103. Episode aus meinem Leben – Israel

Episoden aus meinem Leben

103. Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

 

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Klagemauer
Heute, am 24. Juli 2018 lese ich in der Zeitung, dass aus der Klagemauer in Jerusalem ein riesiger Stein herausgebrochen und auf den Vorplatz gefallen ist. Messias sei Dank, hat er keinen der Betenden getroffen oder verletzt.Das erinnert mich an die Zeit, in der ich regelmäßig in Israel war: 1992 übernehme ich für meinen Arbeitgeber, eine Papierfabrik, die Verantwortung für den Export unserer Produkte in den Mittleren Osten, der neben den arabischen Staaten – welche Überraschung für mich – auch Israel umfasst. Geografisch gesehen passt dieses Land ideal in meine Reiserouten. Aber mit einem israelischen Einreisevermerk in meinem Pass bekomme ich von fast keinem der arabischen Staaten, die ich bereisen will, ein Visum. In den Richtlinien, die die Wirtschaftskammer für Geschäftsreisen herausgegeben hat, finde ich allerdings einen gangbaren Ausweg, ohne einen eigenen Pass für Israel anfordern zu müssen. Der Ein- und Ausreise-Vermerk in Tel Aviv kann auf einem separaten Stück Papier gestempelt werden. Mit diesem Wissen trete ich bei der Grenzkontrolle selbstbewusst auf, als mir die Beamtin diese Vorgangsweise nicht zugestehen will. Energisch, wie ich – unerwartet aber doch – sein kann, wehre ich mich mit lauter Stimme: „Ich kehre sofort wieder um und fliege zurück nach Wien, wenn sie darauf bestehen!“ Eine Rückfrage bei ihrem Chef bewirkt, dass sie umgehend meinen Wunsch akzeptiert; umso mehr, als sich die Einreisenden hinter mir zwar amüsieren, bald aber doch lautstark zu murren beginnen.

Die wenigen NIS (New Israelian Sheqel), die mir meine Assistentin zusammen mit den anderen Währungen für Taxifahrten und Trinkgelder besorgt hat, habe ich nicht in die Tasche gesteckt, die vier verschiedene Währungen aufnimmt, sondern separat belassen, um Beanstandungen in arabischen Ländern, die ich im Anschluss besuchen werde, vorzubeugen.

Ab 1994 haben wir einen Vertreter in Israel. Ich kenne ihn mittlerweile von seinen Messe- und Fabriksbesuchen. Er ist jetzt derjenige, der israelische Interessenten mit ausführlichen Gesprächen zu unserem Messestand dirigiert. „Großzügig“ überlässt er sie mir zur direkten Beratung. Seine Propaganda und die eigenständige Weiterverbreitung bewirken, dass ich im Lauf der Zeit zirka siebzig potentielle Kunden „erlebe“.

Wie wir uns auf den verschiedenen Messen ergänzen, tun wir es jetzt auch hier bei meinem Aufenthalt in Israel. Vor allem schätze ich ihn nach meinen Erfahrungen als Exportmanager, der allein für die Firmenbesuche zuständig ist, für seine Orts- und Sprachkenntnisse. Eigentlich sprechen alle Geschäftspartner Englisch, manchmal aber doch lieber Hebräisch. Auf Anraten unseres Repräsentanten beschränken wir uns auf die wichtigen Geschäftsleute, die bereits unsere Kunden sind. Sie befinden sich fast ausschließlich in Tel Aviv oder Umgebung. Nur einer hat seine Firma in Haifa.

Da wir aus diesem Kreis insgesamt nur zwischen acht und zwölf Betriebe besuchen, bleibt mir in den drei geplanten Aufenthalts-Tagen noch genügend freie Zeit, um mir von unserem hiesigen Repräsentanten einige Sehenswürdigkeiten zeigen zu lassen.

Als erstes bestaune ich – mit dem vorgeschriebenen Kippot am Kopf – die Klagemauer. Sie ist monumental und fasziniert mich in ihrer Einmaligkeit. Auch die Tatsache, dass sich unmittelbar dahinter der Tempelberg mit der islamischen Al-Aqsa-Moschee befindet, beeindruckt mich sehr.

Bei einer anderen Reise – ich bin acht Jahre für Israel zuständig – animiert mich unser Vertreter, am Freitag, dem wöchentlichen Feiertag der Muslims, an dem ich bei denen ohnehin nichts anfangen könnte, einen Ausflug ans Tote Meer zu unternehmen. Mit großem Interesse, das man auch Neugier nennen könnte, sage ich zu. Welch ein Erlebnis! Ich, der Nichtschwimmer, kann mich ins Wasser dieses Salzsees wagen und gehe – wider persönliches Erwarten – nicht unter, kann gar nicht untergehen. Dass dieser See unter dem Niveau des Meeresspiegels liegt, verstärkt mein Erstaunen.

Als mich unser Vertreter zu einer Reise nach Betlehem auf westjordanischem Gebiet einlädt, sage ich wieder gerne zu. Aber bald bemerke ich seinen Hintergedanken: versteckt unter Touristen aus westlichen Ländern will er das Abkommen umgehen, das Israelis den Aufenthalt an diesen heiligen Stätten in Palästina verbietet. Es gelingt ihm.

Wir beide – wenn auch aus unterschiedlichen Beweggründen – genießen es, die Geburtskirche zur Erinnerung an die Geburt Jesu Christi zu besuchen. Bei der anderen Kirche, der Milchgrotte, bei der die Jungfrau Maria einen Milchtropfen verloren haben soll, fühle ich mich daran erinnert, das ich die Mutter Gottes lange Jahre meines Lebens besonders verehrt habe. Der Einlass in die Krypta ist so eng, dass es oft zu einer Blockade zwischen ein- und aussteigenden Touristen kommt. Das bleibt mir in Erinnerung.

Aus der Klagemauer ist während dieser Zeit kein Stein herausgefallen.

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