Episoden aus meinem Leben – Pensionierung

134 Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

 

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Ich freue mich über jeden Titel oder Kommentar und über jeden, der künftig die Splitter regelmäßig erhalten wollen. Bitte alles an: egon.biechl@drei.at
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Zur Verabschiedung in die Pension erhalte ich von meinen Kolleginnen und Kollegen ein gebundenes Buch mit so vielen positiven Rückmeldungen über und an mich, dass ich jedes Mal gerührt bin, wenn ich es zur Hand nehme. Seit ich meine Splitter schreibe, blättere ich noch öfter darin. Aber je genauer ich lese und je mehr ich von den unvermeidlichen Komplimenten abstrahiere, desto öfter und besser erinnere ich mich an das Wesentliche bei der Beziehung zu den Einzelnen, mit denen ich im Laufe der 31 Jahre zusammengearbeitet habe. Das ist es, was mir verstohlene Tränen in die Augen treibt. Die tatsächlichen Ereignisse, von denen hin und wieder die Rede ist, heben manchmal mein Selbstbewusstsein, aber manchmal treiben sie mir auch die Schamröte ins Gesicht. Wie bin ich doch froh, dass mir niemand dabei zuschaut. Pensionierung

Da schreibt ein Kollege zum Beispiel: „Bei unserer Arbeit sind wir in mehreren Punkten eng verbunden gewesen. Eines der Themen war die ‚berüchtigte‘ Ladenhüterliste für Verpackungen. Mit deinem Ansatz, ‚freie‘ Verpackungen zu schaffen, wolltest Du den Diskussionen darüber entgehen – eine grandiose Idee, die wirklich viel gebracht hat.“ Ich freue mich über diese Anerkennung. Es war nämlich so, dass viele meiner Kunden keine großen Mengen bestellen konnten. Also kam es öfters vor, dass sie die Mindestmenge für eine eigene Verpackung, personifiziert mit ihrem Firmen- Logo, nicht erreichten. Daher mussten diese Ladenhüter schließlich vernichtet werden; verschwendetes Geld! Weil diese Kunden aber keine Verpackung mit Hersteller-Marken, sogenannte „Millbrands“ kaufen wollten, habe ich eine Reihe von „freien“ Emballagen bereitstellen lassen. Damit kann eine solche Verpackung exklusiv für einen Kunden in seinem eigenen Land verwendet werden. Wenn das auch nicht ideal war, aber für die Kunden hat es gepasst und für unsere Firma auch.Wenige Zeilen weiter in der Laudatio desselben Kollegen steht: „Legendär ist das ‚Pissoir-Abkommen‘. Unser Vorstandsdirektor und du seid euch einig geworden, 8.000 Tonnen Papier in 55 Gramm zu verkaufen. Die Neusiedler hatte ohnehin zu viel Papier auf Lager und Leykam Lieferprobleme. Oje, da habt ihr uns ganz schön reingeritten.“ Dazu muss man wissen: wir produzierten ungern und wenig Papier in einer Stärke von 60 Gramm. Je geringer die Grammatur, desto empfindlicher die Papierbahn. Das dünnere Papier verursacht mehr Abrisse in der Papiermaschine. Das Papier muss verkollert, vernichtet werden, was Zeit und Geld kostet. Diese Abrisse bringen auch viel unnötige und unangenehme Arbeit für die Schichtarbeiter mit sich. Bei 55-grammigem Papier potenzieren sich diese Effekte. Wer konnte mich, den Betriebsrat, da noch liebhaben außer der Vorstandsdirektor?Wir wissen: es ist nicht alles Gold, was glänzt. In diesen Erinnerungen gibt es noch viele Elemente, die nur einer der beiden Kategorien zuzuordnen sind. Ein Satz wie „Du warst immer hilfsbereit und dennoch hartnäckig, um in der Sache weiterzukommen.“ bringt die Momente wieder, in denen ich gerührt bin und verstohlen …

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