Hervorgehoben

113. Episode – Betriebsrat

Episoden aus meinem Leben

113. Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

 

Link zur Übersicht aller bisherigen Splitter
Link zum Feedback auf diesen Splitter
Link zum Feedback auf den letzten SplitterIch freue mich über jeden Titel oder Kommentar und über jeden, der künftig die Splitter regelmäßig erhalten will. Bitte alles an: egon.biechl@chello.at
Kommentare nur für mich privat bitte als solche kennzeichnen.

 


Weihnachtsfeier Betriebsfeier

 

„Sie sind ein Aufsichtsratsvorsitzender, den wir schätzen, weil unsere Firma unter Ihrer Führung prosperiert und besser dasteht als die Konkurrenz. Was Sie jetzt von uns verlangen ist die Bereitschaft einzuwilligen, über das gesetzliche Maß hinaus Mehrarbeit zu leisten. Uns beängstigt die Situation, den Entscheidungen unserer Chefs ausgesetzt zu sein, die nach ihrem Gutdünken unerwartet Überstunden anordnen können.“ Das ist etwas, was ich bei einer Betriebsversammlung vor der großen Mannschaft in der Fabrik gesagt habe.

Zum Weihnachtsfest der Firma hält unser Chef normalerweise eine passende Ansprache, für die ich mich bedanke. Heuer ist er durch Sitzungen von der Teilnahme abgehalten. Er schickt uns seinen Vize, der voraussichtlich etwas später eintreffen wird.

Ich – als Betriebsrat unserer Verkaufsabteilung in Wien – richte daher zunächst meine Worte an die zirka 40 Angestellten, die dort beschäftigt sind. „Liebe Kolleginnen und Kollegen, unserer Firma geht es – Gott sei Dank – gut und wir haben allen Grund, Weihnachten auch im Lichte unseres Erfolgs zu feiern.“

Der Stellvertreter unseres obersten Chefs kommt tatsächlich bald mit Weihnachts-Glückwünschen. Dann gelangt er zum wesentlichen Teil seiner Botschaft. Wir hätten im Jahr 1998 ein Jahrhundert-Ergebnis eingefahren, müssten aber befürchten, dass sich die Kostensituation ab jetzt so verschlechtere, dass wir in der unmittelbar bevorstehenden Zukunft gemeinsame Anstrengungen unternehmen müssten, um nicht von der geänderten Situation überfahren zu werden. Trotzdem könnten wir für heuer eine Prämie erwarten.

Ich frage ihn, wie hoch die wäre, bekomme aber eine ausweichende Antwort. Sie müsse erst berechnet werden. Sie werde zwar bescheiden aber spürbar sein.

Seinen Hinweis auf die Zyklen in der Papierindustrie, die 1999 talwärts laufen, kommentiere ich: „Wir sind davon überzeugt, dass wir nach den riesigen Erfolgen im vergangenen Jahr weiterhin ein gutes Ergebnis bringen werden. Von Produktionskürzungen ist derzeit keine Rede. Also finde ich das geschilderte Szenario übertrieben.In unser aller Interesse bilden wir gemeinsam mit unseren Vorgesetzten ein zusammengeschweißtes Team, wenn es dabei auch manche Schweißnähte gibt. Jetzt schon sind wir glücklich über die Erfolge, die wir bei der Zusammenarbeit mit der eben erst in den Firmenverband aufgenommenen russischen Papierfabrik erzielt haben. Wir werden uns auch den künftigen Herausforderungen stellen.“

Da der Firmenbeauftragte bald schon wieder weg muss, wünsche ich – in der Art eines Klosterbruders, der ich einmal war – allen ein geruhsames Weihnachtsfest im Kreise ihrer Lieben und kündige an: „Das Buffet ist eröffnet.“

Hervorgehoben

111. Episode aus meinem Leben – zusammengefallenes Bett

111. Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

 

Link zur Übersicht aller bisherigen Splitter
Link zum Feedback auf diesen Splitter
Link zum Feedback auf den letzten SplitterIch freue mich über jeden Titel oder Kommentar und über jeden, der künftig die Splitter regelmäßig erhalten will. Bitte alles an: egon.biechl@chello.at
Kommentare nur für mich privat bitte als solche kennzeichnen.

 


Die ab und zu erforderliche Reinigung des Fußbodens unter unserem Doppelbett steht an. Die Systemrahmen, so heißt jetzt der Ersatz für die früheren Lattenroste, sind mit den verstellbaren Liegepositionen und den dafür erforderliche Motoren viel schwerer als die ohnehin schweren Matratzen. Lässig übernehme ich die schwere Aufgabe, sie in passende Position fürs Staubsaugen zu bringen. Aber ich bin ein Laie und überschätze mein Geschick, das dafür erforderlich ist. Ein Systemrahmen fällt auf den Balken zwischen den beiden Liegeflächen und lässt ihn einknicken. Was tun?Ich nehme also die beiden Bruchstücke des Kantholzes unter der den Arm und gehe in einen Laden für Selbstbaumöbel. Beim Anmarsch mache ich gedanklich Bestandsaufnahme der erforderlichen Werkzeuge, um selber das beschädigte Ersatzteil zu reparieren. Ich habe Lochsägen und Stichsägen und jede erforderliche Art von Schrauben inklusive Längs- und Kreuzschlitz-Schraubendrehern. Also kein Problem! Die Schwierigkeit besteht nur darin, dass der Verkäufer klarstellt, ein Brett dieser Breite und Dicke wäre nicht lieferbar.
Es bleibt mir also nicht erspart, die Rechnung für die gesamte Schlafzimmereinrichtung herauszusuchen. Sie datiert vom Jahr 2004. In der Hoffnung, dass der Hersteller das Ersatzteil lagernd hat oder zumindest erzeugen kann, rufe ich beim damaligen Lieferanten an. Ich habe viel Mühe, mein Anliegen begreiflich zu machen. Mein Telefon-Partner versteht nicht, was die „Mittelkonsole eines Doppelbetts“ sein soll. Erst als ich die Kaufvertrags-Nummer von damals nenne versteht er, dass es sich um eine „Traverse“ handelt. Jetzt geht es rasch. Nach einer Rückfrage beim Hersteller des Betts ist geklärt, dass das Ersatzteil lieferbar ist. Der Preis ist mir in diesem Moment ziemlich egal. Das Bestellformular würde mir zum Zweck der Unterschrift noch am selben Tag gemailt.Meine Frau und ich überlegen uns, wie wir diese und künftige Nächte schlafen sollen. Wir wählen die einfachste Variante und legen Systemrahmen und Matratze auf den Boden zwischen den „Begrenzungsborden“ (wie das wohl fachgerecht heißt?). Kann doch nicht so schwer sein! Abends steigen wir fast mühelos in unsere Schlafhöhle ein. Als ich in der Nacht auf die Toilette muss, schaffe ich es trotz aller möglichen und unmöglichen Verrenkungen nicht, über das Seitenbord wieder auszusteigen. Ich reiße damit meine Frau aus dem Schlaf. Sie ist viel geschickter als ich und hilft mir durch Handreichen aus meiner misslichen Lage. Da ich noch weiterschlafen will, nehme ich mir jetzt einen Regenschirm als Halterung an einem Mauervorsprung mit, damit ich das Handikap allein bewältigen kann. Den Schirm brauche ich dann aber nicht, weil ich – höchst ungewöhnlich – gleichzeitig mit meiner Frau aufstehe und ihre entgegengestreckte Hand ergreife.
Stammbaum
Da das angekündigte Formular auch am nächsten Tag nicht kommt, mache ich mir über die Gültigkeit unserer Abmachung Sorgen. Der Berater von der Service-Line hört sich die mittlerweile fachgerechte Schilderung meines Anliegens an. Er gibt zu, nicht zu wissen, ob mein Wunsch erfüllbar wäre. Als ich ihm versichere, bereits eine fixe Zusage zu haben, fragt er mich, von wem ich diese erhalten hätte: „Wenn sie seinen Namen nicht kennen, kann ich leider nichts für Sie tun. Der betreffende Mitarbeiter kann außer Haus sein. Sogar in Urlaub kann er sein. Es tut mir leid.“ Da er auflegt, rufe ich noch einmal an und bemerke durch ein Knacksen in der Leitung, dass man mich wieder in die Warteschleife befördert hat. Erst beim fünften Anruf spreche ich mit dem „Fachmann“ von vorher, gebe mit erhobener Stimme meinem Ärger Ausdruck und frage, ob es in dieser Riesenfirma nur einen Zuständigen gäbe: „Verbinden Sie mich mit dem Mitarbeiter, der Bescheid wissen müsste, auch wenn er dazu nicht die Qualifikation hat. Nennen Sie mir vorsichtshalber seinen Namen und Ihren eigenen dazu.“ Gleich danach bin ich mit dem Ansprechpartner von gestern verbunden. Der ist sofort im Bilde und entschuldigt sich. Nach einem Monat würde ich den fehlenden Teil bekommen …

Wie wir in der Zwischenzeit unsere Schlafsituation organisieren? Das ist eine andere Geschichte.

kostenfrei

Ansichten & Einsichten – Aktives Zuhören

Ansichten & Einsichten 72   20. Mai 2019   Weitere Beiträge

 

In den kurzen Beiträgen
geht es um praktische
Beispiele aus dem Alltag

einer Beraterin und Trainerin über erlebte Missverständnisse und schwierige Situationen. Hier gebe ich konkrete Anregungen für Verhaltensmöglichkeiten, wie mit Respekt, Wertschätzung, Humor und (angeleitetem) Erfahrungsaustausch einfühlsame Kommunikation und konstruktive Intervention möglich sind.

Über Ergänzungen und diskussionsfreudigen Austausch freue ich mich jetzt schon!

Beiträge, die nicht veröffentlicht werden
sollen, bitte entsprechend anmerken!

Wie sag ich’s?
Für ein konstruktives Miteinander

Wie_sag-ich_es

Foto. Alexandra Grill

 

„Jetzt verstehe ich erst, was du gemeint hast“, war der erstaunte Ausruf einer Teilnehmerin während eines Kommunikationstrainings. Spontan hatte ich zuvor eine Übung angeregt, weil ein Teilnehmer durch seine Äußerung bemerkbare Aufregung in der Gruppe ausgelöst hatte. Ich nenne diese Übung „Aktives Zuhören“. Andere Trainerinnen oder Trainer benennen sie auch mit „Kontrollierter Dialog“. Im Wesentlichen geht es darum, genau hinzuhören und dabei verstehen zu wollen, was die andere Person mir mitteilen möchte. Üblicherweise formulieren wir unsere Antworten schon bevor unser Gegenüber die eigene Meinung ausführlich dargestellt hat. Uns genügen bereits ein paar Worte, damit wir zu wissen glauben, was gemeint ist. Beim „Aktiven Zuhören“ ist es die Aufgabe jeder der beiden Kontrahenten, genau hinzuhören und dann mit eigenen Worten das Gehörte zusammenfassend wiederzugeben, bevor noch eine Reaktion „erlaubt“ ist. Es geht dabei darum, dass beide Personen respektvoll mit ihren unterschiedlichen Aussagen umgehen lernen. Es gibt immer einen Grund für eine spezielle Meinung. Auch wenn ich diese Meinung nicht teile, kann ich für mich klären, wie die andere Person zu dieser Meinung gekommen ist – ganz im Sinne Voltaires: „Du bist anderer Meinung als ich und ich werde dein Recht dazu bis in den Tod verteidigen.“

144. Episode aus meinem Leben – Matura

Episoden aus meinem Leben

144. Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

 

Link zur Übersicht aller bisherigen Splitter
Link zum Feedback auf diesen Splitter
Link zum Feedback auf den letzten Splitter

Ich freue mich über jeden Titel oder Kommentar und über jeden, der künftig die Splitter regelmäßig erhalten wollen. Bitte alles an: egon.biechl@drei.at
Kommentare nur für mich privat bitte als solche kennzeichnen.

 


 

„Meine Herren, wir heiraten nicht den Begriff ’schlank‘ oder ‚blond‘, sondern konkrete Exemplare! Nachher nützt es dann nichts mehr, wenn wir eine Stinkwut haben. Mir gefallen die jungen Männer, die sagen: ‚Ma, ka schiacha Schragn!“ Und Sie, meine Damen, hüten Sie sich: Wenn die Weiber verblühen, verduften die Männer.“

Das ist eine Warnung, die uns unser Philosophie-Professor im Rahmen der Matura-Vorbereitung mitgibt. Diese merkenswerte Ermahnung eignet sich auch ausgezeichnet als eine der Pointen für unsere Matura-Zeitung, wofür wir gerade eine Sammlung gestartet haben. Wir sind uns nämlich noch nicht ganz sicher, wo wir unsere Prioritäten setzen sollen: beim intensiven Studium für die Reifeprüfung oder bei der Vorbereitung für die Lustbarkeiten nach dem Examen.

Unser Geographie-Professor gibt uns dazu eine tiefgründige Weisheit mit auf den Weg: „Beide Möglichkeiten sind möglich!“ und dazu den wertvollen Hinweis: „Das muss man eben wissen, wenn man es weiß!“

Riese Sowohl der Lernstoff für die Prüfungen als auch der Lesestoff für unsere Zeitung wird uns also von unseren Professoren teils pflicht-, teils unbewusst zur Verfügung gestellt. Eindeutig zuordenbar ist die Aussage unseres Naturgeschichte-Professors: „Was ist der Mund? – Der Mund ist ein Verleumdungs-Apparat zur Aufbewahrung von Zähnen, um damit besser ins Gras beißen zu können.“ Normalerweise liegt jedoch der Schwerpunkt auf dem Aspekt der Wissens-Vermittlung wie bei: „Die Philippinen sind katholisch, es werden dort aber auch andere Sprachen gesprochen.“

Bei all diesen Ablenkungsmanövern seitens der Lehrbeauftragten lassen wir uns doch von den Utopien lenken, die wir mit dem Bestehen der Matura verbinden. Wenn wir diese Universalprüfung zum Abschluss des Gymnasiums geschafft haben, können wir übergangslos bei unserem Wunsch-Studium an der Universität inskribieren, ob es nun Medizin, Jurisprudenz, Technik, Sozialwissenschaften oder Lehramtsstudiengänge sind. Sicher werden wir dann bald zum Doktor promovieren. Und anschließend ist der Weg zu Universitäts-professorinnen und -professoren, zu Medizinal-, Hof-, Kommerzial- und Studienrätinnen oder -räten nicht mehr weit.

So bin auch ich davon überzeugt, mein Philosophie und Theologiestudium erfolgreich zu absolvieren und mit der Priesterweihe abzuschließen. Die Bescheidenheit, die einem künftigen Ordensmann zusteht, lässt mich nicht an irgendwelche Titel denken. Ich denke nicht einmal daran, Religionsprofessor zu werden, geschweige denn ein kirchlicher Würdenträger. Daran ändert auch die Aussage unseres temperamentvollen Geographie-Professors, der von der berühmten päpstlichen Enzyklika „Quadrageso animo“ (eine Verballhornung des richtigen Titels ‚Quadragesimo anno‘, lateinisch für ‚im vierzigsten Jahr‘) spricht, nichts. Selbstverständlich kommen auch keine politischen Ambitionen in mir auf, wenn – wo anders als in der Geographiestunde – davon die Rede ist, dass „die SPÖ 1963 den Kanzler und die ÖVP den Bundeskanzler stellt“.

 

Außerdem leben wir jetzt in der Gegenwart und können die Gelegenheit nützen, die Eigenschaften der Mitschülerinnen und Mitschüler zu beschreiben:

 

– „Schlägt die Augen nieder, wenn
ein Weibsbild oder Frauenzimmer
kommt.“
– „Gibt seine Körpergröße in
Verhältnis-Zahlen zum
Stephansdom an.“
– „Hände wie übrige Sprech-
werkzeuge sind gut ausgebildet.“
– „Redet über einen Film länger als
er dauert.“
Matura

 

Um mit unserem Naturgeschichte-Professor zu sprechen: „Ich erwähnte zu vergessen“, dass jeder von uns ausreichend studierte und mit mehr oder weniger Mühe erfolgreich maturierte.
kostenfrei

Ansichten & Einsichten 71 – Provokationen

Ansichten & Einsichten 71 12. Mai 2019 Weitere Beiträge

 

In den kurzen Beiträgen
geht es um praktische
Beispiele aus dem Alltag

einer Beraterin und Trainerin über erlebte Missverständnisse und schwierige Situationen. Hier gebe ich konkrete Anregungen für Verhaltensmöglichkeiten, wie mit Respekt, Wertschätzung, Humor und (angeleitetem) Erfahrungsaustausch einfühlsame Kommunikation und konstruktive Intervention möglich sind.

Über Ergänzungen und diskussionsfreudigen Austausch freue ich mich jetzt schon!

Beiträge, die nicht veröffentlicht werden
sollen, bitte entsprechend anmerken!

Wie sag ich’s?
Für ein konstruktives Miteinander!

Wie_sag-ich_es

Foto. Alexandra Grill

 

Worum geht’s?

In letzter Zeit passiert es mir immer wieder, dass mich andere Personen richtig mundtot machen. Ich möchte gerne auf Provokationen schlagfertig antworten können.

Können Sie mir konkrete Beispiele nennen?

„Du hast ganz falsche Ansichten!“ „Mit dir kann man ja gar nicht vernünftig reden!“ „Fürchtest du dich nicht auch vor der Parallelgesellschaft?“ „Wie kannst du nur mit so einer Person sprechen?“ – Wie kann ich denn auf solche Aussagen reagieren?

Es gibt keine einfachen Antworten. Auch eingeübte Sätze helfen nicht, um gut reagieren zu können. Jeder Mensch hat einen Grund für eigene persönliche Ansichten, Meinungen und Erfahrungen. Die damit verbundenen Gefühle sind der Hintergrund für die persönliche Sicht. Manchmal sind solche Provokationen der – unbewusste – Wunsch, für sich selbst eine passende Meinung zu finden. In einer bezweckten heftigen Diskussion scheint dies möglich. Das bedeutet, die Meinungen anderer ernst zu nehmen und nicht zu bewerten oder zu beurteilen. Besser ist es, genauer nachzufragen. „Warum meint die andere Person, dass eine andere Sicht der Dinge besser wäre?“ „Was heißt in diesem Fall vernünftig zu reden?“ “ Was verstehst du unter Parallelgesellschaft?“

Wenn ich solche Aussagen von anderen ernst nehme, aber nicht als persönlichen Angriff interpretiere, gelingt es, ein konstruktives Gespräch zu führen. Manchmal genügt es, überrascht und fragend zu schauen, um die andere Person zu animieren, sich konkret und konstruktiv zu erklären. Wenn ich mir zum Thema schon eine Meinung gebildet habe und mein Gegenüber davon überzeugen möchte, bietet sich an, deutlich zu sagen: „Ich sehe das anders und kann das auch begründen“.

 

Kleingruppenarbeit unerlässlich

 

Ansichten & Einsichten 70 6. Mai 2019 Weitere Beiträge

 

In den kurzen Beiträgen
geht es um praktische
Beispiele aus dem Alltag

einer Beraterin und Trainerin über erlebte Missverständnisse und schwierige Situationen. Hier gebe ich konkrete Anregungen für Verhaltensmöglichkeiten, wie mit Respekt, Wertschätzung, Humor und (angeleitetem) Erfahrungsaustausch einfühlsame Kommunikation und konstruktive Intervention möglich sind.

Über Ergänzungen und diskussionsfreudigen Austausch freue ich mich jetzt schon!

Beiträge, die nicht veröffentlicht werden
sollen, bitte entsprechend anmerken!

Wie sag ich’s?
Für ein konstruktives Miteinander

Wie_sag-ich_es

Foto. Alexandra Grill

 

Bei der Vorbesprechung für ein eintägiges Workshop wird mit der Auftraggeberin vereinbart, Anregungen für einen aufgelockerten Start bei Informationsveranstaltungen zu bieten. Ich bereite mich also ausführlich darauf vor, diesen Tag aktionsreich zu gestalten, damit die Teilnehmenden viele persönliche Erkenntnisse gewinnen können.
Wie besprochen arbeite ich mithilfe von Erleben, Hinterfragen und Üben. Gleich nach der Einstiegsphase biete ich die erste Reflexion an, um gerade den Beginn mit Ankommen, Einstimmen und Programmvorschau besonders sichtbar zu machen. Üblicherweise lade ich dabei ein, dies zu zweit oder zu dritt zu tun. Diese Regel habe ich durchbrochen und die Einstiegsfrage zum Hinterfragen der Vorgangweise in der gesamten Gruppe gestellt. Die
Teilnehmenden, die bis zu diesem Zeitpunkt locker mitgearbeitet haben, bleiben stumm.
Als erfahrene Lehrtrainerin weiß ich, dass der Austausch über erlebte Erfahrung – zumindest in der ersten Phase – in einer Kleingruppe oder im Paar erfolgen soll. Ich habe die lockere Atmosphäre falsch eingeschätzt und darauf verzichtet. Ohne diesen Schritt war das Vertrauen innerhalb der Gruppe – noch – nicht in dem Maße vorhanden, um vor Allen entspannt und unaufgeregt über die Wahrnehmungen zu sprechen.

Irritierende, verletzende Redebeiträge

Ansichten & Einsichten 69 29. Apr.. 2019 Weitere Beiträge

 

In den kurzen Beiträgen
geht es um praktische
Beispiele aus dem Alltag

einer Beraterin und Trainerin über erlebte Missverständnisse und schwierige Situationen. Hier gebe ich konkrete Anregungen für Verhaltensmöglichkeiten, wie mit Respekt, Wertschätzung, Humor und (angeleitetem) Erfahrungsaustausch einfühlsame Kommunikation und konstruktive Intervention möglich sind.

Über Ergänzungen und diskussionsfreudigen Austausch freue ich mich jetzt schon!

Beiträge, die nicht veröffentlicht werden
sollen, bitte entsprechend anmerken!

Wie sag ich’s?
Für ein konstruktives Miteinander!

Wie_sag-ich_es

Foto. Alexandra Grill

 

Worum geht’s?
„Hast du gemerkt, wie negativ die Renate wieder war?“
Im Anschluss an ein Treffen mit Schulfreundinnen sagt das eine Teilnehmerin zu mir. Überrascht verneine ich. „Woran hast du das bemerkt?“ Anhand von einigen Beispielen erläutert mir die Kollegin ihre Wahrnehmung. Immer wieder hätte Renate andere korrigiert. Das klinge zwar meistens witzig, sie selbst habe das aber als unangenehm und belehrend empfunden. Meine Frage: „War die nicht schon in der Schule ironisch bis – fast – sarkastisch bei ihren
Redebeiträgen? Die gelassenen Reaktionen der Anderen, diese Bemerkungen eher unterhaltend zu finden, ist für meine Kollegin unverständlich. Ich kann mir schon vorstellen, dass diese Art Humor für manche Menschen irritierend, ja sogar verletzend sein kann. Wie können wir damit umgehen? Wir haben die Möglichkeit, das Gesagte zu überhören, es nicht persönlich zu nehmen oder als Reaktion übertrieben zu überzeichnen, um damit der anderen Person zu vermitteln, dass diese Aussagen für mich nicht passend sind.

 

Web-Ansicht Newsletter weiterempfehlen Abmelde-Link

141. Episode aus meinem Leben – ungewöhnliche Gedanken

 

Episoden aus meinem Leben

141. Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel
Link zur Übersicht aller bisherigen Splitter
Link zum Feedback auf diesen Splitter
Link zum Feedback auf den letzten Splitter

Ich freue mich über jeden Titel oder Kommentar und über jeden, der künftig die Splitter regelmäßig erhalten wollen. Bitte alles an: egon.biechl@drei.at
Kommentare nur für mich privat bitte als solche kennzeichnen.


„Wir wissen, dass wir mit Religion ein gefährliches Gebiet berühren, das mit der Überkonfessionalität des Jugendrotkreuz nicht vereinbar zu sein scheint …“
„Unverständlich sind uns die Jungen, wird von den Alten beständig gesungen …“
„Der Nutzen von Auslandsbekanntschaften im Bezug auf unseren künftigen Beruf – Qomodo usus peregrinorum oficio nostro futuro prodesse possit“
„Unsere kurzgeschichte, di Inen zwar nicht di rechtschreibung der zukunft vorfüren kan und wil, di aber als versuchsbalon für di vereinfachung von deutschen rechtschreibregeln …“
„Schrille, falsche, scheußliche Töne, die unvermittelt abrissen. Der Pianist hatte sich eingebildet, das Konzert nur auf weißen Tasten spielen zu können – er war ein Neger …“

Das sind einige Zitate aus der „Stimme der Jugend“. Wir von der Jugend-Rot-Kreuz-Gruppe „Jugend der Tat“ befassen uns dort 1961 mit den unterschiedlichsten Themen, die junge Menschen interessieren oder zumindest ansprechen könnten:
„Wir 13 Burschen sind jung und unerfahren, doch haben wir noch unverbrauchten Idealismus …“

Ich maturiere, trete als Novize in den Orden der Serviten ein und schreibe nach drei Jahren unserer JRK-Zeitung:
„Werte Leser! Ihr habt einmal die ‚Stimme der Jugend‘ bezogen. Sie existiert nicht mehr. Schuld daran ist meine Überzeugung, dass deren Inhalt an der Hauptsache eigentlich vorbeiging: der religiösen Ausrichtung, also dem Denken an die Ewigkeit. Ich erwog, dass das Jugendrotkreuz, das die Patronanz an unserem Unternehmen übernommen hat, nur am Rande davon handeln kann, weil es u.a. auch eine – an sich begrüßenswerte – internationale Einigung auf humanitären Grundsätzen anstrebt. – P.S.: Aufgrund Ihrer Zahlung für die „Stimme der Jugend“ bekommen Sie noch … Hefte „Leben mit dem Tod“ zugesandt.“

Stimme der Jugend Leben mit dem Tod
In dieser neuen Zeitschrift, die ich mitbegründet habe, sind dann Zitate wie diese zu lesen:
„Der Mensch braucht den Tod, denn er ist nicht nur Strafe, er ist auch eine Barmherzigkeit Gottes.“
„Ich glaube, dass es des Menschen Auftrag ist, Unaussprechliches hinauszuschreien und Unmögliches zu vollbringen. Bitte gewähre mir diese Überzeugung als Rechtfertigung, dass ich Dich angesprochen habe.“ (vom „Bruder“ als Autor zum „Bruder“  im Titel)
„Mehr als den Krieg fürchten wir den Frieden, wie die Welt ihn meint. Dieser Friede ist nämlich – schlicht gesagt – nichts anderes als der Versuch Satans, sich Deinen Augen zu verbergen, indem er Dir die Erde als Heimat aufschwätzt, Dir, der Du nur Ruhe findest in der Liebe Deines Richters und Erlösers.“
„Der Mann ist Verwahrer der Wahrheit, wie die Frau Verwahrerin des Lebens ist. Damit ist der Mann, dem die Frau sein Leben geschenkt hat, irgendwie zum Mittler geworden zwischen der Frau und der Wahrheit. Damit ist aber auch der Mann zum Mittelpunkt der Gerechtigkeit auf Erden geworden.“
Mir blieben und bleiben die Worte ein Rätsel und ihre Entzifferung beanspruchen meine Ganglien immens und oft ohne Erfolg.
Bald wird mir klar, dass weder Stil noch Inhalt dieses Periodikums meinen Vorstellungen entsprechen. Meine Schreibweise ist erdverbunden, die Inhalte sind  wirklichkeitsnah. Ich kann nur froh sein, dass mir, dem Novizen in Vorbereitung auf die Ordens-Gelübde von Armut, Keuschheit und in diesem Fall vor allem Gehorsam, verbietet, mich dabei aktiv zu engagieren. Ich stelle also nur die Klosteradresse für die Registrierung dieses Organs von Exponenten der katholischen Hochschülerschaft zur Verfügung, schreibe dort jedoch nie ein einziges Wort.
Jetzt, 55 Jahre später, lese ich meinen Brief an die Bezieher der „Stimme der Jugend“ von damals noch einmal durch. Dabei überkommt mich die Scham für meine Naivität von damals, als ich tatsächlich glaubte, „Leben mit dem Tod“ könnte den Leserkreis von „Stimme der Jugend“ interessieren. Welche Arroganz!
Aktuell interessiert mich, was aus den damals 22/23-jährigen Studenten geworden ist. Ich nehme das Impressum, wo die (sonst anonymisierten) Namen der Redakteure stehen und durchstöbere das Internet. Ich finde dort fast jeden von ihnen. Alle haben Karriere gemacht als Fachärzte mit speziellen Schwerpunkten, juridische und theologische Universitätsprofessoren, priesterliche Ordensgründer, SOS-Kinderdorf-Proponenten, Pfarrgemeinderats-Mitglieder, Genealogie-Fachmänner  … Bei solcher Weiterentwicklung sind sie also offensichtlich ihrer jugendlichen Mission als hochtalentierte, verantwortungsbewusste, tief gläubige Katholiken getreu geblieben.

Ich hingegen habe meinen Weg von damals komplett verlassen und kann mir jetzt – Jahre nach Johanna Dohnal – nicht vorstellen, warum da auch geschrieben steht: „Die Ehe ist kein Geschäft nach dem fifty/fifty-Prinzip. Das Wesen der Ehe ist nicht die Partnerschaft, sondern das Einssein in der Liebe.“ Jetzt versuche ich diese Passage erstmals für mich zu übersetzen: „Die Ehe ist ein Zusammenleben zweier Menschen, wobei der Mann bestimmt und die Frau ihm untertan ist.
Liest man die Texte von „Leben mit dem Tod“ nicht nur auszugsweise sondern zur Gänze, werden die gedanklichen Vorstellungen der damaligen Personen freilich konkreter vermittelt.

Anstatt mich weiterhin mit „Leben mit dem Tod“ abzugeben, rief ich damals im Rahmen des Serviten-Ordens die  klösterliche Publikation „der servit“ ins Leben. Dort schrieb ich neben funktionalen Statistiken zum Klosterleben auch viel teils für mich heute Unverständliches wie beispielsweise: „Weil ich angesehen bin, erfolgreich und gerecht, sogar ein Vorbild zu sein scheine, überlasse ich es der Gnade Gottes, die auch die Sünde zulässt, mir meine unbedeutende Stellung im Vorsehungsplan bewusst zu machen, die nur mit dem Mut zum Dienen bewältigt werden kann.“ – Was wollte ich denn damals damit ausdrücken? Der Servit

trainingskompetenz® aktuell 2019-4

Europawahl 26. Mai 2019


Wollen Sie meinungsbildend sein?
Seminar „wie sag ich’s“: Überzeugen in politischen Diskussionen am 2. Mai 2019

Ina Biechl

 

Ostern ist vorbei. Der Frühling hat begonnen und die warmen Sonnenstrahlen schenken uns Energien. Haben Sie Lust bei der einen oder anderen Weiterbildung dabei zu sein? Am 30. April bieten wir Humor als Kommunikationskompetenz für mehr fröhlichen Schwung im Arbeitsalltag. Humor ist sowohl für leitende als auch für alle anderen Personen gedacht, um entspannt und locker mit schwierigen Situationen umgehen zu können. Genauso stärkt das Seminar „Meinen Impulsen vertrauen“, ein sicheres Auftreten. Alle Termine finden Sie untenstehend. Für Menschen, die meine Arbeitsweise noch nicht persönlich kennen, biete ich am 9. Mai einen Schnupperworkshop an. Interesse?
Ich freue mich schon auf ein Wiedersehen oder Kennenlernen.

Mit herzlichen Grüßen
Ina Biechl

Termine:

30. April 2019 09.30 – 18.00 Uhr

Humor als Kommunikationskompetenz

2. Mai 2019 09.30 – 18.00 Uhr
Wie sag ich’s – überzeugen in politischen Diskussionen

9. Mai 2019 16.30 – 19.00 Uhr
Schnupperworkshop Gleichwürdige Kommunikation
inkl. Buch „Gleichwürdigkeit als Geheimnis von Trainingskompetenz“

13. Mai 2019 10.00 – 15.00 Uhr
Gender-Training
Genderkompetenz in der Erwachsenenbildung

15. + 16. Mai 2019 jeweils 09.30 – 18.00
Diversity-Training
Vielfalt als Chance – praktische Anregungen für leitende Personen

20. – 22. Mai 2019 jeweils 09.30 – 18.00
Meinen Impulsen vertrauen
Selbstverständnis und Kommunikation für leitende Personen

29. Mai 2019 18.30 – 21.00 Uhr
„Stammtisch“ für alle Interessierten zum Austauschen von Erfahrungen, Diskutieren und Netzwerken
kostenfrei, Anmeldung erbeten.

Wir freuen uns über jede Kontaktnahme!

Ina Biechl und Team

P.S.: Das Institut Ina Biechl ist jetzt auch auf Facebook vertreten.

 

trainingskompetenz

 

Weiterleiten von trainingskompetenz aktuell ist erwünscht.

140. Episode aus meinem Leben – Ahnenforschung

140. Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

 

Link zur Übersicht aller bisherigen Splitter
Link zum Feedback auf diesen Splitter
Link zum Feedback auf den letzten Splitter

Ich freue mich über jeden Titel oder Kommentar und über jeden, der künftig die Splitter regelmäßig erhalten wollen. Bitte alles an: egon.biechl@drei.at
Kommentare nur für mich privat bitte als solche kennzeichnen.

 


Matrikeln
Matrikeln zu Johann Berger *1856

 

Als ich auf die Welt komme, sind meine Großeltern bereits alle verstorben. Bei meinen Großmüttern weiß ich nicht einmal wann. Mit der frei verfügbaren Zeit zu Beginn meines Ruhestandes überkommt mich als 65-Jährigen das Interesse an meinen Vorfahren. Im Tiroler Landesarchiv finde ich Matrikeln, das sind Kirchenbücher ab dem 16. Jahrhundert, die in der Jetzt-Zeit durch öffentliche Personenstands-Verzeichnisse ersetzt werden. Ich lasse mir dort Mikrofilme zu meiner Familie kopieren, zeichne mir die daraus gewonnenen Daten auf und entwickle daraus einen Stammbaum.
Ich bin sehr beharrlich und forsche an allen verfügbaren Stellen, wie in der Nationalbibliothek und vor allem im Internet, wo ich 2010 bei Ancestry, vielen anderen genealogischen Plattformen und schließlich MyHeritage lande. Erfolgreich arbeite mich bis zurück ins siebzehnte Jahrhundert und nach Mähren, wohin mich der Familienname meiner Mutter ‚Berger‘ führt.

 

Berger_Wappen Der zweite Prager Fenstersturz im benachbarten Böhmen passiert im Jahr 1618 und ist der Beginn des Dreißigjährigen Krieges. Der ist auch eine Zäsur im Leben meiner Vorfahren, wie ich bei weiteren Nachforschungen entdecke. Vor diesen Umwälzungen hießen diese nämlich nicht nur Berger sondern ‚Berger z Bergu‘, waren also adelig. Ab diesem Moment wird es noch interessanter für mich. Mein Eifer wächst, die Entdeckungen überschlagen sich und die Jahre, die ich auf die Ahnenforschung verwende, werden mehr.

 

Zunächst ist mir nicht klar, wie weit zurück mich das führen kann. Aber je intensiver und hartnäckiger ich ermittle, desto mehr Daten erschließen sich mir. Ich komme mit dem Namen meiner Mutter bis zurück ins 15. Jahrhundert, bis 1470. Da ist aus. Ist da wirklich aus?
Bis jetzt habe ich nur die männliche Linie verfolgt. Erst 2013 bemerke ich, dass ein Berger z Bergu 1590 eine Kateřina ze Zástřizl von der Burg Buchlov heiratetete. Das Schloss Buchlov ist unter dem Namen Buchlowitz bis heute erhalten. Die jahrhundertealte Dynastie der Zástřizls führt bis zirka 1350 zurück, als aus dem Herzogtum Sachsen-Wittenberg das Kurfürstentum Sachsen entsteht. Was will ich mehr?

 

Schloss Buchlov
Burg Buchlov bei der Königsstadt Uherské Hradište.

 

Trotzdem oder gerade deshalb begebe ich mich auf neue Suche. Wieso soll es mir nicht zum zweiten Mal gelingen, über die weibliche Linie weiter zu kommen? Die Mutter der Kateřina ist eine Drnovský z Drnovic, ein Geschlecht, das ich dann wieder bis zu Jindrich, geboren im Jahr 1280, zurückverfolgen kann. Er ist verheiratet mit Anka aus der sehr bekannten Familie z Kunštátu, Herren der ebenfalls noch erhaltenen Burg Boskovic. Er ist in meiner 20. Generation oder mein 17-facher Urgroßvater. So klar wird das auf der Internetplattform dargestellt. Wer kann das von sich behaupten?
Ich bin begeistert. Wir schreiben mittlerweile bereits 2017, aber mein Engagement ist nicht erloschen. Ich komme zu den Grafen von Plain Hardegg, ursprünglich eingewandert aus Frankreich, und Monate später zu den preussischen Ballenstedts und den sächsischen Markgrafen von der Lausitz bis zu Wittekind von Wettin. Er ist 795 geboren und König der Sachsen.

 

In weiterer Reihenfolge erreiche ich König Hengest, König von Sachsen und durch Heirat von 455 bis 488 auch King of Kent, dem angel-sächsischen Königreich. Ob die weiteren Vorfahren bis zu König Harderich, geboren im Jahr 111 vor Christus, reichen oder nicht? Ob es drei Generationen davor noch König Anserich gab? Wer weiß es?
Meine Freude über das Erreichte ist groß, sollte es auch nicht in allen Details den Tatsachen entsprechen.
Die Sehnsucht, Näheres über die zu meinen Lebzeiten bereits verstorbenen Großeltern zu erfahren, hat sich erfüllt.
Kent_Wappen
Wappen vom Königreich Kent
kostenfrei

139. Episode aus meinem Leben – Tanzeifer

 

Link zur Übersicht aller bisherigen Splitter
Link zum Feedback auf diesen Splitter
Link zum Feedback auf den letzten Splitter

Ich freue mich über jeden Titel oder Kommentar und über jeden, der künftig die Splitter regelmäßig erhalten wollen. Bitte alles an: egon.biechl@drei.at
Kommentare nur für mich privat bitte als solche kennzeichnen.

 


 

Mit siebenundvierzig Jahren lerne ich 1989 in einem Diätheim in Pfarrkirchen eine hinreißende Frau kennen, die aufmerksam zuhört, als mich eine Kursteilnehmerin fragt: „Tanzen Sie?“ Sie betrachtet mich auch sehr interessiert, als ich wahrheitsgemäß antworte: „Ja gerne, aber ich kann es nicht!“

Wir kommen uns näher und fahren gemeinsam von Oberösterreich zurück nach Wien. Als wir dort spazieren gehen, ermutigt mich mein Schatz zum gemeinsamen Bewegen in musikalischem Rhythmus: „Trau Dich doch!“ Wir kennen uns jetzt ein Monat und fast so lang sind wir ein verliebtes Paar. Gerne komme ich dieser Aufforderung ohne Umstände nach. Es ist ganz neu für mich und gerade deshalb auch so verlockend.

 

Liebespaar Runder

 

Es wird ein „Runder“. Was anderes kann ich nicht. Im Kloster war Tanzen kein Thema. Es gab keine Gelegenheit dazu, es war verboten. In meiner ersten Ehe war es nicht willkommen, es war tabu. Das ist subtiler, aber nicht weniger effizient als ein Verbot. Ich bin also völlig unbedarft und scheue mich vor jeder Anstrengung in dieser Richtung. Diese Tatsachen verwende ich als Argumente gegen das entschlossene Ansinnen meiner neuen, bereits lieb gewonnenen Partnerin: „Du bist doch einverstanden, dass wir das ändern?“

Es ändert sich. Wir besuchen eine Tanzschule nach der anderen. Wir lernen Disko-Fox, Walzer langsam und schnell, Tango und Paso Doble, Cha-Cha-Cha und Rumba, Foxtrott und auch Boogie-Woogie. Bevor ich noch die Namen der Tänze intus habe, lerne ich schon die Grundschritte dafür. Das schaffe ich mit der Zeit und viel Eifer tatsächlich, aber nur deshalb, weil meine aufopfernde Partnerin mich führt. Ich ‚errate‘ nämlich nie den richtigen Zeitpunkt für den Einsatz. Auf der Basis des ‚Mich Führen Lassens‘ erlerne ich sogar manche Tanz-Figur, die mich als passablen Tänzer erscheinen lässt.

Aus Sympathie folgen wir dem uns zugeteilten Tanzlehrer, als er sich unter dem Namen ‚Tanzschule Eddy Franzen‘ selbständig macht. Das entstandene Nahe-Verhältnis nütze ich dazu, ihn mit Vehemenz davon abzuhalten, mich wie die anderen der Reihe nach mit wechselnden Partnerinnen tanzen zu lassen. Er lässt diese meine Eigenbrötelei zu und unterstützt mich sogar, indem er meine geliebte Gattin, zu der sie mittlerweile geworden ist, während einer Perfektions-Stunde ermahnt: „Warum führst Du nicht?“

Auf zwei Hochzeiten bei unserem Gebietsvertreter für Griechenland, zu denen wir beide geladen sind, wird salopp übergangen, dass ich – auf den jetzt die Augen gerichtet sind – beim Sirtaki nicht rechtzeitig einsetze.

 

Sirtaki

 

Ähnlich geht es mir bei Tanzveranstaltungen in unserer Firma, wo man mir vieles, so auch fehlendes Taktgefühl nachsieht. Bei der Hochzeit meiner Schwägerin, die wir in einem kärntnerischen Gasthaus feiern, ist ein solches überhaupt nicht erforderlich. Das beweist mir ihre Mutter, meine Schwiegermutter, indem sie mit uns allen genau vor mir sogar über die hölzernen Wirtshausbänke und -tische tanzt.

Unsere und damit auch meine Begeisterung am Tanzen zeigt sich auch bei der Hochzeit eines Freundespaars im Burgenland. Dort muss man uns Unermüdliche darauf hinweisen, dass wir das letzte Paar am Tanzboden sind und die Musik deswegen nicht aufhören kann. Wir hätten noch länger getanzt…

Als man Knorpelmasse in mein Knie einsetzt, gebe ich es hingegen auf, ‚mich im Kreis zu drehen‘. Ich kann und will es später auch nicht mehr. Aber im fortgeschrittenen Alter bin ich recht anfällig auf die unverhohlene Aufforderung meiner lieben Frau, die sie sehr einsichtsvoll äußert: „Da könnten wir doch unseren Einheitstanz tanzen!“ Ich bin wieder bei schwungvollen oder weniger schwungvollen ‚Runden‘ gelandet. Die aber tanze ich voll Lebensfreude.

kostenfrei