104. Episode aus meinem Leben – Schwiegermütter

Episoden aus meinem Leben

104. Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

 

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Einen der Ratschläge meiner ersten Schwiegermutter vergesse ich nie: „Beim Waschen von Kochtöpfen immer besonders auf die Ränder achten!“  Fast jedes Mal, wenn ich ein Reindl reinige, denke ich deswegen an sie.

Entgegen den üblichen Vorurteilen Schwiegermüttern gegenüber habe ich nur positive Erinnerungen an meine beiden. Lange Zeit meines Lebens waren Schwiegermütter für mich ohnehin tabu. Im Kloster keine Frau, also auch keine Schwiegermutter!  Dann heirate ich und werde Schwiegersohn.

Meine erste Schwiegermutter ist bereits Witwe, als ich in ihre Familie einheirate. Von Anfang an schätzt sie mich sehr. Immer hält sie sich dezent im Hintergrund. Aber sie ist diejenige, die in ehelichen Krisenzeiten zwischen meiner Frau und mir sanft vermittelt. Wie selbstverständlich versorgt sie uns alle mit köstlichem Essen, der Pflege unserer Kleidung und dem Reinhalten unserer Wohnung.

Im Kloster, wurde ich für lange fünfzehn Jahre von unseren Laienbrüdern mit Essen und vielen anderen Hilfeleistungen versorgt. Sie sorgten für unser leibliches Wohl, konnten mir aber kein Gefühl der Geborgenheit vermitteln.

Endlich bekomme ich auch emotionale Zuwendung durch sie, meine neue Mutter. Nicht nur, dass sie immer freundlich zu mir ist, sie lässt mich ohne Wenn und Aber zum Vater für meinen Stiefsohn werden. Sie gibt mir in ihrer Wohnung Platz für meine Hobbies und – vor allem – sie übernimmt mit viel Zärtlichkeit und Engagement die Obsorge für meine Tochter, als meine Frau wieder berufstätig wird. Wir haben ein ideales Verhältnis zueinander.

Schwiegermutter Snasel Schwiegermutter Weissinger

Daher erhoffe ich mir von den Eltern meiner geliebten Partnerin, die ich nach der Trennung von meiner Frau gefunden habe, Ähnliches. Und tatsächlich fühle ich mich hier, wo meine künftige Frau die dritte unter sieben Geschwistern ist, durch Gespräche mit ihrem Vater, der mich zu meinem Beruf und meinen Interessen befragt, in die Familie aufgenommen. Leider stirbt er noch vor unserer Hochzeit.

Ihre Mutter steht mir auch sehr positiv gegenüber. Wie ich von meiner Auserwählten erfahre, hatte sie ihr zu verstehen gegeben: „So einen Mann hast Du Dir schon als Sechzehn-Jährige gewünscht!“ Was will ich mehr? Ich fühle mich von Beginn an angenommen und freue mich ungemein über diese ermutigende Aussage.

Mit Mutti – wie wir sie alle gemäß Familientradition nennen – kann ich ganz ungezwungen umgehen. Bei kleinen gemeinsamen Ausflügen necke ich sie beispielsweise damit, dass ich bei jedem Fahrzeug, dessen Nummerntafel „GF“ beinhaltet und damit eindeutig auf Gänserndorf hinweist, die Bemerkung fallen lasse, dass es sich um die Großfeldsiedlung handelt. Darüber empört sie sich, was mich dazu veranlasst, dies immer wieder zu tun.

Gerne trinken wir mit ihr manches Glas Sekt, wie wir anhand der Sektkorken nachvollziehen können, die ich seit 1989 mit Datum und dem Namen der Beteiligten versehen habe.

In Zypern – mit Mutti unternehmen wir auch manche Urlaubsreise – wird uns im Haus eines unserer Gebietsvertreter ein exotisches Gericht vorgesetzt, das allem Anschein nach ein undefinierbarer Brei ist und von dem meine Frau nicht einmal kosten, geschweige denn essen will. Mutti hingegen hat keine Hemmungen. Zusammen mit mir isst sie ohne Zögern von dieser Speise, von der sich herausstellt, dass sie besser schmeckt als sie ausschaut. Damit bewahrt sie mich davor, als einziger davon essen zu müssen.

In der Slowakei machen wir einen gemeinsamen Badeurlaub. Ich gehe hüfttief im Nichtschwimmerbereich,, meine beiden Begleiterinnen nützen den Teil für Fortgeschrittene. Dann sonnen wir uns im Liegestuhl. Sobald es uns zu heiß wird, setzen wir uns auf die Veranda und spielen unser Kartenspiel Whist. Damit fühlen wir uns wie zuhause und genießen diese erholsamen Abwechslung. Zu meiner Verblüffung sagt Mutti zu mir, der – mit einem Kilt bekleidet – seine ganze Aufmerksamkeit auf das Spiel richtet: „Da soll man sich nicht aufregen, wenn man stundenlang einem fast unbekleideten Mann gegenüber sitzt!“

Sie schreibt auf Anregung meiner Frau Ina ein Buch über ihr Leben. Sie geht dabei sehr ins Detail und wir alle können viele Informationen über die damalige Zeit und im speziellen über sie selber erfahren. Am Schluss dieser ihrer Annalen stellt sie fest: “Ich blicke auf ein erfülltes Leben zurück.“

In den letzten beiden Jahren erkrankt sie und benötigt regelmäßige Betreuung in einem Krankenhaus. Nachdem ich gerade meine Pension angetreten habe, stelle ich mich dafür zur Verfügung, sie von dem Außenbezirk, in dem sie wohnt, in ein Krankenhaus im Westen der Stadt zu chauffieren. Meine Frau übernimmt den heikleren Teil der Betreuung in den Räumen des Spitals. Ich fahre angeregt plaudernd mit meiner geliebten Schwiegermutter zurück in ihr Haus.

Als sie mit 93 Jahren stirbt, vermisse ich noch lange ihre Fröhlichkeit und Lebensweisheit. Ich habe eine Mutter verloren, die während der ganzen Zeit unseres Zusammenseins meine intensive Sympathie mit voller Zuneigung erwidert hat.

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