmäßig erhalten wollen. Bitte alles an: egon.biechl@drei.at
Kommentare nur für mich privat bitte als solche kennzeichnen.


 

Ich schaffe den Spagat zwischen meinem Kloster- und meinem Eheleben nicht.
Ich bin befreit von den Zwängen eines Lebens im Kloster. Ich lege mein Ordenskleid ab und damit die Verpflichtung zu Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam. Bis jetzt haben die Oberen des Ordens die Regeln für jede Situation in meinem Leben vorgegeben, jetzt darf ich alles allein bestimmen, ohne auf irgend jemand hören zu müssen.
Im Beruf habe ich freilich Vorgesetzte, die bestimmen was unsere gemeinsamen Ziele sind und wie wir sie erreichen sollen. Solche Vorschriften kenne ich zur Genüge, besser als andere. Hier fühle ich mich zu Hause, brauche nicht viel umzulernen.
Braut

Die Freiheit in den essentiellen Belangen des Lebens stellt mich allerdings vor Probleme. Ich bin nicht mehr gebunden, den Tageslauf minutiös einzuhalten. Man kann mich nicht mehr widerspruchslos an einen anderen Ort versetzen. Ich kann flirten mit wem ich will, ohne schlimme Folgen befürchten zu müssen. Aber wer sagt mir, wo ich wohnen soll, was ich essen und trinken soll, wie ich mich anziehen soll. Ich habe niemanden, der mich instruiert, wie ich mit Unsicherheiten umgehen soll.
Prompt komme ich in eine Situation, die mir absolut fremd ist. Früher haben sich Frauen für mich interessiert, weil ich durch mein Ordensgewand eine Herausforderung war: „Kann ich bei einem Mann, der sich dem Zölibat verpflichtet hat, im Gegensatz zu anderen doch etwas erreichen?“ Jetzt treffe ich eine Frau, die meinen Ehrgeiz herausfordert: „Kann ich bei ihr erreichen, dass sie sich für mich interessiert?“
Es gelingt mir. Aber wie geht es weiter. Es gibt niemanden, an den ich mich vertrauensvoll wenden könnte. Ich stolpere hinein in dieses Abenteuer. Manchmal fühle ich mich von meinem Draufgängertum überfordert. Alles ist neu für mich. Ich habe keinerlei Erfahrung in solchen Belangen. Ich will es nicht wahr haben, aber ich brauche Hilfe. Die Eltern sind gestorben, Geschwister hat es nie gegeben. In einem anderen Bundesland existiert zwar eine Tante, um Rat bitten möchte ich sie nicht. Bis vor acht Monaten gab es meinen verlässlichen Beichtvater, den Pater Magister, den Pater Prior, den Pater Provinzial und sogar den Pater General. Aber jetzt?
Beim Begräbnis ihres Vaters, den ich nie kennen gelernt habe, bin ich dabei. Danach will sie mit mir intim sein. Es ist mein allererster Geschlechtsverkehr.
Da es keine andere Möglichkeit gibt, mit dieser attraktiven Frau zusammenzuleben, ziehe ich zu ihr nach Wien. Alles Übrige ergibt sich von selbst. Ich werde von ihrer Mutter und ihrem Sohn aus erster Ehe herzlich willkommen geheißen. Der Neuling in der Wohngemeinschaft bleibe ich. Zum Arbeiten darf ich mir im Vorzimmer einen Tisch aufstellen, worüber ich sehr froh bin. Bald heiraten wir. Da ich relativ gut verdiene, erwartet meine Frau von mir die Finanzierung vieler notwendiger Investitionen und teilweise auch solcher, die hintan gestellt werden könnten. Ich nehme dafür Kredite auf. Wohl fühle ich mich dabei nicht, aber es gibt niemanden, von dem ich mir Rat holen könnte.
Der unvergessliche Lichtblick in unserer Beziehung ist die Geburt meiner Tochter. Ich, der zu lebenslanger Keuschheit verpflichtete und mittlerweile davon dispensierte Mönch, werde Vater. Meine Freude kennt keine Grenzen. Jetzt haben wir zwei Kinder.
An der Kreditspirale ändert das nichts. Die Armut bleibt mir trotz der Dispens von meinem Gelübde erhalten.
Zusehends verkümmert die emotionale Liebe zwischen meiner Frau und mir. Ich bin überfordert, einen Dialog zwischen uns aufzubauen. Ich weiß nicht, was ich tun kann, um diese Entwicklung einzubremsen. Einen Beichtvater, den ich fragen kann, habe ich nicht mehr. Das eheliche Zusammenleben nach einigen Jahren ist eben so, denke ich mir.
Auch die beiden Kinder leiden in dieser Situation. Sie stehen meiner Frau näher, ist sie doch außerhalb der Schulzeiten immer mit ihnen zusammen. Ich fühle mich aus dem Familienverband ausgegrenzt und sehe – unerfahren wie ich immer noch bin – keine Handhabe, dem entgegen zu wirken.
Ich beginne, mich von zu Hause fernzuhalten. Ich mache Überstunden, mehr als notwendig. Um den Vorwürfen meiner Frau zu entgehen, bleibe ich bis spät abends in einem Kaffeehaus.
Eine Kollegin erkennt meine niedergedrückte Stimmung und hilft mir bei ausführlichen Gesprächen, den Gedanken zu entwickeln, dass ich mit meiner Ehe Schluss machen kann und auch sollte.
Das wird zur Gewissheit, als ich auf einer Parkbank sitze und beim Nachdenken über meine Situation keine Luft mehr bekomme.

 

Hochzeit

 

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