107. Episode aus meinem Leben – Enkel

Episoden aus meinem Leben

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Enkel
Wozu hat man eine Mutter? Einer der „Verwendungszwecke“ ist die Beaufsichtigung der Enkelkinder. Da die Großmutter, hervorragend geschult für die Betreuung von Kleinkindern, das auch liebend gerne tut, steht dem nichts im Wege. Drei der Sprösslinge sind im Kleinkind-Alter von zwei bis vier Jahren, wobei es natürlich wichtig ist, dass ihre Eltern auf Abruf verfügbar bleiben. Lindabrunn, 40 Kilometer südlich von Wien, vereint beides ideal.Als Mann der Großmutter bin ich bei diesen Gelegenheiten nur eine Randerscheinung, aber abends und sogar ganze Urlaubswochen dabei.Jeder, der weiß, welches Vergnügen es ist, sich auch nur mit einem freudestrahlenden Knirps zu befassen, der kann ermessen, wie reizvoll es ist, drei davon um sich zu haben, sie in der Wiese hinfallen und mühelos wieder aufstehen zu sehen. Ich genieße es vor allem dann, wenn sie sich vertrauensvoll an mein Bein schmiegen. Ich setze mich zu ihnen, um mit ihnen Kontakt auf Augenhöhe zu bekommen. Ich bin entzückt. Ich kann uneingeschränkt auskosten, was der Umgang mit so kleinen Kindern bietet.

Man glaubt es kaum, aber schon jetzt besteht neben der zutraulichen Beziehung zu uns eine klare Struktur im Umgang der Winzlinge untereinander. Da kümmert sich der Vierjährige um seine Zwillings-Geschwister und fühlt sich für sie verantwortlich.

Nach dem Abendessen, beaufsichtigtem Waschen, Abtrocknen mit speziellen Handtüchern, die – wie viele andere Sachen – für jedes Kind eine eigene Farbe haben, und  Zähneputzen wird der Pyjama angezogen. Als alle kudernd im Bettchen liegen, bekommen sie zum Einschlafen eine  Geschichte vorgelesen, der sie aufmerksam zuhören, bis sie vom Schlaf überwältigt werden.

Erst danach gesellt sich meine Gemahlin – erschöpft aber glücklich – zu mir. Ich frage mich, wie sie diese verantwortungsvolle Arbeit ohne Hilfe bewältigen kann. Speziell dafür bewundere ich sie. Mit viel Umsicht kümmert sie sich um ihre Enkelkinder, wann immer sie kann. Ich wäre da komplett überfordert.

Ich kann mich auf das Angenehme konzentrieren und brauche im Freien auch nicht auf das Rauchen meiner Pfeife zu verzichten. Diesem meinem Vergnügen kann ich  vor allem deshalb frönen, weil meine Gattin mir deswegen überhaupt keine Vorwürfe macht.

Ordnungsliebend, wie es in einer solchen kinderbezogenen Situation eben ist, klopfe ich meine Gerätschaft zum Rauchen nicht auf der Wiese, sondern im Aschenbecher aus. Der gehört natürlich ausgeleert. Ich mache das mit großer Sorgfalt. Allerdings entgeht mir einmal, dass noch glosender Tabak dabei ist. Wir legen uns im Wohnzimmer zum Schlafen nieder. Bald darauf meint meine Frau, Brandgeruch wahrzunehmen. Ich springe aus dem Bett, fasse den Abfalleimer, dessen Inhalt mittlerweile in Flammen steht, und werfe ihn in großem Bogen auf die Wiese, wo er keinen Schaden anrichten kann.  Nicht auszudenken, wenn wir in einem anderen Zimmer geschlafen und diese Gefahr nicht bemerkt hätten.

Jetzt ist meine Liebste nicht mehr so duldsam und macht mir lautstark Vorwürfe, was alles aufgrund meines Leichtsinns passieren hätte können. Kleinlaut muss ich ihr recht geben. Ich wage nicht einmal, mir so etwas vorzustellen.

Bald aber überwiegt unsere Erleichterung darüber, dass wir glücklich an einer solchen Katastrophe vorbeigeschrammt sind. Unsere Enkel befreien uns mit ihrer ungestümen Fröhlichkeit von der tief bedrückten Stimmung. Dafür bin ich ihnen – wie könnte es anders sein – außerordentlich dankbar.

Zum vierten Geburtstag des Größten von ihnen kommen auch zwei weitere Enkel mit ihren Eltern zu Besuch. Meine liebe Frau macht ein Foto, auf dem vier Generationen vertreten sind: die Urgroßmutter, einer ihrer Enkel mit seiner Frau, fünf Urenkel und ich als Opa.

Lindabrunn
kostenfrei

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