110. Episode aus meinem Leben – Religion unter Freunden

Episoden aus meinem Leben

110. Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

 

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Link zum Feedback auf den letzten SplitterIch freue mich über jeden Titel oder Kommentar und über jede Person, die künftig die Splitter regelmäßig erhalten will. Bitte alles an: egon.biechl@chello.at senden.
Kommentare nur für mich privat bitte als solche kennzeichnen.

 


Der 70. Geburtstag von Fritz ist für mich der Anlass, ihm einen ganz persönlichen Splitter zu widmen respektive Brief zu schreiben:

Lieber Fritz,
so viel ich mich auch bemühe, wir sind nicht wirklich (bluts)verwandt. Meine Schwiegertante ist Deine Tante und mein Onkel ist Dein Schwiegeronkel. Allerdings lässt sich unsere Beziehung zueinander auch anders beschreiben: Wir sind seelenverwandt. Beide sind wir aus Innsbruck und auch bei unseren Hobbies gibt es Übereinstimmungen. Wie Du bin ich an der Ahnenforschung und an Lebensgeschichten interessiert.

Stammbaum_Egon

 

Für die Episoden aus meinem Leben schenkst Du mir sogar Titel-Vorschläge. Leider schreibst Du nichts über Dein Leben, das – soweit ich das derzeit beurteilen kann – nicht weniger ereignisreich war als meines.

Bei unseren Telefongesprächen plaudern wir über das, was uns derzeit beschäftigt und das, was sich in unserer Vergangenheit ereignet hat. Unter anderem kommen wir auf unser Verhältnis zur katholischen Kirche zu sprechen. Du weißt von den Geschichten aus meinem Leben, dass ich im Kloster war und Priester werden wollte. Was ich vorher nicht wusste ist, dass auch Du einen näheren Bezug zur katholischen Kirche hattest. Bei Dir allerdings konnte man nur von einer ernst genommenen Ausübung der Pflichten als Mitglied der Kirchengemeinde und nicht – wie bei mir – von dem endgültigen Entschluss, die klerikale Laufbahn einzuschlagen, reden. Wie Deine Eltern, Deine Großeltern und wohl auch Deine anderen Vorfahren warst Du – damals mehr noch als heute – praktizierender Katholik.

Aus Deinen Erzählungen weiß ich nun, dass der örtliche Pfarrer keine Ahnung von finanziellen und organisatorischen Belangen hatte. Er kümmerte sich nur um das Seelenheil seiner Schäflein. Du stelltest also Deine besonderen Talente in den Dienst der Pfarre und brachtest deren wirtschaftliche Angelegenheiten wieder in Ordnung. Darüber hinaus durchleuchtetest Du auch die organisatorischen Abläufe bei den jährlichen Hochfesten wie Weihnachten, Ostern, Fronleichnam und ähnlichen. Bis zu Deinem Eingreifen mussten die freiwilligen Kirchen-Helfer die Symbole des jeweiligen Festes auf Leitern zirka sechs Meter über den Altarraum hochhieven. Dabei riskierten sie ständig, hinunterzustürzen und folgenschwere Verletzungen davonzutragen. Diesbezüglich reduziertest Du das ungeheuere Gefahrenpotential auf ein Minimum, indem Du die erforderlichen Bestandteile woanders anbringen und zwischendurch an fixen Plätzen verstauen ließ. Du ordnetest also nicht nur die finanziellen Aufgaben, die in der Pfarre anstanden, sondern auch die sicherheitstechnischen Angelegenheiten. Das verlangt mir große Bewunderung ab.

Mein Bezug zur katholischen Kirche war nicht durch die Tradition meiner Vorfahren begründet, sondern viel eher dadurch, dass unser Herr Pfarrer meiner Mutter die Sorge um mich abnahm, als sie ins Krankenhaus musste. Logischerweise entstand dadurch ein gewisses Naheverhältnis.

Die religiöse Vorgeschichte meiner Eltern jedoch war etwas durchwachsen. Mein Vater wurde in Jenbach im Tiroler Unterinntal katholisch getauft, trat jedoch im Jahr 1936 zur evangelischen Glaubensgemeinschaft, Augsburger Bekenntnis über. Vor meinen genealogischen Nachforschungen war mir das unbekannt gewesen. Bezeichnend für sein Leben war es allemal. Danach war es für mich keine Neuigkeit, die mich aufgeregt hätte.

Bei meiner Mutter hingegen verlief die religiöse Laufbahn umgekehrt. Über sie wusste ich, dass sie bei ihrer Geburt evangelisch gewesen und erst später zum katholischen Glauben übergetreten war. Aus den Briefen ihres strenggläubigen väterlichen Freundes, die ich immer noch besitze, erfuhr ich Näheres. Er hatte sie zu diesem Schritt veranlasst und war bei der Taufzeremonie ihr Pate gewesen Das musste im Jahr 1932 passiert sein, ähnlich wie der Bekenntnis-Wechsel bei meinem Vater. Auf diese Weise ergaben sich für die verschiedenen christlichen Religionen nur kurzfristige Mengenverschiebungen.

Was uns beide besonders verbindet? Es ist ein gewisses Konkurrenzdenken. Von unseren beiden Töchtern ist eine hübscher als die andere, eine gescheiter als die andere und eine lebenstüchtiger als die andere.

Wozu ich Dich bewegen möchte? Ich wünsche mir, dass Du mir die Möglichkeit gibst, Deine Lebenserinnerungen zu lesen und mit Dir zu besprechen, wie wir es jetzt bei meinen machen.

Für das kommende Jahrzehnt, beginnend ab heute, wünsche ich Dir, dass Du Dein Leben in vollen Zügen genießt.

Dein Freund Egon“

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