Hervorgehoben

113. Episode – Betriebsrat

Episoden aus meinem Leben

113. Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

 

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Weihnachtsfeier Betriebsfeier

 

„Sie sind ein Aufsichtsratsvorsitzender, den wir schätzen, weil unsere Firma unter Ihrer Führung prosperiert und besser dasteht als die Konkurrenz. Was Sie jetzt von uns verlangen ist die Bereitschaft einzuwilligen, über das gesetzliche Maß hinaus Mehrarbeit zu leisten. Uns beängstigt die Situation, den Entscheidungen unserer Chefs ausgesetzt zu sein, die nach ihrem Gutdünken unerwartet Überstunden anordnen können.“ Das ist etwas, was ich bei einer Betriebsversammlung vor der großen Mannschaft in der Fabrik gesagt habe.

Zum Weihnachtsfest der Firma hält unser Chef normalerweise eine passende Ansprache, für die ich mich bedanke. Heuer ist er durch Sitzungen von der Teilnahme abgehalten. Er schickt uns seinen Vize, der voraussichtlich etwas später eintreffen wird.

Ich – als Betriebsrat unserer Verkaufsabteilung in Wien – richte daher zunächst meine Worte an die zirka 40 Angestellten, die dort beschäftigt sind. „Liebe Kolleginnen und Kollegen, unserer Firma geht es – Gott sei Dank – gut und wir haben allen Grund, Weihnachten auch im Lichte unseres Erfolgs zu feiern.“

Der Stellvertreter unseres obersten Chefs kommt tatsächlich bald mit Weihnachts-Glückwünschen. Dann gelangt er zum wesentlichen Teil seiner Botschaft. Wir hätten im Jahr 1998 ein Jahrhundert-Ergebnis eingefahren, müssten aber befürchten, dass sich die Kostensituation ab jetzt so verschlechtere, dass wir in der unmittelbar bevorstehenden Zukunft gemeinsame Anstrengungen unternehmen müssten, um nicht von der geänderten Situation überfahren zu werden. Trotzdem könnten wir für heuer eine Prämie erwarten.

Ich frage ihn, wie hoch die wäre, bekomme aber eine ausweichende Antwort. Sie müsse erst berechnet werden. Sie werde zwar bescheiden aber spürbar sein.

Seinen Hinweis auf die Zyklen in der Papierindustrie, die 1999 talwärts laufen, kommentiere ich: „Wir sind davon überzeugt, dass wir nach den riesigen Erfolgen im vergangenen Jahr weiterhin ein gutes Ergebnis bringen werden. Von Produktionskürzungen ist derzeit keine Rede. Also finde ich das geschilderte Szenario übertrieben.In unser aller Interesse bilden wir gemeinsam mit unseren Vorgesetzten ein zusammengeschweißtes Team, wenn es dabei auch manche Schweißnähte gibt. Jetzt schon sind wir glücklich über die Erfolge, die wir bei der Zusammenarbeit mit der eben erst in den Firmenverband aufgenommenen russischen Papierfabrik erzielt haben. Wir werden uns auch den künftigen Herausforderungen stellen.“

Da der Firmenbeauftragte bald schon wieder weg muss, wünsche ich – in der Art eines Klosterbruders, der ich einmal war – allen ein geruhsames Weihnachtsfest im Kreise ihrer Lieben und kündige an: „Das Buffet ist eröffnet.“

Hervorgehoben

111. Episode aus meinem Leben – zusammengefallenes Bett

111. Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

 

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Die ab und zu erforderliche Reinigung des Fußbodens unter unserem Doppelbett steht an. Die Systemrahmen, so heißt jetzt der Ersatz für die früheren Lattenroste, sind mit den verstellbaren Liegepositionen und den dafür erforderliche Motoren viel schwerer als die ohnehin schweren Matratzen. Lässig übernehme ich die schwere Aufgabe, sie in passende Position fürs Staubsaugen zu bringen. Aber ich bin ein Laie und überschätze mein Geschick, das dafür erforderlich ist. Ein Systemrahmen fällt auf den Balken zwischen den beiden Liegeflächen und lässt ihn einknicken. Was tun?Ich nehme also die beiden Bruchstücke des Kantholzes unter der den Arm und gehe in einen Laden für Selbstbaumöbel. Beim Anmarsch mache ich gedanklich Bestandsaufnahme der erforderlichen Werkzeuge, um selber das beschädigte Ersatzteil zu reparieren. Ich habe Lochsägen und Stichsägen und jede erforderliche Art von Schrauben inklusive Längs- und Kreuzschlitz-Schraubendrehern. Also kein Problem! Die Schwierigkeit besteht nur darin, dass der Verkäufer klarstellt, ein Brett dieser Breite und Dicke wäre nicht lieferbar.
Es bleibt mir also nicht erspart, die Rechnung für die gesamte Schlafzimmereinrichtung herauszusuchen. Sie datiert vom Jahr 2004. In der Hoffnung, dass der Hersteller das Ersatzteil lagernd hat oder zumindest erzeugen kann, rufe ich beim damaligen Lieferanten an. Ich habe viel Mühe, mein Anliegen begreiflich zu machen. Mein Telefon-Partner versteht nicht, was die „Mittelkonsole eines Doppelbetts“ sein soll. Erst als ich die Kaufvertrags-Nummer von damals nenne versteht er, dass es sich um eine „Traverse“ handelt. Jetzt geht es rasch. Nach einer Rückfrage beim Hersteller des Betts ist geklärt, dass das Ersatzteil lieferbar ist. Der Preis ist mir in diesem Moment ziemlich egal. Das Bestellformular würde mir zum Zweck der Unterschrift noch am selben Tag gemailt.Meine Frau und ich überlegen uns, wie wir diese und künftige Nächte schlafen sollen. Wir wählen die einfachste Variante und legen Systemrahmen und Matratze auf den Boden zwischen den „Begrenzungsborden“ (wie das wohl fachgerecht heißt?). Kann doch nicht so schwer sein! Abends steigen wir fast mühelos in unsere Schlafhöhle ein. Als ich in der Nacht auf die Toilette muss, schaffe ich es trotz aller möglichen und unmöglichen Verrenkungen nicht, über das Seitenbord wieder auszusteigen. Ich reiße damit meine Frau aus dem Schlaf. Sie ist viel geschickter als ich und hilft mir durch Handreichen aus meiner misslichen Lage. Da ich noch weiterschlafen will, nehme ich mir jetzt einen Regenschirm als Halterung an einem Mauervorsprung mit, damit ich das Handikap allein bewältigen kann. Den Schirm brauche ich dann aber nicht, weil ich – höchst ungewöhnlich – gleichzeitig mit meiner Frau aufstehe und ihre entgegengestreckte Hand ergreife.
Stammbaum
Da das angekündigte Formular auch am nächsten Tag nicht kommt, mache ich mir über die Gültigkeit unserer Abmachung Sorgen. Der Berater von der Service-Line hört sich die mittlerweile fachgerechte Schilderung meines Anliegens an. Er gibt zu, nicht zu wissen, ob mein Wunsch erfüllbar wäre. Als ich ihm versichere, bereits eine fixe Zusage zu haben, fragt er mich, von wem ich diese erhalten hätte: „Wenn sie seinen Namen nicht kennen, kann ich leider nichts für Sie tun. Der betreffende Mitarbeiter kann außer Haus sein. Sogar in Urlaub kann er sein. Es tut mir leid.“ Da er auflegt, rufe ich noch einmal an und bemerke durch ein Knacksen in der Leitung, dass man mich wieder in die Warteschleife befördert hat. Erst beim fünften Anruf spreche ich mit dem „Fachmann“ von vorher, gebe mit erhobener Stimme meinem Ärger Ausdruck und frage, ob es in dieser Riesenfirma nur einen Zuständigen gäbe: „Verbinden Sie mich mit dem Mitarbeiter, der Bescheid wissen müsste, auch wenn er dazu nicht die Qualifikation hat. Nennen Sie mir vorsichtshalber seinen Namen und Ihren eigenen dazu.“ Gleich danach bin ich mit dem Ansprechpartner von gestern verbunden. Der ist sofort im Bilde und entschuldigt sich. Nach einem Monat würde ich den fehlenden Teil bekommen …

Wie wir in der Zwischenzeit unsere Schlafsituation organisieren? Das ist eine andere Geschichte.

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Ansichten & Einsichten – Teamwork

Ansichten & Einsichten 61 18. Feb. 2019 Weitere Beiträge

 

In den kurzen Beiträgen
geht es um praktische
Beispiele aus dem Alltag

einer Beraterin und Trainerin über erlebte Missverständnisse und schwierige Situationen. Hier gebe ich konkrete Anregungen für Verhaltensmöglichkeiten, wie mit Respekt, Wertschätzung, Humor und (angeleitetem) Erfahrungsaustausch einfühlsame Kommunikation und konstruktive Intervention möglich sind.

Über Ergänzungen und diskussionsfreudigen Austausch freue ich mich jetzt schon!

Beiträge, die nicht veröffentlicht werden
sollen, bitte entsprechend anmerken!

Wie sag ich’s?
Für ein konstruktives Miteinander

Wie_sag-ich_es

Foto. Alexandra Grill

 

Worum geht’s?
„Ich fühle mich im Team nicht wohl.“
Was genau meinen Sie damit?
„Ich habe erfahren, dass hinter meinem Rücken über mich gesprochen wird, ich sei arrogant. Ich vermute es geht da auch um Konkurrenz.“
Wir besprechen nun ausführlich konkrete Erfahrungen und Befindlichkeiten der Kundin in unterschiedlichen Situationen mit ihren Kolleginnen und Kollegen. Arroganz wird offensichtlich durch Distanziertheit erlebt. Die Kundin spricht im Team im Gegensatz zu den anderen nicht über private Dinge. Das kann als Überheblichkeit erlebt werden. Für sie ist es ein Schutz vor Verletzungen. Sie will sich grundsätzlich solche Anschuldigungen ersparen. Bei einer Kollegin, die ihr alles nachmacht (sie spricht schon so wie ich) könnte es sich um Bewunderung und nicht um Abwertung oder Konkurrenz handeln. Wir versuchen nun herauszufinden, wie ihr Selbstwertgefühl gestärkt werden könnte. Beim Abschluss dieses Coachings beantwortet die Kundin meine Frage: „Was nehmen Sie sich mit?“ wie folgt:

Rollenklarheit in der jeweiligen Position
Mich einlassen auf Situationen und gleichzeitig bei mir bleiben
Mehr auf mein Bauchgefühl achten
Konkrete Fragen stellen
Wertschätzung für mich und andere bewahren
Amüsant ist für mich ihre Antwort zum Schluss: „Moderationstechnik“. Sie meint damit, dass ich wichtige Aussagen der Kundin auf Flipchart mitschreibe, um gesprochene Worte für uns beide gleichermaßen sichtbar zu machen.

Episoden aus meinem Leben – Eloquenz

31 Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

 

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Ein markdurchdringender Schrei alarmiert uns.

Aus der Rückschau schaut das so aus: unsere beiden Enkelkinder vergnügen sich bei einer idyllischen Wanderung in einem kleinen Tal in der Nähe des Tiroler Ortes Kirchberg auf ihre Art. Hier sind wir deshalb, weil Tirol meine Heimat ist. In Innsbruck bin ich geboren, an sechs verschiedenen Tiroler Orten habe ich gelebt. Jetzt also bin ich mit meiner Frau und den zwei Ältesten unserer Enkelkinder, hier in Urlaub. Nie zuvor war ich in Kirchberg gewesen. Es ist für mich also fast so neu und ungewohnt wie für meine Liebsten aus Wien.

Für Großstadtkinder im Alter von zwölf Jahren ist das natürlich ein Eldorado. Sie laufen im Wald herum. Sie wollen wissen, wer der Schnellere, Kräftigere, Bessere ist. Sie lieben das und brauchen keinerlei Betreuung von unserer Seite. Auch wir fänden das als Einschränkung ihres jugendlichen Tatendrangs. Gerade deswegen sind wir mit ihnen hierher in Urlaub gefahren. Natürlich machen wir auch kleine Ausflüge und zeigen ihnen, wie schön hier die Wiesen, Wälder, Täler und Berge sind. Trotzdem finden sie immer wieder neue Gelegenheiten, sich auszutoben.

Philipp Bachsteine

Dabei kommen – und das ist jetzt der Punkt – die beiden auf die Idee, sich am verlockenden Nass in dem Bächlein, das nahe unserer Wanderrast fließt, zu amüsieren. Das Wasser steht etwa knietief und verlockt dazu, darin herum zu waten. Beide stellen sich auf vom Wasser umspülte Felsvorsprünge und werfen mit kleinen abgeschliffenen Bachsteinen um sich. Gregor wirft seinem Cousin Philipp einen davon zu, der diesen fangen will. Das gelingt ihm nicht und der Stein landet unerwartet direkt auf dem ungeschützten Zeigefinger. Durch die Wucht des Aufschlags wird dieser regelrecht zerquetscht.

Gregor ist zutiefst erschrocken über das, was er mit seinem Wurf verursacht hat, genau so wie wir, die verantwortlichen Erwachsenen. Wir verbinden den Zeigefinger mit einer sauberen Mullbinde und fahren sofort in die naheliegende Klinik.

Eine junge Ärztin kümmert sich um Philipp. Sie fragt ihn, was passiert wäre. Das beantwortet er sofort. Auch das Wie kann er schildern. Als sie ihn nicht sofort begreift, fragt er: „Wie würden Sie das sagen?“ Sie ist verblüfft und antwortet: „ich bin nicht so eloquent!“ Da die Verletzung sehr kompliziert ist, ruft sie den Oberarzt. Philipps Zeigefinger wird versorgt und geschient. Er muss in der Klinik bleiben und seine Großmutter bleibt bei ihm.

Mir bleibt die Aufgabe, mit Gregor allein in die Frühstückspension zurückzukehren und mich um ihn zu kümmern. Das ist an und für sich etwas ganz Selbstverständliches. Wer sich aber zu 100 Prozent auf die Qualitäten seiner Frau in der Kinderbetreuung verlässt, muss sich erst an den Gedanken der Alleinverantwortlichkeit gewöhnen. Ich kaufe uns etwas zum Abendessen, das nicht nur mir, sondern auch ihm schmeckt. Tags darauf besuchen wir Philipp und meine Frau im Krankenhaus. Die Großmutter übernimmt hier das Organisatorische und instruiert mich, was wir beide abends essen, trinken und tun können und sollen.

Als Philipp entlassen wird, ist die Stimmung schon viel gelassener. Auch auf mich trifft das zu, brauche ich mich doch nicht mehr um Mittag- und Abendessen kümmern. Jetzt kann ich mich wieder zu hundert Prozent auf die Qualitäten meiner Frau verlassen, im Moment speziell auf ihre Kochkunst, vor allem aber auf ihr großartiges Organisationstalent.

Philipps Verletzung ist – leider – nicht harmlos. Die Heilung dauert lange. Ihm bleibt ein Zeigefinger, der nur mehr mit Einschränkungen verwendbar ist, obwohl man seine Behinderung auf den ersten Blick nicht erkennt. Auf Nachfragen erklären wir ihm, was das Wort ‚eloquent‘ bedeutet. Seitdem brüstet er sich damit gerne und bei jeder sich bietenden Gelegenheit.

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Unterschiedliche Meinungen

Ansichten & Einsichten 60 11. Feb. 2019 Weitere Beiträge

Wie sag ich’s? Für ein konstruktives Miteinander
In den kurzen Beiträgen geht es um praktische
Beispiele aus dem Alltag einer Beraterin und Trainerin über erlebte
Missverständnisse und schwierige Situationen. Hier gebe ich konkree
Anregungen für Verhaltensmöglichkeiten, wie mit Respekt,
Wertschätzung, Humor und (angeleitetem) Erfahrungsaustausch
einfühlsame Kommunikation und konstruktive Intervention möglich
sind.

Über Ergänzungen und diskussionsfreudigen Austausch
freue ich mich jetzt schon!

Beiträge, die nicht veröffentlicht werden sollen,
bitte entsprechend anmerken!

Während eines Gesprächsführungstrainings meint eine Teilnehmende: „Ich will nicht zuviel sagen“. Beim konkreten Nachfragen stellt sich
heraus, dass einige in der Gruppe die Sorge haben, während einer
Diskussion etwas Falsches zu sagen. Wir versuchen nun gemeinsam
herauszufinden, was „falsch“ sein könnte: Wenn ich etwas anderes sage, als erwartet wird; wenn sich jemand beleidigt fühlt; wenn
unterschiedliche Wahrnehmungen oder Blickwinkel sichtbar und als
Unwahrheit zurückgewiesen werden; wenn der Beitrag nicht zum Ziel
führt; wenn Vorurteile gegenüber einer Person vorhanden sind. In der
Diskussion stellt sich heraus, dass es sich um ablehnende Reaktionen in
früher erlebten Situationen handelt. Wir üben nun in dieser
– geschützten – Gruppe, selbstsicher die eigene Meinung zu sagen. Die
Erkenntnis für die Teilnehmenden dabei ist: sich zuerst eine Meinung
bilden und dann erst aussprechen. Sobald ich mir entsprechendes
Wissen zu einem Thema erarbeitet habe, kann ich dies auch begründen. So lange ich mir noch keinen eigenen Standpunkt zurechtgelegt habe, ist es hilfreich, Fragen zu stellen, um entsprechende Informationen zu
erhalten. Bei Gesprächen und in der Diskussion ist es interessant, ganz
unterschiedliche Meinungen zu hören. Jede Person hat einen Grund
für ihre persönliche Überzeugung. Das sollte respektiert werden. Die
Gruppe bespricht anschließend ganz unaufgeregt die mannigfaltigen
Sichtweisen.

Zusatz:
Schnupper-Workshop zur gleichwürdigen Kommunikation
(14. Februar 2019, 16:30 – 19:00 Uhr)
Ina Biechl

Episoden aus meinem Leben – Learning by doing

30 Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel
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Bei meinem ersten Einsatz auf einem Messestand – es ist im Jahr 1973 in Blackpool –  bin ich, der Studienabbrecher, versiert in theologischen Begriffen, ein absoluter Neuling, was den Aufbau einer Messe-Koje, die Vorbereitung der Unterlagen für die zu erwartenden Kunden und die Argumente betrifft, die die Besucher unseres Messestandes animieren könnten, gerade unsere Produkte zu kaufen.Ich muss noch viel lernen.

Nach drei Jahren bin ich als Exportleiter dieser Glaswaren-Firma auf der Messe in Frankfurt. Immer noch sehe ich beim Aufbau des Ausstellungsraums zu, als ob ich noch nie einen Hammer in der Hand gehabt hätte. Mittlerweile weiß ich aber zumindest, dass man triftige Verkaufs-Argumente haben muss. Doch bei den Unterlagen zu unseren Stammkunden verlasse ich mich entspannt auf die Kollegin aus meiner Abteilung. Sie hat auftragsgemäß alles Erforderliche mit und sieht es als ihre Haupt-Aufgabe, die Außenstände einzufordern. Ich will in erster Linie verkaufen und dann erst auf buchhalterische Belange zu sprechen kommen. Meine Autorität, um dieses mein Modell durchzusetzen, reicht leider nicht.

Etliche Jahre später gehöre ich in der Exportabteilung einer Papierfabrik zur etwa zwanzig-köpfigen Messemannschaft. Ich brauche nicht mehr den Überblick über die gesamte Klientel einer Firma zu haben, sondern kann mich auf die Käufer in meinem Zuständigkeitsbereich konzentrieren. Das trifft für mich sowohl auf der cebit („Centrum für Büroautomation, Informationstechnologie und Telekommunikation“) in Hannover als auch auf der Paperworld in Frankfurt zu.

Maßgeblicher Mitarbeiter bin ich erst wieder, als ich auf der  SMAU („Salone Internazionale Macchine Arredamento Ufficio)“ in Mailand der einzige Repräsentant aus Wien bin. Unser dortiger Gebietsvertreter kennt die italienischen Kunden persönlich, mich stellt er als Fachmann von der Zentrale vor. Ich beginne, diese Exklusivität zu genießen. Als sich mein Verantwortungsbereich auf Griechenland und die Türkei erweitert, bin ich auf einer Messe in Istanbul bereits derjenige, der für fast alles verantwortlich ist. Daher bestelle ich, beraten von unserem Vertreter, den dort üblichen Blumenschmuck mit einer Schleife, versehen mit unserem Firmennamen. Nicht nur, dass mich diese Dekoration an einen Almauftrieb erinnert, der Wortlaut auf der Schleife hat auch nichts mit unserem Firmennamen zu tun. Das ärgert mich sehr und lässt mich erkennen, dass ich doch noch nicht dazu fähig bin, die Allein-Verantwortung auszufüllen.   Besser gelingt es mir schon, als ich auf der drupa („Druck und Papier“) in Köln zuständig bin. Hier ist es auch meine Aufgabe alle anwesenden europäischen Gebiets-Vertreter ins Restaurant einzuladen, weil ich der „Chef aus Wien“ bin.

So etwas lernt man eben.

Kolleginnen Messe_Ausklang

Sobald meine Zuständigkeit auf den Mittleren Osten ausgeweitet wird, lerne ich nicht nur die sehr unterschiedlichen Lieferbedingungen dorthin, sondern auch die mannigfaltigen Anforderungen aus diesen Ländern kennen. Das Wichtigste jedoch ist die Tatsache, unsere Abnehmer (die männliche Form genügt) gut kennen zu lernen. Sie werden zu meinen Stammkunden. Sie besuchen unsere Papierfabrik. Ich treffe sie oft auf der cebit oder einer anderen Messe. Vor allem jedoch besuche ich sie, ganz auf mich allein gestellt, in ihren eigenen Betriebsansiedlungen.

GITEX
Das kommt mir auch 1998 bei der Teilnahme unserer Firma an der GITEX („Gulf Information Technology Exhibition“) in Dubai zugute. Hier bin ich derjenige, der sowohl unsere Produkte als auch unsere Kunden am besten kennt. Ich fühle mich in jeder Hinsicht kompetent, als Produkt-Insider, Logistik-Spezialist und auch als Kundenbetreuer. Sogar beim Aufbau des Messestandes kann ich jetzt einen Beitrag leisten, bin ich doch mittlerweile zum Heimwerker geworden.Auch auf der Messe in Kiev, wo ich keinen einzigen Kunden kenne, weil ich für den Verkauf in die Ukraine nicht zuständig bin, werde ich wegen meiner fachlichen Kompetenz geschätzt.

Ich habe viel gelernt.

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129. Episode aus meinem Leben – Schreibwerkstatt

Episoden aus meinem Leben

129 Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

 

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Schreibwerkstatt

 

Der Moment ist gekommen. Das angepeilte Ziel verbirgt sich vorerst noch hinter meinem Hobby der Ahnenforschung. Jetzt aber sammle ich Mut für mein elementares Vorhaben. So lasse ich mich gerne von meiner Frau dazu inspirieren, zusammen mit ihr an der 6. Autobiografischen Schreibwoche der Ebbe & Flut Textwerkstatt „Schreibend ins neue Jahr“ teilzunehmen. Schon lange will ich nämlich mein abwechslungsreiches Leben schreibend nachvollziehen.

Schon die vorgestellten unterschiedlichen Gedicht-Formen stimulieren mich.
Ein Acrostichon, bei dem die Anfangsbuchstaben der einzelnen Zeilen einen Sinn ergeben:

Eine
gute Idee,
ohne lange
nachzudenken.

ein Haiku mit 17 Silben in drei Zeilen, zu dem mir folgende Wortfolge einfällt:

Alt zu sein hin-dert
nicht die Freu-de am Le-ben,
macht es nur be-wusst.

Mich fesselt die Herausforderung, tieferen Sinn in ganz wenige Worte zu kleiden. In einer Gruppe von zehn gleichgesinnten Beteiligten wird dieser Teil des einwöchigen Kurses zu einem lustvollen Erlebnis. Dabei ist es natürlich auch anregend, als einzige Mannsperson mit von der Partie zu sein. So widmet mir Angelika, eine davon, nach meinem ungewollt frühzeitigen Abgang von der Schulung einen bewundernswerten Limerick ex posteriori:

Warum ging denn bloß der Egon?
War für ihn die Zeit denn um schon?
Das fand ich sehr betrüblich,
denn er schrieb doch sehr vergnüglich.
Seh’n wir uns erneut im Schreibsalon?

Monika Zachhuber, unsere Lehrmeisterin, vermittelt uns sehr inspirierend theoretische Grundkenntnisse zum autobiografischen Schreiben. Neben vielen berühmten Autobiografen wird auch die Anthroposophie von Rudolf Steiner (1861-1925) zitiert. Mit der chronologischen Einteilung des Lebens in neun Perioden zu je sieben Jahren ergeben sich jede Menge spezifischer Themen für den geordneten Aufbau einer Autobiografie.In der Periode von 0 bis 7 Jahren stehe ich als Zankapfel zwischen meinen Eltern. Zwischen 7 und 14 Jahren wechsle ich von der Hauptschule in ein klösterliches Privat-Gymnasium. Im darauf folgenden Abschnitt mache ich die Matura und trete als 21-Jähriger in den Servitenorden ein. Mit 27 Jahren trete ich wieder aus, da ich nicht zölibatär leben will. Zu Beginn des nächsten Zeitraums von 28 bis 35 Jahren heirate ich und bekomme eine Tochter. Nach der nächsten Phase des beruflichen Umbruchs vollziehe ich den Übergang von der einen Frau in meinem Leben zur nächsten, die ich mit 51 Jahren und viel Enthusiasmus heirate. Danach bin ich viel auf internationalen Geschäftsreisen. Um noch nicht in Pension gehen zu müssen, bevor ich die Normal-Arbeitszeit für die volle Höhe der Altersversorgung erreiche, lasse ich mich mit 63 zum Betriebsratsobmann unserer Abteilung, der „Liste Egon“ wählen. Ab Erreichung dieses Alters reden wir laut Rudolf Steiner nur mehr von Gnade, Dankbarkeit, Heiterkeit und Ähnlichem.

Dann aber gibt es viele praktische Ratschläge. Besprochen werden die Maximen „Für wen?“, „Was will ich erreichen?“, „Wie beginne, streiche, kürze, ändere ich?“, „Welche Titel verwende ich?“ und „Wie gewinne ich Abstand vom Geschriebenen vor der Veröffentlichung?“ Viele andere Details werden uns von der Kursleiterin vorgestellt, von uns besprochen und nachher – mehr oder weniger genau – befolgt.

Zur Mittagszeit werden wir von Monika mit einer selbst gemachten Suppe gelabt und haben Zeit, Erfahrungen auszutauschen. Anschließend denke ich persönlich darüber nach, was ein passendes Gerüst für die Schilderung meiner Erlebnisse sein könnte, und bringe es in Form eines Limericks zu Papier:

Ich schreibe wieder
gern was nieder,
befreit es mich doch ungemein
von Gedanken, die bis jetzt geheim,
seien sie auch noch so bieder.

Ich nütze die Gelegenheit, Details aus meinem Leben niederzuschreiben und – wie andere auch – vorzulesen. Die anschließende Diskussion lässt mich intensiv und praxisnah überlegen, wie ich die angedachten Episoden anderen Menschen präsentieren könnte, ohne Langeweile hervorzurufen.

Konflikte meistern

Ansichten & Einsichten 58
„Konflikte meistern“ ist der Titel eines Seminars, zu dem sich acht Teilnehmende eingefunden haben. Sie sind sehr skeptisch, als ich behaupte, dass es etwas gibt, was in jedem Fall hilfreich ist. Das gilt, wenn wir die positive Erwartung haben, dass sich eine schwierige Situation in eine angenehme ändern lässt. Die Haltung „alles ernst, aber nichts persönlich zu nehmen“ wirkt entlastend. Ich lade dazu ein, im geschützten Rahmen des Seminars neue Verhaltensmuster zu erproben. Mit speziellen Übungen wird spürbar/erlebbar, was genau für die jeweilige Person so problematisch ist. Manche sind bei Angriffen sprachlos, andere werden wütend oder zornig. Jede darf und soll ganz neue Rollen übernehmen. Lustvoll erproben wir verschiedene Strategien. Bei der jeweils anschließenden Reflexion und beim gegenseitigen Feedback erfahren einige, dass sie Fähigkeiten haben, die ihnen vorher gar nicht bewusst waren. Eine Teilnehmerin konnte gar nicht glauben, dass sie die Durchsetzungsfähigste in der Gruppe ist. Sie hatte sich selbst ganz anders eingeschätzt.

 



Zusatz:
Nächste Möglichkeit zum Üben gibt’s kostenfrei beim Seminar „wie sag ich’s?“ – Erfolgreich kommunizieren im politischen Alltag (15. und 16. Februar 2019, nur für Frauen!)

128. Episode ais meinem Leben – Liebe wächst!

Episoden aus meinem Leben

128 Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

 

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Tanz Pfarrkirchen

 

Ich bin 47, war 15 Jahre im Kloster und habe eine gescheiterte Ehe von jetzt neunzehn Jahren hinter mir. Auf einer Kur zum Abnehmen im oberösterreichischen Pfarrkirchen lerne ich eine Frau kennen, die mir ab dem ersten Tag außerordentlich gut gefällt. Nach einem Spaziergang mit ihr bemerke ich, dass auch sie positiv von mir beeindruckt ist. Nach allen Erlebnissen in der Vergangenheit erlebe ich diesen Umstand als ein Gefühl, das ich nie mehr missen möchte. Ich frage mich also: Wie mache ich aus diesen Treffen eine fortdauernde Liebesbeziehung?

Da meine Gefühle erwidert werden, wächst meine Motivation und wandelt sich in Zuversicht, als ich die versandbereite Ankündigung ihrer „Entheiratung“ lese, und in Entzücken, als sie mir ein Exemplar gibt, auf dem der Satz „Jetzt, wo ich entheiratet bin.“ ersetzt ist durch „Jetzt, wo ich entheiratet und verliebt bin.“ Da steht auch ihre neue Adresse und die Aufforderung an mich, sie nicht zu vergessen. Ich empfinde das als ihr unmissverständliches Interesse an mir und bin beglückt über diese Situation.

Zuhause in Wien treffen wir uns, treffen uns ein zweites Mal und überhaupt… Briefe brauchen wir keine.

Allerdings reise ich viel. Unsere Kontakte werden seltener. Wir machen aus der Not eine Tugend. Wir kommunizieren schriftlich. Beispielsweise erhalte ich eine Grußkarte mit einem Flugzeug der Lufthansa auf der Vorderseite, adressiert an „Egon auf Reisen!“ mit dem Text: “ Ein schnelles Flugzeug wird Dich zurückbringen!!  Ich liebe Dich.“

Meine Geschäftsreisen häufen sich. Das ist der Anlass für sie, mir drei Monate später ihr Missfallen darüber „durch die Blume“ mit einem Gedicht von Erich Kästner mitzuteilen:

„Arbeit muss es quasi geben,
Denn der Mensch besteht aus Bauch,
Arbeit ist das halbe Leben
und die andere Hälfte auch.

Vieles tun heißt vieles leiden.
Lebt. so gut es geht, von Luft.
Arbeit lässt sich schlecht vermeiden –
doch wer schuftet, ist ein Schuft!“

Der Tenor all der fünfundfünfzig Liebesgrüße von ihr in den darauf folgenden sieben Jahren bleibt so herzlich wie zu Beginn. Nur der Wortlaut ändert sich, die phantasievolle Art der Vorderseite und die Adresse. Bei der Messe in Hannover genügt wegen der geringeren Entfernung und der längeren Aufenthaltsdauer ein Brief. Bei Fahrten nach Athen, Mailand, Riyadh oder Jeddah in Saudi Arabien, Dubai, Qatar, Oman, Damaskus oder Aleppo in Syrien oder nach Amman in Jordanien packt sie mir die Liebesgrüße in den Koffer oder schickt mir in Ausnahmefällen – es gibt noch keine E-Mails – ein Fax an das jeweilige Hotel. Ich rufe sie täglich an, sodass sie mir sagt, sie fühle sich mir näher, wenn ich auf Reisen und nicht zuhause bin.

1996 händigt sie mir persönlich einen Brief aus. Darin schreibt sie von Missverständnissen, nach deren Bewältigung wir einander näher kommen. Solche Themen werden jetzt auch über E-Mails „beschrieben“.

2001, fünf Jahre leidenschaftlicher Liebesbriefe später, kommt wieder ein längeres Schreiben. Das wird dann immer gefährlich! Jedenfalls hat es den Vorteil, dass wir den Wortlaut für Details genauer ausführen und – wir bedenken es zwar noch nicht so genau – die wichtigen Ereignisse uns auch später in Erinnerung rufen können.Wieder geht es um die Ablenkung durch die beruflichen Agenden. Sie weiß zwar, dass ich mich meinen beruflichen Verpflichtungen nicht entziehen kann, beharrt aber verständlicherweise auch auf ihrem persönlichen Standpunkt.

Weitere fünf Jahre danach, ebenfalls gefüllt mit liebevollen Nachrichten in unterschiedlicher Form, tritt wieder ein ähnliches Thema in den Vordergrund. Mir wird vorgehalten, dass ich besonders für meine Gattin alles das tue, was von  mir erwartet wird. Hinweis an mich: nicht meine Pflicht erfüllen, was mir oft gar nicht bewusst ist, sondern das Augenmerk auf meine eigenen Bedürfnisse lenken. Da ich nicht weiß, wie ich diesen Problemkreis allein bewältigen kann, beginne ich eine Therapie und halte vier Jahre durch. Das Warten, in einer Gruppe von zirka zwanzig Leidensgenossinnen und Leidensgenossen bei den periodischen Aufstellungen endlich auch Hauptperson zu sein, rechtfertigt diese meine Ausdauer. Im Endeffekt jedoch – so scheint wenigstens mir – bringt es nur Teilerfolge.

Der Fünf-Jahres-Abstand – wir schreiben 2011 – bleibt bestehen. Nach beidseitigen positiven Erinnerungen vor und nach meiner Pensionierung gewinnt die Betrachtung der Beziehung zwischen uns wieder an Aktualität, sodass wir sie in den Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit stellen. Unsere Achtsamkeit und unser Bemühen tragen Früchte. Wir sind nicht mehr verliebt ineinander. Wir lieben uns.

Wir sind jetzt kaum mehr voneinander getrennt, sodass wir alles mündlich besprechen können. Die Liebesbriefe finden sich bereits in unseren Mienen. Die Probleme behandeln wir mittlerweile wortreich ohne frankierte Grußkarten oder Briefe, Faxe oder E-Mails. 

127. Episode aus meinem Leben – Gerichtsverhandlung

Episoden aus meinem Leben

127 Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

 

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Betriebsausflug

Im Dezember 1997 macht die Verkaufsabteilung der Firma Neusiedler einen Betriebsausflug ins Schloss Greillenstein bei Gars am Kamp in Niederösterreich. Meine Auslandsreisen teile ich so ein, dass ich bei solchen Anlässen immer dabei sein kann. Ich freue mich sehr, dass wir uns bei diesen Gelegenheiten abseits der alltäglichen Arbeit grundsätzlich prächtig unterhalten. Diese Zusammenkünfte sind nicht nur für unseren Chef, sondern auch für uns Betriebsräte eine willkommene Chance zur Förderung des guten Betriebsklimas. Schließlich ist das eine unseren wesentlichen Aufgaben. Solche Wochenenden schweißen uns eindrucksvoll zusammen.

Die Event-Manager hier in der Burg haben neben vielen anderen Attraktionen einen Sketch vorbereitet, der uns gut unterhalten und abenteuerlich ablaufen soll: eine Gerichtsverhandlung.

Mein Kollege Stefan ist der Richter, Toni der 1. Beisitzer und ich der Gerichts-Schreiber. Alle drei tragen wir eine dunkle Robe, mittelalterliche Perücken und Stefan dazu noch ein richterliches Barett und einen weißen Brustlatz. Ein Kruzifix hinter uns, brennende Kerzen vor uns am Richtertisch und ein Gänsekiel in meiner Griffweite vervollständigen die forensische Atmosphäre.

Der Gemeindediener führt den Angeklagten herein. Dieser Inquisit, Bauernsohn und Hoferbe, wird beschuldigt, die Magd eines Nachbarn geschwängert zu haben. Dafür wird er vom Bauer der Magd angeklagt. Der muss nämlich für die unehelich geborenen Kinder, die Kegel seines Gesindes, aufkommen, wachsen diese doch in der Großfamilie mit auf. Das will er sich nicht aufhalsen lassen.

Es ist die Aufgabe des Richters, durch Befragungen des Angeklagten die Wahrheit herauszufinden und ihn zu einem Geständnis zu veranlassen. Seine Ehren, die personifizierte Justiz in unserer Gemeinde, unser Stefan, fragt den Beschuldigten zunächst der guten Ordnung halber um seinen Namen. Dieser ist Johannes, seine Religion römisch katholisch, sein Alter 24 Jahre. Ob er sich bewusst sei, dass ein außerehelicher Verkehr strafbar ist. Johannes bejaht, meint aber gleichzeitig, dass er nicht der Übeltäter wäre. Er sei verlobt und seiner Künftigen treu.

Ui! Das verspricht, ein problematischer Fall zu werden. Ich bereite mich vor, ein ellenlanges Protokoll zu schreiben.

Ob er bei seinen Eltern wohne. Da das nicht der Fall ist, wird alles noch viel komplizierter. Wir glauben ihm nicht und lassen ihn daher arrestieren, bis der Fall aufgeklärt ist. Er wird gefragt, wo er sich aufhalte, wovon er sich ernähre und ob er bereits einmal angeklagt oder sogar eingekerkert gewesen sei.

Da er den Unschuldigen spielt, müssen jetzt vom Bauern benannte Zeugen befragt werden. Bei Elisabeth, der Wirtin, wird recheriert, ob er sich – vielleicht im Rausch – gerühmt hätte, bei der Magd eingestiegen zu sein. Da sie bejaht, kann Johannes den neuerlichen inquisitorischen Fragen nicht mehr ausweichen. Ja, er wäre dort gewesen. Wann, wie oft und wie er das gemacht hätte. Johannes windet sich kleinlaut. Jetzt aber beginnt Renate, die Magd, um die es geht, auszupacken. Sie will ihren Dienstbotenstand hinter sich lassen und zur Bauersfrau aufsteigen. Ja, er wäre nicht nur einmal, sondern viel öfter bei ihr gewesen. Sie liebe ihn und freue sich auf das gemeinsame Kind. Die Verlobte kann ja nicht mit „solchen Umständen“ aufwarten.

Weitere Zeugen werden um ihre objektive Stellungnahme gefragt. Der Dorflehrer bestätigt, dass die Handschrift des Briefleins, das bei der Magd gefunden wurde, eindeutig von Johannes ist. Andererseits wissen alle Dorfbewohner, dass das Tüchlein, das in der Kammer von Johannes aufgetaucht war, eindeutig von Renate, der betroffenen Magd ist.

Die Sachlage ist also ganz eindeutig. Johannes anerkennt jetzt zwar sein Kind, aber wann er Renate heiraten wird, lässt er – noch – offen.

Wir alle sind erleichtert und sehen ein, dass er zunächst die neue Situation mit seiner Verlobten klären muss. Es ergeht ein Freispruch, Johannes wird entlassen und ich kann das Protokoll über den Ablauf des Prozesses fertigstellen.

Wir alle wenden uns den anderen Vergnügungen zu, die man für uns bereithält. Die gemeinsamen Aktivitäten lassen auch diesen Betriebsausflug gelingen. Sie fördern im geschäftlichen Alltag das gegenseitige Verständnis, die Zusammenarbeit. Sowohl die Rechnung des Chefs als auch die des Betriebsrats sind aufgegangen.

kostenfrei

Sich bei Seminarbeginn sicher fühlen

Ansichten & Einsichten 56
In den kurzen Beiträgen
geht es um praktische
Beispiele aus dem Alltag

einer Beraterin und Trainerin über erlebte Missverständnisse und schwierige Situationen. Hier gebe ich konkrete Anregungen für Verhaltensmöglichkeiten, wie mit Respekt, Wertschätzung, Humor und (angeleitetem) Erfahrungsaustausch einfühlsame Kommunikation und konstruktive Intervention möglich sind.

Über Ergänzungen und diskussionsfreudigen Austausch freue ich mich jetzt schon!Beiträge, die nicht veröffentlicht werden
sollen, bitte entsprechend anmerken!
Wie sag ich’s?
Für ein konstruktives Miteinander

Coachperson
Foto: Alexandra Grill

 

Ansichten & Einsichten 56
Bei unserem Diplomlehrgang trainingskompetenz® begleiten wir die Teilnehmenden über Erleben, Hinterfragen und Üben zu persönlichen Erkenntnissen und Handlungsmöglichkeiten. So üben wir auch Strategien für einen Seminarbeginn. Ein Teilnehmer ist an der Reihe, erstmals eine Gruppe einzustimmen. Die anderen Anwesenden stellen sich als  Testpersonen für dieses Experiment zur Verfügung. Meine Anleitung dabei ist, dass jede einzelne Person ganz persönlich reagiert, als wäre sie gerade angekommen und den anderen noch fremd. Meine Position bei dieser Übung ist die einer Teilnehmerin.

Alle Beteiligten haben mit mir einen Seminarbeginn erlebt. Darüber wurde reflektiert. Die resultierenden Wahrnehmungen wurden mit theoretischen Erkenntnissen von mir angereichert. Ankommen und Einstimmen der Gruppe mit Begrüßen, Programmvorschau und kurzem Kennenlernen sind das Thema.

Der Kollege beginnt mit einer freundlichen Begrüßung und stellt danach an die Person, die links von ihm im Sesselkreis sitzt, die Frage: „Worüber wollen wir heute sprechen?“. Überrascht von dieser Aussage antwortet diese mit einem Thema, von dem sie bereits weiß, dass es dem Kollegen sehr wichtig ist. Die gleiche Frage stellt er zwei weiteren Personen. Auch bei diesen Beiden ist die Irritation nicht mehr zu übersehen. Die gesamte Gruppe wird unruhig. Einzelne beginnen mit der daneben sitzenden Person zu reden.

Ich beende diese Übung und rege an, diese Reaktionen zu reflektieren. Nach einer ausführlichen Diskussion und entsprechenden Hinweisen von mir ist allen verständlich, warum dieses Experiment nicht gelingen konnte. Der Teilnehmer hatte nicht als Seminarleiter agiert, sondern als Gruppenmitglied, dem klar ist, dass sich alle kennen und das Programm vom Flipchart ablesen können. Diese Übung war für die gesamte Gruppe hilfreich. Es wurde verständlich, was Teilnehmende benötigen, um sich bei einem Seminarbeginn sicher zu fühlen.

 

126. Episode aus meinem Leben – Subdiakon

Episoden aus meinem Leben
126 Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel
Link zur Übersicht aller bisherigen Splitter
Link zum Feedback auf diesen Splitter
Link zum Feedback auf den letzten Splitter
Ich freue mich über jeden Titel oder Kommentar und über jede Person, die künftig die Splitter regelmäßig erhalten will. Bitte alles an: egon.biechl@drei.at senden. Kommentare nur für mich privat bitte als solche kennzeichnen.

Die Ausbildung ist das Eine, die Karriere das Andere. ich lerne nicht weniger als meine Kollegen, bin aber als Österreicher in Italien. Einer meiner Mitbrüder im Orden der Servi di Maria wird ermutigt, die Prüfung zum Bakkalaureat (Bachelor) abzulegen und besteht sie. Bei mir heißt es: „Für Dich macht es keinen Sinn, das Baccalaureat in Theologie zu machen, weil es nur in Italien gilt. Damit kannst Du in Österreich nichts anfangen!“ Obwohl auch ich eine wissenschaftliche Arbeit unter Betreuung eines Hochschullehrers selbständig verfassen könnte, geniert es mich also nicht, dass ich den ‚baccalà‘ vergessen kann. Ich amüsiere mich eher darüber, dass dieses ‚baccalà‘, wie man es umgangssprachlich bezeichnet, in Wirklichkeit zu Deutsch Stockfisch oder Bohnenstange bedeutet. Wie mein Kollege, der die Prüfung als baccalaureus Theologiae seu Divinitatis verlässt, absolviere auch ich zwei Jahre Christliche Philosophie, die unter anderem auf den Erkenntnissen von Augustinus und Thomas von Aquin beruht. In dieser Zeit versuchen wir, ausschließlich, mit der natürlichen Vernunft, wenn auch nicht gegen christliche Elemente, zu argumentieren, um alle Interessierten erreichen zu können. Wir sind für künftige Gespräche außerhalb unserer Umgebung gewappnet. Außerdem bin ich jetzt der italienischen Sprache mächtig und zum Klosterfotografen avanciert.



Dalmatika für Subdiakone
Bachelor und Freund für Zuflucht

Im Gegensatz zum Baccalaureat werde ich ein halbes Jahr, bevor ich das eigentliche Theologiestudium absolviert habe, dazu angehalten, die klerikale Karriereleiter hinaufzusteigen. Jetzt stehe ich vor dem Abschluss das Studiums der biblischen, der historischen, der systematischen, der praktischen und der interkulturellen Theologie und kann auf diesem Gebiet mitreden. Allerdings erklimmt man die liturgische Position eines Priesters zunächst mit den sogenannten „Niederen Weihen“. Alle vier Stufen dieser Konsekration erhalte ich in einem Aufwaschen. Die erste davon ist das ‚Ostiariat‘. Ab dem Jahr 251 waren sie Türsteher und beauftragt, den Ungetauften und Büßern einen Platz im hinteren Bereich der Kirche zuzuweisen und sie dann nach dem Wortgottesdienst und vor Beginn der Eucharistie-Feier hinauszuweisen. Gleich danach werde ich zum ‚Lektor‘, verantwortlich für die Lesungen aus dem Alten Testament bei der Messfeier. Die Weihe zum ‚Exorzisten‘ oder Teufelsaustreiber ist nur historisch bedingt und nicht mehr zeitgemäß. Sie wird – wenn überhaupt – von erfahrenen Kirchenmännern mit dem Auftrag eines Diözesanbischofs ausgeführt. Im Gegensatz dazu darf ich als ‚Akolyth‘ vor der Kommunionsfeier Wasser und Wein in den Kelch des zelebrierenden Priester eingießen. Dafür hätte ich nicht so viel lernen müssen. Daraufhin folgt Mitte 1969 die erste Höhere Weihe, jene zum Subdiakon, bei der ich mit einer Albe, einem Manipel und einer prachtvollen Dalmatika bekleidet werde. Bei Hochämtern kann ich jetzt neben dem Priester und dem Diakon der Dritte im Bunde sein. Allerdings bin ich einer der Letzten, die dieses Privileg genießen dürfen, weil dieses liturgische Amt nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, 1962 bis 1965,  im Jahr 1972 von Papst Paul VI. abgeschafft wird. Der Diakon allerdings bleibt bestehen. Bei dieser nächsten Stufe in der klerikalen Laufbahn erhält man zusätzlich eine Stola, die allerdings über die Schulter und nicht wie beim Priester über den Hals getragen wird.

Ich bekomme sie nicht mehr. – Warum? Dieser einschneidende Schnitt der Weihe zum Subdiakon ist verbunden mit der Pflicht zum Zölibat. Blindlings nehme ich das in Kauf, gehört es doch zum normalen Werdegang eines Priesters. Jetzt allerdings beginne ich, den Ernst der Lage zu erfassen. Ich habe doch auch hier in Italien schon einige amüsante Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts kennengelernt. Will ich wirklich zölibatär leben? Kann ich den Versuchungen widerstehen?
Ich treffe eine Entscheidung und informiere den zuständigen Vorgesetzten von meinen Entschluss, die klerikale Laufbahn zu verlassen.

Außerhalb des Klosters sehe ich für mich keine Zukunft in Italien, also auch nicht mit eben der italienischen Frau, die mich in ihr Herz geschlossen hat. Sie ist mit ein Grund für meinen Entschluss, den natürlichen Werdegang eines katholischen Klerikers zu verlassen. Bevor ich Italien Richtung Österreich verlasse, informiere ich sie schweren Herzens.

Anschließend „verstecke“ ich mich vor ihr und meinen Leidensgenossen, die ich einer solchen Situation zurücklasse, bei einem Ex-Kollegen, der den Orden schon früher verlassen hat.

Ich kehre zurück nach Österreich, bekomme anstandslos die von mir erbetene Dispens und bin ab sofort auf dem Weg zu einer anderen Karriere.