111. Episode aus meinem Leben – zusammengefallenes Bett

111. Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

 

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Die ab und zu erforderliche Reinigung des Fußbodens unter unserem Doppelbett steht an. Die Systemrahmen, so heißt jetzt der Ersatz für die früheren Lattenroste, sind mit den verstellbaren Liegepositionen und den dafür erforderliche Motoren viel schwerer als die ohnehin schweren Matratzen. Lässig übernehme ich die schwere Aufgabe, sie in passende Position fürs Staubsaugen zu bringen. Aber ich bin ein Laie und überschätze mein Geschick, das dafür erforderlich ist. Ein Systemrahmen fällt auf den Balken zwischen den beiden Liegeflächen und lässt ihn einknicken. Was tun?Ich nehme also die beiden Bruchstücke des Kantholzes unter der den Arm und gehe in einen Laden für Selbstbaumöbel. Beim Anmarsch mache ich gedanklich Bestandsaufnahme der erforderlichen Werkzeuge, um selber das beschädigte Ersatzteil zu reparieren. Ich habe Lochsägen und Stichsägen und jede erforderliche Art von Schrauben inklusive Längs- und Kreuzschlitz-Schraubendrehern. Also kein Problem! Die Schwierigkeit besteht nur darin, dass der Verkäufer klarstellt, ein Brett dieser Breite und Dicke wäre nicht lieferbar.
Es bleibt mir also nicht erspart, die Rechnung für die gesamte Schlafzimmereinrichtung herauszusuchen. Sie datiert vom Jahr 2004. In der Hoffnung, dass der Hersteller das Ersatzteil lagernd hat oder zumindest erzeugen kann, rufe ich beim damaligen Lieferanten an. Ich habe viel Mühe, mein Anliegen begreiflich zu machen. Mein Telefon-Partner versteht nicht, was die „Mittelkonsole eines Doppelbetts“ sein soll. Erst als ich die Kaufvertrags-Nummer von damals nenne versteht er, dass es sich um eine „Traverse“ handelt. Jetzt geht es rasch. Nach einer Rückfrage beim Hersteller des Betts ist geklärt, dass das Ersatzteil lieferbar ist. Der Preis ist mir in diesem Moment ziemlich egal. Das Bestellformular würde mir zum Zweck der Unterschrift noch am selben Tag gemailt.Meine Frau und ich überlegen uns, wie wir diese und künftige Nächte schlafen sollen. Wir wählen die einfachste Variante und legen Systemrahmen und Matratze auf den Boden zwischen den „Begrenzungsborden“ (wie das wohl fachgerecht heißt?). Kann doch nicht so schwer sein! Abends steigen wir fast mühelos in unsere Schlafhöhle ein. Als ich in der Nacht auf die Toilette muss, schaffe ich es trotz aller möglichen und unmöglichen Verrenkungen nicht, über das Seitenbord wieder auszusteigen. Ich reiße damit meine Frau aus dem Schlaf. Sie ist viel geschickter als ich und hilft mir durch Handreichen aus meiner misslichen Lage. Da ich noch weiterschlafen will, nehme ich mir jetzt einen Regenschirm als Halterung an einem Mauervorsprung mit, damit ich das Handikap allein bewältigen kann. Den Schirm brauche ich dann aber nicht, weil ich – höchst ungewöhnlich – gleichzeitig mit meiner Frau aufstehe und ihre entgegengestreckte Hand ergreife.
Stammbaum
Da das angekündigte Formular auch am nächsten Tag nicht kommt, mache ich mir über die Gültigkeit unserer Abmachung Sorgen. Der Berater von der Service-Line hört sich die mittlerweile fachgerechte Schilderung meines Anliegens an. Er gibt zu, nicht zu wissen, ob mein Wunsch erfüllbar wäre. Als ich ihm versichere, bereits eine fixe Zusage zu haben, fragt er mich, von wem ich diese erhalten hätte: „Wenn sie seinen Namen nicht kennen, kann ich leider nichts für Sie tun. Der betreffende Mitarbeiter kann außer Haus sein. Sogar in Urlaub kann er sein. Es tut mir leid.“ Da er auflegt, rufe ich noch einmal an und bemerke durch ein Knacksen in der Leitung, dass man mich wieder in die Warteschleife befördert hat. Erst beim fünften Anruf spreche ich mit dem „Fachmann“ von vorher, gebe mit erhobener Stimme meinem Ärger Ausdruck und frage, ob es in dieser Riesenfirma nur einen Zuständigen gäbe: „Verbinden Sie mich mit dem Mitarbeiter, der Bescheid wissen müsste, auch wenn er dazu nicht die Qualifikation hat. Nennen Sie mir vorsichtshalber seinen Namen und Ihren eigenen dazu.“ Gleich danach bin ich mit dem Ansprechpartner von gestern verbunden. Der ist sofort im Bilde und entschuldigt sich. Nach einem Monat würde ich den fehlenden Teil bekommen …

Wie wir in der Zwischenzeit unsere Schlafsituation organisieren? Das ist eine andere Geschichte.

kostenfrei

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