119. Episode – Antonella

 

Episoden aus meinem Leben

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Antonella ist Krankenschwester in einem Turiner Spital. Ich habe sie dort kennengelernt. Gegenseitiges Interesse ist aufgeflammt. Ich bekomme von unserem Pater Magister die Erlaubnis, sie bei ihr zuhause zu besuchen. Dort lerne ich ihre Mutter und später auch ihre Schwester kennen.

Der Padre Maestro, von dem ich die Genehmigung erhalten hatte, befragt mich anschließend über den Verlauf meines Besuchs bei Antonella, die viele von uns Klerikern in der Klinik kennen gelernt hatten. Ich schildere ihm die familiäre Atmosphäre, die ich bei dieser Gelegenheit erfahren durfte.

Das fasziniert auch ihn und einige andere aus unserer klösterlichen Gemeinschaft. Auch sie zeigen Interesse, dorthin mitzukommen. So organisiere ich ein Treffen. Wir feiern ein gemeinsames Fest bei Antonella, zu dem wir ein paar Flaschen Barbera, den typischen Piemonteser Rotwein mitbringen. Wir amüsieren uns köstlich, sodass sich solche Kontakte mehren und quasi zur Selbstverständlichkeit werden.

Fasching ohne Kostüm
(Wer findet mich?)

Vermischung

Handkuss auf klerikal

Handkuss

Allerdings bin immer noch ich der Koordinator für solche Begegnungen, was ich auch genieße. Ich bin auch derjenige, der öfter als alle anderen in der Wohnung von Antonella, die mittlerweile zu „meiner“ Freundin geworden ist, zu Gast ist.

Die Gastfreundschaft erwidern wir Klosterinsassen mit Gegeneinladungen in unseren Konvent. Ganz gegen die üblichen strengen Regeln jeder Niederlassung unseres Ordens haben wir im Klerikat, reserviert für uns Junge, noch immer keine Klausur. Padre Montá, der ehemalige General des Ordens, der jetzt bei uns Prior (der Erste unter Gleichen) ist, hält es, gefragt von unserem Pater Magister, nicht für vorrangig, die feierliche Zeremonie der Einsegnung einer Klausur für uns werdende Priester vorzunehmen. Die Klausur würde uns von allen Außenstehenden und vor allem von Frauen abschirmen.

Aufgrund dieser folgenschweren Achtlosigkeit sind wir den Versuchungen, die das Leben zu bieten hat, schutzlos ausgeliefert. Mittlerweile hat sich der kleine Personenkreis um Antonella um einige ihrer Freundinnen und Freunde erweitert, denen wir das ganze Riesengebäude im Anbau an die Basilika von Superga zeigen können. Spontan lade ich unsere Gäste auch in meine Zelle ein, wo ich studiere und schlafe. Antonella benützt es dazu, zusammen mit einem meiner Kollegen auf meinem Bett zu sitzen, eine Freundin von ihr, in den Schubladen meines Schreibtischs zu wühlen, und einen Freund, sich meinen Zweit-Habit anzuziehen und auf „fromm“ zu machen.

Doppelbett

Heim-Bett

Mustermönch

Frömmigkeit

Es ist kein weiter Schritt dazu, dass ich bis spät in der Wohnung von Antonella bleibe und mich von ihr mit ihrem Auto ins Kloster zurückführen lasse. Wir küssen uns, sie berührt mich „unsittlich“. Ich lasse das zu. Aber in meiner verbliebenen Tugendhaftigkeit und erfüllt von bedrohlichem schlechten Gewissen vermeide ich, bei ihr dasselbe zu machen. Stur beharre ich auf meiner ambivalenten Haltung und verabschiede mich, getrieben durch die Zwiespältigkeit meiner Gefühle.

Als ich später dann doch ihrem Drängen nachgeben will und in der Wohnung ihrer Schwester eine Liegestatt herrichte, kommt sie zu spät von der Arbeit, ist schockiert von meiner Aktion und – für mich ganz unerwartet – abweisend. Endlich wäre ich bereit gewesen …

Zwei Wochen später entscheide ich mich, meine klerikale Laufbahn an den Nagel zu hängen und nach Österreich zurückzukehren. Eine Zukunft in Italien ohne Beruf und ohne irgendeine Erfahrung im Alltagsleben scheint mir nicht erstrebenswert. Eine solche Variante ist mir, verankert im Kloster, nie on den Sinn gekommen. Ich verbringe die letzte Woche vor der Heimreise bei meinem Freund, der vor mir das Kloster verlassen hat. Sie versucht, mich zum Bleiben zu überreden. Vergeblich …

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