129. Episode aus meinem Leben – Schreibwerkstatt

Episoden aus meinem Leben

129 Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

 

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Ich freue mich über jeden Titel oder Kommentar und über jede Person, die künftig die Splitter regelmäßig erhalten will. Bitte alles an: egon.biechl@drei.at senden. Kommentare nur für mich privat bitte als solche kennzeichnen.

 


Schreibwerkstatt

 

Der Moment ist gekommen. Das angepeilte Ziel verbirgt sich vorerst noch hinter meinem Hobby der Ahnenforschung. Jetzt aber sammle ich Mut für mein elementares Vorhaben. So lasse ich mich gerne von meiner Frau dazu inspirieren, zusammen mit ihr an der 6. Autobiografischen Schreibwoche der Ebbe & Flut Textwerkstatt „Schreibend ins neue Jahr“ teilzunehmen. Schon lange will ich nämlich mein abwechslungsreiches Leben schreibend nachvollziehen.

Schon die vorgestellten unterschiedlichen Gedicht-Formen stimulieren mich.
Ein Acrostichon, bei dem die Anfangsbuchstaben der einzelnen Zeilen einen Sinn ergeben:

Eine
gute Idee,
ohne lange
nachzudenken.

ein Haiku mit 17 Silben in drei Zeilen, zu dem mir folgende Wortfolge einfällt:

Alt zu sein hin-dert
nicht die Freu-de am Le-ben,
macht es nur be-wusst.

Mich fesselt die Herausforderung, tieferen Sinn in ganz wenige Worte zu kleiden. In einer Gruppe von zehn gleichgesinnten Beteiligten wird dieser Teil des einwöchigen Kurses zu einem lustvollen Erlebnis. Dabei ist es natürlich auch anregend, als einzige Mannsperson mit von der Partie zu sein. So widmet mir Angelika, eine davon, nach meinem ungewollt frühzeitigen Abgang von der Schulung einen bewundernswerten Limerick ex posteriori:

Warum ging denn bloß der Egon?
War für ihn die Zeit denn um schon?
Das fand ich sehr betrüblich,
denn er schrieb doch sehr vergnüglich.
Seh’n wir uns erneut im Schreibsalon?

Monika Zachhuber, unsere Lehrmeisterin, vermittelt uns sehr inspirierend theoretische Grundkenntnisse zum autobiografischen Schreiben. Neben vielen berühmten Autobiografen wird auch die Anthroposophie von Rudolf Steiner (1861-1925) zitiert. Mit der chronologischen Einteilung des Lebens in neun Perioden zu je sieben Jahren ergeben sich jede Menge spezifischer Themen für den geordneten Aufbau einer Autobiografie.In der Periode von 0 bis 7 Jahren stehe ich als Zankapfel zwischen meinen Eltern. Zwischen 7 und 14 Jahren wechsle ich von der Hauptschule in ein klösterliches Privat-Gymnasium. Im darauf folgenden Abschnitt mache ich die Matura und trete als 21-Jähriger in den Servitenorden ein. Mit 27 Jahren trete ich wieder aus, da ich nicht zölibatär leben will. Zu Beginn des nächsten Zeitraums von 28 bis 35 Jahren heirate ich und bekomme eine Tochter. Nach der nächsten Phase des beruflichen Umbruchs vollziehe ich den Übergang von der einen Frau in meinem Leben zur nächsten, die ich mit 51 Jahren und viel Enthusiasmus heirate. Danach bin ich viel auf internationalen Geschäftsreisen. Um noch nicht in Pension gehen zu müssen, bevor ich die Normal-Arbeitszeit für die volle Höhe der Altersversorgung erreiche, lasse ich mich mit 63 zum Betriebsratsobmann unserer Abteilung, der „Liste Egon“ wählen. Ab Erreichung dieses Alters reden wir laut Rudolf Steiner nur mehr von Gnade, Dankbarkeit, Heiterkeit und Ähnlichem.

Dann aber gibt es viele praktische Ratschläge. Besprochen werden die Maximen „Für wen?“, „Was will ich erreichen?“, „Wie beginne, streiche, kürze, ändere ich?“, „Welche Titel verwende ich?“ und „Wie gewinne ich Abstand vom Geschriebenen vor der Veröffentlichung?“ Viele andere Details werden uns von der Kursleiterin vorgestellt, von uns besprochen und nachher – mehr oder weniger genau – befolgt.

Zur Mittagszeit werden wir von Monika mit einer selbst gemachten Suppe gelabt und haben Zeit, Erfahrungen auszutauschen. Anschließend denke ich persönlich darüber nach, was ein passendes Gerüst für die Schilderung meiner Erlebnisse sein könnte, und bringe es in Form eines Limericks zu Papier:

Ich schreibe wieder
gern was nieder,
befreit es mich doch ungemein
von Gedanken, die bis jetzt geheim,
seien sie auch noch so bieder.

Ich nütze die Gelegenheit, Details aus meinem Leben niederzuschreiben und – wie andere auch – vorzulesen. Die anschließende Diskussion lässt mich intensiv und praxisnah überlegen, wie ich die angedachten Episoden anderen Menschen präsentieren könnte, ohne Langeweile hervorzurufen.

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