Hervorgehoben

113. Episode – Betriebsrat

Episoden aus meinem Leben

113. Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

 

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Weihnachtsfeier Betriebsfeier

 

„Sie sind ein Aufsichtsratsvorsitzender, den wir schätzen, weil unsere Firma unter Ihrer Führung prosperiert und besser dasteht als die Konkurrenz. Was Sie jetzt von uns verlangen ist die Bereitschaft einzuwilligen, über das gesetzliche Maß hinaus Mehrarbeit zu leisten. Uns beängstigt die Situation, den Entscheidungen unserer Chefs ausgesetzt zu sein, die nach ihrem Gutdünken unerwartet Überstunden anordnen können.“ Das ist etwas, was ich bei einer Betriebsversammlung vor der großen Mannschaft in der Fabrik gesagt habe.

Zum Weihnachtsfest der Firma hält unser Chef normalerweise eine passende Ansprache, für die ich mich bedanke. Heuer ist er durch Sitzungen von der Teilnahme abgehalten. Er schickt uns seinen Vize, der voraussichtlich etwas später eintreffen wird.

Ich – als Betriebsrat unserer Verkaufsabteilung in Wien – richte daher zunächst meine Worte an die zirka 40 Angestellten, die dort beschäftigt sind. „Liebe Kolleginnen und Kollegen, unserer Firma geht es – Gott sei Dank – gut und wir haben allen Grund, Weihnachten auch im Lichte unseres Erfolgs zu feiern.“

Der Stellvertreter unseres obersten Chefs kommt tatsächlich bald mit Weihnachts-Glückwünschen. Dann gelangt er zum wesentlichen Teil seiner Botschaft. Wir hätten im Jahr 1998 ein Jahrhundert-Ergebnis eingefahren, müssten aber befürchten, dass sich die Kostensituation ab jetzt so verschlechtere, dass wir in der unmittelbar bevorstehenden Zukunft gemeinsame Anstrengungen unternehmen müssten, um nicht von der geänderten Situation überfahren zu werden. Trotzdem könnten wir für heuer eine Prämie erwarten.

Ich frage ihn, wie hoch die wäre, bekomme aber eine ausweichende Antwort. Sie müsse erst berechnet werden. Sie werde zwar bescheiden aber spürbar sein.

Seinen Hinweis auf die Zyklen in der Papierindustrie, die 1999 talwärts laufen, kommentiere ich: „Wir sind davon überzeugt, dass wir nach den riesigen Erfolgen im vergangenen Jahr weiterhin ein gutes Ergebnis bringen werden. Von Produktionskürzungen ist derzeit keine Rede. Also finde ich das geschilderte Szenario übertrieben.In unser aller Interesse bilden wir gemeinsam mit unseren Vorgesetzten ein zusammengeschweißtes Team, wenn es dabei auch manche Schweißnähte gibt. Jetzt schon sind wir glücklich über die Erfolge, die wir bei der Zusammenarbeit mit der eben erst in den Firmenverband aufgenommenen russischen Papierfabrik erzielt haben. Wir werden uns auch den künftigen Herausforderungen stellen.“

Da der Firmenbeauftragte bald schon wieder weg muss, wünsche ich – in der Art eines Klosterbruders, der ich einmal war – allen ein geruhsames Weihnachtsfest im Kreise ihrer Lieben und kündige an: „Das Buffet ist eröffnet.“

Hervorgehoben

111. Episode aus meinem Leben – zusammengefallenes Bett

111. Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

 

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Die ab und zu erforderliche Reinigung des Fußbodens unter unserem Doppelbett steht an. Die Systemrahmen, so heißt jetzt der Ersatz für die früheren Lattenroste, sind mit den verstellbaren Liegepositionen und den dafür erforderliche Motoren viel schwerer als die ohnehin schweren Matratzen. Lässig übernehme ich die schwere Aufgabe, sie in passende Position fürs Staubsaugen zu bringen. Aber ich bin ein Laie und überschätze mein Geschick, das dafür erforderlich ist. Ein Systemrahmen fällt auf den Balken zwischen den beiden Liegeflächen und lässt ihn einknicken. Was tun?Ich nehme also die beiden Bruchstücke des Kantholzes unter der den Arm und gehe in einen Laden für Selbstbaumöbel. Beim Anmarsch mache ich gedanklich Bestandsaufnahme der erforderlichen Werkzeuge, um selber das beschädigte Ersatzteil zu reparieren. Ich habe Lochsägen und Stichsägen und jede erforderliche Art von Schrauben inklusive Längs- und Kreuzschlitz-Schraubendrehern. Also kein Problem! Die Schwierigkeit besteht nur darin, dass der Verkäufer klarstellt, ein Brett dieser Breite und Dicke wäre nicht lieferbar.
Es bleibt mir also nicht erspart, die Rechnung für die gesamte Schlafzimmereinrichtung herauszusuchen. Sie datiert vom Jahr 2004. In der Hoffnung, dass der Hersteller das Ersatzteil lagernd hat oder zumindest erzeugen kann, rufe ich beim damaligen Lieferanten an. Ich habe viel Mühe, mein Anliegen begreiflich zu machen. Mein Telefon-Partner versteht nicht, was die „Mittelkonsole eines Doppelbetts“ sein soll. Erst als ich die Kaufvertrags-Nummer von damals nenne versteht er, dass es sich um eine „Traverse“ handelt. Jetzt geht es rasch. Nach einer Rückfrage beim Hersteller des Betts ist geklärt, dass das Ersatzteil lieferbar ist. Der Preis ist mir in diesem Moment ziemlich egal. Das Bestellformular würde mir zum Zweck der Unterschrift noch am selben Tag gemailt.Meine Frau und ich überlegen uns, wie wir diese und künftige Nächte schlafen sollen. Wir wählen die einfachste Variante und legen Systemrahmen und Matratze auf den Boden zwischen den „Begrenzungsborden“ (wie das wohl fachgerecht heißt?). Kann doch nicht so schwer sein! Abends steigen wir fast mühelos in unsere Schlafhöhle ein. Als ich in der Nacht auf die Toilette muss, schaffe ich es trotz aller möglichen und unmöglichen Verrenkungen nicht, über das Seitenbord wieder auszusteigen. Ich reiße damit meine Frau aus dem Schlaf. Sie ist viel geschickter als ich und hilft mir durch Handreichen aus meiner misslichen Lage. Da ich noch weiterschlafen will, nehme ich mir jetzt einen Regenschirm als Halterung an einem Mauervorsprung mit, damit ich das Handikap allein bewältigen kann. Den Schirm brauche ich dann aber nicht, weil ich – höchst ungewöhnlich – gleichzeitig mit meiner Frau aufstehe und ihre entgegengestreckte Hand ergreife.
Stammbaum
Da das angekündigte Formular auch am nächsten Tag nicht kommt, mache ich mir über die Gültigkeit unserer Abmachung Sorgen. Der Berater von der Service-Line hört sich die mittlerweile fachgerechte Schilderung meines Anliegens an. Er gibt zu, nicht zu wissen, ob mein Wunsch erfüllbar wäre. Als ich ihm versichere, bereits eine fixe Zusage zu haben, fragt er mich, von wem ich diese erhalten hätte: „Wenn sie seinen Namen nicht kennen, kann ich leider nichts für Sie tun. Der betreffende Mitarbeiter kann außer Haus sein. Sogar in Urlaub kann er sein. Es tut mir leid.“ Da er auflegt, rufe ich noch einmal an und bemerke durch ein Knacksen in der Leitung, dass man mich wieder in die Warteschleife befördert hat. Erst beim fünften Anruf spreche ich mit dem „Fachmann“ von vorher, gebe mit erhobener Stimme meinem Ärger Ausdruck und frage, ob es in dieser Riesenfirma nur einen Zuständigen gäbe: „Verbinden Sie mich mit dem Mitarbeiter, der Bescheid wissen müsste, auch wenn er dazu nicht die Qualifikation hat. Nennen Sie mir vorsichtshalber seinen Namen und Ihren eigenen dazu.“ Gleich danach bin ich mit dem Ansprechpartner von gestern verbunden. Der ist sofort im Bilde und entschuldigt sich. Nach einem Monat würde ich den fehlenden Teil bekommen …

Wie wir in der Zwischenzeit unsere Schlafsituation organisieren? Das ist eine andere Geschichte.

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Episode aus meinem Leben – vom Baby zum Greis

Episoden aus meinem Leben

150. Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

 

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Wie mache ich mich angenehm bemerkbar? Mit einem Lächeln! Das ist meine Marketing-Strategie als Baby. Ich bin erfolgreich und damit auch Grund zur Freude für meine Mutter, meinen Vater und jeden, der mich zu Gesicht bekommt. Beim Heranwachsen wächst auch meine Geltungsdrang. Je nach Alter und Situation zeige ich was ich kann und was in mir steckt. Es ist ganz einfach.  Ich zeige schulische Talente und vollbringe körperliche Bravour-Leistungen. Sogar Fehltritte und Pflichtverletzungen kann ich durch Beichten ohne öffentliches Bekenntnis und damit ohne großes Aufsehen für die Umwelt und vor allem ohne negative Folgen für mein persönliches Bewusstsein loswerden. Baby

 

Speziell für mein Leben im Kloster ist das perfekt!

Als ich mit 27 Jahren die Mönchs-Kutte ablege und für Produktionsfirmen im Verkauf arbeite, kann ich bald recht gut verkaufen, das Marketing machen andere. Ich möchte dafür nicht auch noch verantwortlich sein.

Mit 65 bin ich in Pension. Statt zu verkaufen, übernehme ich jetzt einen Teil der PR-Agenden für meine Frau und meine Tochter. Der Anfang wird mir leicht gemacht: ein Ex-Kollege von mir hat drei Webseiten geschaffen, die von mir fortan nur betreut werden müssen. Ich will aber die Details der Internetpräsenz bestmöglich weiter entwickeln. Daher besuche ich zunächst das Seminar „Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache“. Dort lerne ich einiges, was ich verwenden kann und vieles, was ich nicht brauche. Ich erfahre jedoch, dass die Beurteilung eines Internet-Seite in drei Sekunden erfolgt. Wichtig ist also ein ansprechendes Bild und eine große Überschrift mit maximal 65 Zeichen zu zeigen. Kein Blocksatz wegen der Lesegeschwindigkeit! E-Mail-Adressen mit Endung „.at“ (nicht „.com“ oder „.de“)! u.s.w. – u.s.f.

Am wichtigsten freilich sind Ideen, wie man eine Homepage attraktiv und interessant gestalten kann. Der Inhalt kommt sowohl bei „institut ina biechl“ zur Bewerbung der Seminare meiner Frau als auch ihres Lehrgangs „trainingskompetenz“ von ihr. Bei „Atelier Pinx“ in Form von stets neuen Gemälden von meiner Tochter. Ab da beginnt meine Arbeit. Es ist eine Fleißaufgabe beim Aktualisieren und eine Herausforderung für die intuitive Gestaltung,

Zusätzlich zu meiner Arbeit als Webmaster finde ich Wege, E-Mail-Adressen für das Verteilen von Newslettern zu organisieren. Vor allem wichtig ist für mich, dass viele maßgebliche Mitarbeiter von Zeitungen und Zeitschriften dabei sind. Die Sprache ist ausschließlich Deutsch. Für die Bewerbung neuer Gemälde auf der Website meiner Tochter habe ich leider keinen Fundus an Adressen, dafür jedoch zusätzlich zur deutschen noch die englische und italienische Sprache.

Ein Teil der Homepage „institut ina biechl“ ist den jährlichen Events des Vereins FFZ (Forum Feministische Zukunft) gewidmet. Ein vernünftiger Hinweis, nicht von den eigentlichen Agenden des Instituts abzulenken, veranlasst uns, die Seite dieses Vereins zwar nicht aufzulösen, aber nicht mehr direkt zugänglich zu belassen. Dasselbe Schicksal ereilt meine „Splitter“, die auch nur mehr indirekt erreichbar sind. Allerdings publiziere ich diese – nach der Begutachtung durch meine Frau – wöchentlich an die 500 mir persönlich bekannten Adressaten. Dort ist der Link zu den derzeit 150 Episoden aus meinem Leben enthalten.

Was den aktuellen und effektivsten Teil der Promotion für die Agenden meiner Frau ausmacht, ist der wöchentliche Versand ihrer Essays „Aussichten & Einsichten“, die sie aus ihrer mannigfaltigen Praxis gewonnen hat. Das vermittelt ihre Erfahrungskompetenz ganz unabhängig von irgendwelchen konkreten Angeboten.

Für mich als Facebook-Nutzer ist neben der Pflege der Verbindung zu Einzelnen aus meiner Kollegenschaft oder aus meinem Freundeskreis die Möglichkeit gegeben, für unsere oben angeführten Aktivitäten zu werben. Allerdings ist mir immer noch nicht klar, welche Option dafür am besten geeignet ist.

Ein besonderes „Ruhmesblatt“ habe ich mir kürzlich erworben, als ich wieder einmal professionelle Fotos von den neuen Gemälden meiner Tochter machen wollte. Ich benützte ein Stativ und ließ mir betreffend der Lichtverhältnisse und Ähnlichem von einem Experten helfen. Als ich den Chip aus dem Fotoapparat herausholte, war kein einziges Foto darauf, auch beim zweiten nicht. Welche Blamage!

 

Trotzdem bin ich selbstbewusst genug, solche Vorkommnisse wegzustecken. Ich bin ungerührt in meinem Selbstvertrauen und setze auch jetzt wieder – und das meist erfolgreich – unbeschwertes Lachen im Umgang mit meinen Mitmenschen ein.

Ich danke Euch allen, die meine „Gschichterln“ gelesen und mich zum Weiterschreiben ermutigt haben. Nun mache ich eine Sommerpause und überlege mir, aus allen diesen Splittern – wie von vielen angeregt – etwas Ganzes zu machen.

Lachen
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Ansichten & Einsichten 75 – Überzeugungskraft

Ansichten & Einsichten 75    24. Juni 2019    Weitere Beiträge

 

In den kurzen Beiträgen
geht es um praktische
Beispiele aus dem Alltag

einer Beraterin und Trainerin über erlebte Missverständnisse und schwierige Situationen. Hier gebe ich konkrete Anregungen für Verhaltensmöglichkeiten, wie mit Respekt, Wertschätzung, Humor und (angeleitetem) Erfahrungsaustausch einfühlsame Kommunikation und konstruktive Intervention möglich sind.

Über Ergänzungen und diskussionsfreudigen Austausch freue ich mich jetzt schon!

Beiträge, die nicht veröffentlicht werden
sollen, bitte entsprechend anmerken!

Wie sag ich’s?
Für ein konstruktives Miteinander!

Wie_sag-ich_es

Foto. Alexandra Grill

 

Worum geht’s?

“In unserer Firma gibt es in letzter Zeit ständig Veränderungen und ich merke an den Reaktionen der Mitarbeitenden, dass sie nicht bereit sind, diese Veränderungen mitzutragen. Was kann ich tun?“
Bei genauerem Nachfragen bestätigt die Kundin, dass diese ablehnende Haltung sowohl verbal geäußert wird als auch insgeheim spürbar ist. Beide wissen wir, dass Veränderungen irritieren können. Als Führungsperson ist der Kundin klar, dass es ihre Aufgabe ist, die neuen Arbeitsabläufe plausibel zu erklären. Auf jeden Fall ist es erforderlich, die Widerstände dringend zu beachten. Wichtig ist, die Reaktionen nicht persönlich zu nehmen. Sie kann meine Anregung annehmen, dass sie als leitende Person die Veränderung verstehen und gut begründen können muss. Mit durchdachten Argumenten ist die Akzeptanz bei allen Beteiligten zu erreichen. Es ist jedoch nicht erforderlich, alle Details umfassend zu besprechen. Die eigene Sicherheit, die ich ausstrahle, genügt, damit die Mitarbeitenden motiviert sind und meinen Anweisungen folgen können.

Liebe Leserinnen und Leser,
das institut ina biechl ist auch im Sommer (siehe trainingskompetenz aktuell 2019-5) aktiv und ich freue mich über jede Kontaktnahme.

Mit den Ansichen & Einsichten mache ich jedoch eine Sommerpause.

Ich wünsche einen schönen und erholsamen Sommer!

Mit herzlichen Grüßen
Ina Biechl und Team

Episode aus meinem Leben – 60er

Episoden aus meinem Leben

149. Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel
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Im Jahr 2002 habe ich 13 Jahre im Kloster der Serviten hinter mir, ohne als General dem Ordens vorzustehen. Ich bin 26 Jahre bei der Firma Neusiedler AG beschäftigt, ohne dort als Vorstandsdirektor zu fungieren. In diesem Jahr feiere ich meinen sechzigsten Geburtstag, ohne die Weisheit mit dem Löffel gegessen zu haben.
Umso mehr überrascht mich, dass sich meine liebe Frau um die perfekte Organisation dieses meines Festtags kümmert. Für sich zum runden Geburtstag wollte sie nämlich kein großes Aufhebens machen. Ich aber hatte meinen Wunsch, ein spezielles Fest zu meinem runden Geburtstag zu inszenieren, nicht verhohlen.
Jubiläum

Das hatte sie dazu bewogen, sich darum zu kümmern. Von langer Hand –  sie beginnt zwei Jahre vorher – bereitet sie mir einen einzigartigen Ehrentag mit – wie passend! – genau sechzig Personen aus allen meinen Lebensbereichen vor. Dazu gehören dreißig meiner lieben Verwandten und ebenso viele Personen aus meinem Freundeskreis und meiner Kollegenschaft. Da nicht alle in Wien wohnen, sondern auch aus Deutschland, Holland, Türkei, Dubai und – nicht zu vergessen – Tirol kommen, ist das nicht so einfach. Aber sie kann das.

Schließlich muss sie mich doch in ihre Aktivitäten einweihen, damit sich nicht nur die Geburtstags-Gäste darauf vorbereiten können, sondern auch ich. Zu dem akribisch organisierten Abendessen hat sie nämlich mit einigen meiner Mitarbeiter vereinbart, dass wir am Tag vorher einen gemeinsamen Ausflug in ‚meine‘ Papierfabrik unternehmen.

Ein Bus bringt uns von Wien über Melk nach Ulmerfeld-Hausmening. Wie bei den Anfahrten zu unseren Ständen auf der Hannover Messe nütze ich die Gelegenheit, am Mikrofon den Zungenbrecher vom Vormitternachts- und  Nachmitternachts-Nachtwächter und  jenen von der Hottentotten-Stotter-Trottel-Mutter-Attentäter-Lattengitter-Wetterkotter-Beutelratten-Fangprämie vorzutragen und Applaus zu bekommen.

In der Papierfabrik angekommen teilen wir die Schar der Gratulanten.  Einen Teil führt mein indischer Kollege, den anderen Teil führe ich voll Stolz an Produktions- und Ausrüstungsmaschinen vorbei. Für mich ungewohnt ist nicht nur, dass ich die Führung in deutscher Sprache halte, sondern auch, dass Kinder dabei sind, die nur mit Hilfe von Kollegen im Zaum gehalten werden können. Die Rückfahrt durch die sehenswerte Wachau rundet das Außergewöhnliche an unserem Tages-Ausflug ab und gibt dem ganzen einen zusätzlichen Erlebnis-Charakter.

Auf der Rückfahrt überraschen uns unsere beiden zehnjährigen Enkelkinder, die jetzt das Mikrofon in die Hand nehmen und uns köstlich unterhalten, bis sie erschöpft auf ihren Sitzen einschlafen.

Ich überlege mir, welch anderen Beitrag ich als Jubilar noch leisten könnte. Da die Festgäste vermutlich nur wohlwollende Worte über mich ‚verlieren‘ werden, denke ich mir für die Geburtstagsgäste mögliche spöttisch formulierte Aussagen aus. Diese lese ich beim Auspacken der jeweiligen Geschenke vor, um zur lustvollen Unterhaltung beizutragen. Einige Beispiele:

Für einen Jugendfreund aus einem weit zurück liegenden Jugendrotkreuz-Lager: „Bei den Mädeln hast Du Dich wichtig gemacht mit Deinem Ins-Kloster-Gehen.“

Schwiegermutter: „Lieber Eidam, es schmeichelt mir zwar, dass ich manchmal als Deine Gattin durchgehe. Aber was für ein Licht wirft das auf Dich?“

Deutsche Arbeits-Kollegin: „Bei den Messen hast Du Dich aufgeführt wie ein Pascha. Ein eigenes ‚Egon‘-Büro musste her und Du hast Dich benommen, als ob Du der wichtigste Mann bei der Neusiedler wärst!“

Weggefährtin auf einer Nordland-Kreuzfahrt: „Uns hat der Schiffs-Fotograf für ein Paar gehalten. Da ist Ina – fast – eifersüchtig geworden.“

Ein Stiefsohn: „Egon, Du bist ein Segen für Automechaniker und vor allem Karosseriespengler. Durch Dich weiß ich jetzt, worin der Unterschied zwischen dem Ersetzen einer hinteren und einer vorderen Stoßstange beim Ford Mondeo besteht. Du hast mich beides ausprobieren lassen und das im Abstand von nicht einmal einem Monat.“

Seine Frau: „Du bist immer eine gute Ausrede für Stefan: ‚Ich muss dem Egon die Winterreifen/Sommerreifen wechseln, ich muss dem Egon die hintere/vordere Stoßstange montieren.‘ – Kannst Du nicht ein bisschen vorsichtiger sein?“

Die Kerzen von sechs Torten auszublasen ist trotz meines guten Vorsatzes nicht möglich. Mehrere Ansätze lassen es gelingen. Meine Nichte Angelina hilft mir beim Auspacken der vielen Geschenke. So schaffe ich auch das.

Wir schreiben das Jahr 2002, ich bin 60 und sprühe vor Lebensfreude. Genüsslich rauche ich die neue Meerschaumpfeife, trage die soeben erhaltene arabische Abaya und freue mich an den vielen frohen Gesichtern und an der harmonischen Stimmung, die mir vermittelt, dass ich einfach dazugehöre.

Araber
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Episoden aus meinem Leben – Selbstbewusstsein

147. Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

 

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Bin ich selbstbewusst oder bin ich es nicht? Mag ich mich oder mag ich mich nicht? Mag ich die Anderen oder mag ich sie nicht?

Bei meinem Eintritt in die Volksschule bin ich selbstsicher genug, um schwungvoll in das Klassenzimmer einzutreten und damit die Lehrerin zur Bemerkung zu veranlassen: „Du führst Dich auf wie ein Graf!“ In der Hauptschule bin ich stolz darauf, dass meine Aufsätze in der ganzen Schule vorgelesen werden. In der Unterstufe des Gymnasiums fühle ich mich stark genug, meine Mitschüler vor Rowdys zu verteidigen. In der Oberstufe geniere ich mich nicht, Klassen- und Schulsprecher zu sein. Ich bin auch derjenige, der sich stark genug fühlt, als Preisträger bei einem Aufsatzwettbewerb einem anderen die Ansprache bei den österreichischen Landeshauptleuten streitig zu machen, weil ich überzeugt bin, dass ich es besser kann. Mit meinem Selbstbewusstsein gelingt es mir, Gruppen-Aktivitäten ins Leben zu rufen und meist auch zu leiten. Ich bin selbstbewusst. Die Anderen mögen mich und ich mag mich daher auch selber.

 

Klerikat

 

Nach meinem Eintritt ins Kloster lebe ich in der abgeschirmten Stille des Noviziats und lerne, meine Wünsche und Initiativen hintanzustellen. Nicht ich selber bin befugt, Entscheidungen zu treffen. Das ist die Aufgabe unserer Patres Magister. Ich habe mich zu dieser Lebensform entschlossen und bin zu 100% bereit, mich penibel an alle diese Vorschriften zu halten. Sonst führe ich meine freiwillige Entscheidung ad absurdum. Nach dem einen Noviziats-Jahr wird die Lebensweise etwas lockerer. Umso mehr muss ich selber danach trachten, die vorgegebenen Ziele zu verfolgen und schließlich auch zu erreichen. Ich praktiziere – wie beim Eintritt in den Orden versprochen – die von mir erwartete Demut.

Als ich aus dem Kloster austrete, kann ich diese Haltung nicht von einem Moment auf den anderen ablegen. Ich bin angewiesen auf meine Tante, die mich fürs erste unterstützt. Ich bin abhängig von einem rasch verfügbaren Job, der mich zum Verdienen bringt. Dort lerne ich, eine Kollegin zu lieben. Ich heirate sie. Ich lese ihr gemäß meinem bisherigen Verhalten die Wünsche von den Augen ab und stelle meine Interessen zurück. Meine fehlende Selbstsicherheit lässt ihr Vertrauen in meine Charakterstärke zusehends schwinden. Sie kann sich nicht uneingeschränkt bei mir anlehnen. Es dauert nicht lange und sie mag mich nicht mehr. Ich habe versagt und zweifle an mir und meiner stets rücksichtsvollen Vorgangsweise. Viele Jahre der Abhängigkeit später wird die Ehe geschieden. Ich stehe vor einem Neubeginn.

In den Firmen, für die ich tätig bin, erobere ich meine Selbstsicherheit über die Anerkennung meiner Leistungen zurück. Im privaten Leben hängen mir die Zwänge im Kloster und in der ersten Ehe nach. Weil ich meine zweite Ehe in keinem Fall scheitern lassen will, bin ich wieder bereit, auch Wünsche zu erfüllen, die mir nicht einsichtig sind. Das passt meiner Frau gar nicht. Sie fordert mich oft auf, es mit ihr zu diskutieren. Das ist für mich ganz ungewohnt. Aber gerade diese Aussprachen bewirken, dass ich langsam, sehr langsam wieder „normal“ werde.

Eine der Maßnahmen zu diesem Zweck ist ein so genannter Selbstbewusstseins-Kurs. Die Leiterin desselben, pikanterweise meine Frau, lässt uns überlegen, wo unsere besonderen Fähigkeiten liegen. Gleichzeitig weist sie uns jedoch darauf hin, darüber nachzudenken, wie wir mehr wir selbst sein können. Diese Reflexionen sind anstrengend, werden aber durch gemeinsame Übungen aufgelockert. Momente der Genugtuung erleben wir, als wir lesen können, welche positiven Eigenschaften uns von den jeweils Anderen zugetraut werden.

Das, vor allem aber die geleistete Gedankenarbeit, lassen mich wieder dort einklinken, wo ich in der Jugend einmal war. Ich bin wieder selbstbewusst. Ich mag mich wieder.

Ansichten & Einsichten 74 – Körpersprache

Ansichten & Einsichten 74 3. Juni 2019 Weitere Beiträge

 

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Wie sag ich’s?
Für ein konstruktives Miteinander

Wie_sag-ich_es

Foto. Alexandra Grill

 

„Wieso wirke ich jetzt überzeugend?“
Bei der Reflexion nach einem Rollenspiel im Rahmen des Seminars „Meinen Impulsen vertrauen“ fragt das ein Teilnehmer die anderen in der Runde. In der gemeinsamen Diskussion wird klar, dass der Kollege von dem überzeugt war, was er gerade eben vermittelte. Auf Nachfrage gibt er zu, dass er in einer ähnlichen Situation bei einem Gespräch mit seinen Mitarbeitenden anders agierte. Seine Vorstellung damals war, dass von ihm, dem Chef, erwartet wird, auf eine bestimmte Art Anweisungen zu geben. In der entspannten Atmosphäre hier und jetzt kann er ganz auf seine Impulse vertrauen. So wirkt er überzeugend und vertrauenswürdig. Die Erkenntnis aller in dieser Gruppe ist: nicht an den gesprochenen Worten, sondern vor allem an der Körpersprache wird die Einstellung dahinter sichtbar. Wenn diese nicht mit meiner persönlichen Meinung übereinstimmt, irritiert das. Wenn ich von dem überzeugt bin, was ich sage, wird es über die Körpersprache sichtbar und gibt den Mitarbeitenden Klarheit und Sicherheit. Je authentischer wir sind, desto verständlicher können wir andere anleiten und führen.

Episoden aus meinem Leben – zwischen Königen und mir

146. Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

 

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Was hat Dag Hammarskjöld, der 1953-1961 UN-Generalsekretär war, mit Nicholas Alekandrovich Romanov, der Russland von 1894 bis 1917 als letzter Zar regiert hat, und mir zu tun? Ganz einfach: ihr gemeinsamer Vorfahre in der 19. Generation ist Albrecht III,  „der Beherzte“ von Wettin, Markgraf von Meißen und Kurfürst von Sachsen, der 1443 – 1500 lebte. Der ist auch mein Vorfahre. Allerdings in der 20. Generation, weil ich etwas später geboren bin als die beiden.

 

UN-Generalsekretär Albrecht III

 

Normalerweise bemühen sich Ahnenforscher, möglichst viele, vor allem aber möglichst exakte Informationen zu ihren unmittelbaren Vorfahren herauszufinden. Aber solche grotesken Tatsachen? Nein!
So wie ich – ich beginne im Jahr 1973 – gehen viele von uns in die einzelnen Pfarrämter, um dort die Tauf-, Hochzeits- und Sterbe-Matriken nach den Namen zu untersuchen, die in die eigene Familie gehören könnten. Die Begegnungen mit den aktuellen Pfarrern sind sehr interessant. Einige sind unwillig über die zusätzliche Belastung, die sie durch die erforderliche Rücksichtnahme auf die speziellen Wünsche all dieser Wissbegierigen erfahren. Dabei ist nicht einmal klar, ob sie der in Österreich fast ausschließlichen katholischen Religion angehören. Andere sind die Freundlichkeit in Person. Sie unterstützen überall dort, wo es für sie möglich ist, freuen doch auch sie sich, wenn ihre akribisch forschenden Gäste dabei etwas Interessantes entdecken können.
Einfacher und weniger belastend sind Besuche in Landes-Archiven oder ähnlichen Einrichtungen. Hier ist vorgesehen, dass man sich gegen Entgelt Abdrucke der historischen Unterlagen, die auf Mikrofilmen gespeichert sind, bestellen kann. Viele Ahnenforscher wissen über diese Möglichkeiten Bescheid. Sie wissen auch, dass sehr viele dieser Dokumente mittlerweile im Internet verfügbar sind. Den Nachforschungen sind immer weniger Grenzen gesetzt.
Interessanter und relativ selten genutzt sind Besuche in der Nationalbibliothek, um dort Bücher zu konsultieren, die versprechen, bei den Nachforschungen hilfreich zu sein. Auch das mache ich und finde bei einer Lektüre über die Gegenreformation tatsächlich eindeutige Namen von Vorfahren meiner jetzigen Frau.
Jetzt gibt es hingegen Informationen auf genealogischen Plattformen im Internet. Als ich bei deren Durchsicht durch Zufall entdecke, dass das Geschlecht meiner Mutter adeliger Herkunft ist, bin ich begeistert und zu weiteren Nachforschungen motiviert. Jetzt bin ich in Pension, habe Zeit und fröne diesem meinem Hobby, das ich mit Unterbrechungen seit – sage und schreibe – 46 Jahren betreibe. Dabei brauche ich nicht mehr zu verschiedenen Burgen und Klöstern zu reisen und mich mit unsäglicher Mühe und viel Geschick um Unterlagen für meine Familiengeschichte zu bemühen. Ich bin ja kein Baron oder Militärkommandant, dem man noch am ehesten Einblick in die streng gehüteten Unterlagen betreffend die Entwicklung des eigenen fürstlichen Geschlechts gewähren würde.
Je höher und bedeutender die öffentlichen Positionen der betroffenen Personen sind, desto bekannter sind sie auch. Details kommen aus vielen ähnlichen aber auch sehr unterschiedlichen Quellen, sodass man sich auch im Internet ein relativ glaubhaftes Bild zusammenfügen kann. Je weiter zurück jedoch die Nachforschungen reichen, desto ungewisser können auch die Informationen sein. Man ist nicht sicher, ob sie nicht doch auf schriftlich niedergelegten Gerüchten über solch einzigartige Adelige in fürstlicher und königlicher Stellung beruhen. Bis zu einem bestimmten Zeitpunkt kann man den Angaben trauen, kommen sie doch von den verschiedensten Seiten und werden auch durch historische Ereignisse belegt.
Da ich tatsächlich auf diese Weise sehr weit in die Vergangenheit vorgestoßen bin, will ich herausfinden, bis wohin ich über die Authentizität relativ sicher sein kann. Daher interessiert mich auch, ab welchem Zeitpunkt des Mittelalters oder sogar Altertums, das vor dem 6. Jahrhundert liegt, Gemeinsamkeiten mit anderen bekannten Persönlichkeiten auftauchen. Dabei gehe ich also den umgekehrten Weg und versuche, über die Kinder und Kindeskinder der von mir eruierten Abstammung zu solchen Informationen zu kommen. Zunächst geben sich die sächsischen Könige vom Vater zum Sohn das Zepter in die Hand, in Sachsen und dann auch in England und Kent. Ihre Nachfahren gründen dann auch Königreiche in Frankreich, Dänemark, Schweden, Norwegen, mit den Habsburgern für das Römisch-Deutsche Reich, in Böhmen, Mähren und Ungarn, den Niederlanden und Belgien, Russland sowie Griechenland und Spanien. Nur langsam – wir haben das Altertum bereits verlassen – werden zumindest in meinem Stammbaum, der 180 vor Christus beginnt, Prinzen nicht mehr zu Königen, sondern zu Grafen und Bischöfen. Erst nach dem Mittelalter zu Beginn der Neuzeit, also im 16. Jahrhundert, gesellen sich normal Sterbliche dazu. Die örtliche Ausdehniung über Sachsen – bis vor Kurzem noch als „Ostdeutschland“ bekannt – hinaus wird immer umfangeicher und erfasst nicht nur Deutschland, sondern auch die hervoragend vetretenen Vereinigten Staaten sowie Australien und Südafrika. Schon lange gehören Italien, Schweiz und natürlich auch Luxemburg und seit 1750 auch Lichtenstein dazu.
Verblüffender als Albrecht III ist allerdings Bodo, der König von Sachsen, geboren 215, gestorben 300. Bei ihm treffen sich die Ahnenreihe des amerikanischen Kindsvaters meiner Tiroler Kusine mit meiner eigenen. Die Bemühungen eines mir unbekannten amerikanischen Ahnenforschers und meine eigenen haben zu dieser Erkenntnis geführt, die wir uns nie träumen hätten lassen.

 

Stammbaum

 

Da fällt dann gar nicht mehr ins Gewicht, dass der oben erwähnte Zar der Großonkel von Philip, dem Prinzgemahl der aktuellen Queen von England, ist.

 

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Ansichten & Einsichten 73 – Nervige Mitarbeiterin

Ansichten & Einsichten 73 27. Mai 2019 Weitere Beiträge

 

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Wie sag ich’s?
Für ein konstruktives Miteinander!

Wie_sag-ich_es

Foto. Alexandra Grill

 

Worum geht’s?

„Mich nervt meine Mitarbeiterin. Sie ist so schlampig.“
Der Beitrag einer Kollegin beim letzten Stammtisch lässt mich neugierig fragen: „Was genau meinst du mit ’schlampig‘?“
Sie schildert nun sehr ausführlich, wie ungeschickt ihre Mitarbeiterin ist und meint, dass es ihr trotz mehrmaliger Versuche nicht gelungen sei, eine Ware in Geschenkpapier einzupacken und mit einer passenden Schleife zu versehen. Beim Verkaufen sei sie außerordentlich kundenfreundlich und geschickt, wäre ein richtiger Sonnenschein und sehr tüchtig. Um so weniger verstehe sie, dass sie unfähig ist, ein Päckchen zu machen, wo das doch ganz einfach ist. Sie habe ihr ohnehin genau gezeigt, wie sie dabei vorgehen muss.
Gleich diskutiert die ganze Gesprächsrunde ausführlich mit. Bedingt durch verschiedene Blickwinkel und Erfahrungen werden unterschiedliche Möglichkeiten angeboten, wie die Kollegin vorgehen könnte.
Gemeinsam kommen wir zum Schluss, dass es eben Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten gibt und dass diese Mitarbeiterin offensichtlich eher eine kommunikative als eine feinmotorische Begabung hat. Unsere Empfehlung: sie sollte so eingesetzt werden, dass es für den Betrieb sinnvoll ist.

Nächste Gelegenheit zum Austauschen von Erfahrungen ist beim Stammtisch
am 29. Mai 2019 ab 18.30. Ich freue mich schon auf eine lebendige Diskussion!

Episoden aus meinem Leben – Deutschamerikaner

Episoden aus meinem Leben

145. Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

 

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„Die ganze Vielfalt, der ganze Reiz, die ganze Schönheit des Lebens besteht aus Schatten und Licht.“ (Spruch von Leo N. Tolstoi)

Das gilt für jeden Kontakt mit anderen Personen, welchen Alters, welchen Geschlechts, welcher Nationalität, welcher Sprache, welcher Religion auch immer. Vor allem gilt es für alle Mitmenschen, die einen eigenen Standpunkt haben, mag er noch so unterschiedlich von meinem sein.

Ich kenne viele Varianten dieser Vielfalt, kenne viele Länder und viele Menschen. Ich reise viel und bin offen für Neues.

Durch eine genealogische Internet-Plattform lerne ich einen entfernten Verwandten, einen US-Amerikaner kennen, mit dem ich auch über Facebook kommunizieren kann. Er bezeichnet mich als seinen deutschsprachigen Cousin, obwohl mich die vielen Verwandtschafts-Schritte zwischen uns beiden nicht als solchen ausweisen. Diese Gemeinsamkeit trotz der großen Entfernung ist reizvoll. Bald allerdings bin ich schockiert von seinen Aussagen.

Zugegeben, ich lebe nicht in den Vereinigten Staaten, die dortigen Gesetze sind mir vielfach fremd und die politischen Verhältnisse in den USA für mich nicht wirklich durchschaubar. Aber bald erkenne ich seine fanatische Sichtweise. Ich bin entsetzt, wenn er nach den vielen Amokläufen in den USA meint, man sollte den Zugang zu den Schusswaffen nicht einschränken. Jede Entwaffnung würde einer Entmündigung des amerikanischen Volkes gleichkommen.

 

Obama

Schande

Gleichwuerigkeit

 

In diesem Moment denke ich paradoxerweise nicht an feindliches Verhalten, sondern an den Grundsatz der Gleichwürdigkeit, der von meiner Frau stammt. Sie ist Lehrtrainerin und Verfasserin des Buches „Gleichwürdigkeit als Geheimnis des Erfolgs von Trainingskompetenz“. Sie schwört auf diese Grundhaltung, welche bedeutet, die Lebenserfahrungen anderer Personen zu achten und zu ehren, ohne sie einordnen oder bewerten zu wollen. Also weder Arroganz noch Unterwürfigkeit sind angesagt und schon gar kein Fanatismus.

In der Beziehung zu meinem englischsprachigen „Cousin“ nützt mir daher meine Haltung zur Gleichwürdigkeit nichts. Mit seiner nationalsozialistischen Uniform, die ich jetzt auf den Fotos seiner Facebook-Seite entdecke, gehört er für mich zu den unbelehrbaren Radikalen, von denen im Buch meiner Frau ebenfalls die Rede ist. Es ist für mich unvorstellbar, unsere Differenzen über Facebook zu klären. Da würde ich nicht einmal mit einer Reise zu ihm nach Pennsylvanien etwas erreichen.

Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass er zu den Ausnahmen zählt. Vernünftigen Menschen, die sich Gedanken über das menschliche Zusammenleben machen, lassen sich von der Idee beflügeln, dass allein der Gedanke an die gleiche Würde der Menschen vieles bewegen kann. Dieses offene Aufeinanderzugehen bewirkt meist keine Änderung der eigenen Überzeugung, aber durch Klärung der sonst unterschiedlich verwendeten Begriffe kann gegenseitiges Verständnis und die Chance auf Kompromissbereitschaft erreicht werden.

Diese vielseitige Mischung aus Schatten und Licht bildet den Reiz und die Schönheit des Lebens. 

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Ansichten & Einsichten – Aktives Zuhören

Ansichten & Einsichten 72   20. Mai 2019   Weitere Beiträge

 

In den kurzen Beiträgen
geht es um praktische
Beispiele aus dem Alltag

einer Beraterin und Trainerin über erlebte Missverständnisse und schwierige Situationen. Hier gebe ich konkrete Anregungen für Verhaltensmöglichkeiten, wie mit Respekt, Wertschätzung, Humor und (angeleitetem) Erfahrungsaustausch einfühlsame Kommunikation und konstruktive Intervention möglich sind.

Über Ergänzungen und diskussionsfreudigen Austausch freue ich mich jetzt schon!

Beiträge, die nicht veröffentlicht werden
sollen, bitte entsprechend anmerken!

Wie sag ich’s?
Für ein konstruktives Miteinander

Wie_sag-ich_es

Foto. Alexandra Grill

 

„Jetzt verstehe ich erst, was du gemeint hast“, war der erstaunte Ausruf einer Teilnehmerin während eines Kommunikationstrainings. Spontan hatte ich zuvor eine Übung angeregt, weil ein Teilnehmer durch seine Äußerung bemerkbare Aufregung in der Gruppe ausgelöst hatte. Ich nenne diese Übung „Aktives Zuhören“. Andere Trainerinnen oder Trainer benennen sie auch mit „Kontrollierter Dialog“. Im Wesentlichen geht es darum, genau hinzuhören und dabei verstehen zu wollen, was die andere Person mir mitteilen möchte. Üblicherweise formulieren wir unsere Antworten schon bevor unser Gegenüber die eigene Meinung ausführlich dargestellt hat. Uns genügen bereits ein paar Worte, damit wir zu wissen glauben, was gemeint ist. Beim „Aktiven Zuhören“ ist es die Aufgabe jeder der beiden Kontrahenten, genau hinzuhören und dann mit eigenen Worten das Gehörte zusammenfassend wiederzugeben, bevor noch eine Reaktion „erlaubt“ ist. Es geht dabei darum, dass beide Personen respektvoll mit ihren unterschiedlichen Aussagen umgehen lernen. Es gibt immer einen Grund für eine spezielle Meinung. Auch wenn ich diese Meinung nicht teile, kann ich für mich klären, wie die andere Person zu dieser Meinung gekommen ist – ganz im Sinne Voltaires: „Du bist anderer Meinung als ich und ich werde dein Recht dazu bis in den Tod verteidigen.“

144. Episode aus meinem Leben – Matura

Episoden aus meinem Leben

144. Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

 

Link zur Übersicht aller bisherigen Splitter
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Link zum Feedback auf den letzten Splitter

Ich freue mich über jeden Titel oder Kommentar und über jeden, der künftig die Splitter regelmäßig erhalten wollen. Bitte alles an: egon.biechl@drei.at
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„Meine Herren, wir heiraten nicht den Begriff ’schlank‘ oder ‚blond‘, sondern konkrete Exemplare! Nachher nützt es dann nichts mehr, wenn wir eine Stinkwut haben. Mir gefallen die jungen Männer, die sagen: ‚Ma, ka schiacha Schragn!“ Und Sie, meine Damen, hüten Sie sich: Wenn die Weiber verblühen, verduften die Männer.“

Das ist eine Warnung, die uns unser Philosophie-Professor im Rahmen der Matura-Vorbereitung mitgibt. Diese merkenswerte Ermahnung eignet sich auch ausgezeichnet als eine der Pointen für unsere Matura-Zeitung, wofür wir gerade eine Sammlung gestartet haben. Wir sind uns nämlich noch nicht ganz sicher, wo wir unsere Prioritäten setzen sollen: beim intensiven Studium für die Reifeprüfung oder bei der Vorbereitung für die Lustbarkeiten nach dem Examen.

Unser Geographie-Professor gibt uns dazu eine tiefgründige Weisheit mit auf den Weg: „Beide Möglichkeiten sind möglich!“ und dazu den wertvollen Hinweis: „Das muss man eben wissen, wenn man es weiß!“

Riese Sowohl der Lernstoff für die Prüfungen als auch der Lesestoff für unsere Zeitung wird uns also von unseren Professoren teils pflicht-, teils unbewusst zur Verfügung gestellt. Eindeutig zuordenbar ist die Aussage unseres Naturgeschichte-Professors: „Was ist der Mund? – Der Mund ist ein Verleumdungs-Apparat zur Aufbewahrung von Zähnen, um damit besser ins Gras beißen zu können.“ Normalerweise liegt jedoch der Schwerpunkt auf dem Aspekt der Wissens-Vermittlung wie bei: „Die Philippinen sind katholisch, es werden dort aber auch andere Sprachen gesprochen.“

Bei all diesen Ablenkungsmanövern seitens der Lehrbeauftragten lassen wir uns doch von den Utopien lenken, die wir mit dem Bestehen der Matura verbinden. Wenn wir diese Universalprüfung zum Abschluss des Gymnasiums geschafft haben, können wir übergangslos bei unserem Wunsch-Studium an der Universität inskribieren, ob es nun Medizin, Jurisprudenz, Technik, Sozialwissenschaften oder Lehramtsstudiengänge sind. Sicher werden wir dann bald zum Doktor promovieren. Und anschließend ist der Weg zu Universitäts-professorinnen und -professoren, zu Medizinal-, Hof-, Kommerzial- und Studienrätinnen oder -räten nicht mehr weit.

So bin auch ich davon überzeugt, mein Philosophie und Theologiestudium erfolgreich zu absolvieren und mit der Priesterweihe abzuschließen. Die Bescheidenheit, die einem künftigen Ordensmann zusteht, lässt mich nicht an irgendwelche Titel denken. Ich denke nicht einmal daran, Religionsprofessor zu werden, geschweige denn ein kirchlicher Würdenträger. Daran ändert auch die Aussage unseres temperamentvollen Geographie-Professors, der von der berühmten päpstlichen Enzyklika „Quadrageso animo“ (eine Verballhornung des richtigen Titels ‚Quadragesimo anno‘, lateinisch für ‚im vierzigsten Jahr‘) spricht, nichts. Selbstverständlich kommen auch keine politischen Ambitionen in mir auf, wenn – wo anders als in der Geographiestunde – davon die Rede ist, dass „die SPÖ 1963 den Kanzler und die ÖVP den Bundeskanzler stellt“.

 

Außerdem leben wir jetzt in der Gegenwart und können die Gelegenheit nützen, die Eigenschaften der Mitschülerinnen und Mitschüler zu beschreiben:

 

– „Schlägt die Augen nieder, wenn
ein Weibsbild oder Frauenzimmer
kommt.“
– „Gibt seine Körpergröße in
Verhältnis-Zahlen zum
Stephansdom an.“
– „Hände wie übrige Sprech-
werkzeuge sind gut ausgebildet.“
– „Redet über einen Film länger als
er dauert.“
Matura

 

Um mit unserem Naturgeschichte-Professor zu sprechen: „Ich erwähnte zu vergessen“, dass jeder von uns ausreichend studierte und mit mehr oder weniger Mühe erfolgreich maturierte.
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