Episode aus meinem Leben – Ehe mit Schwierigkeiten

135 Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

 

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Ich freue mich über jeden Titel oder Kommentar und über jeden, der künftig die Splitter regelmäßig erhalten wollen. Bitte alles an: egon.biechl@drei.at
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Ich schaffe den Spagat zwischen meinem Kloster- und meinem Eheleben nicht.
Ich bin befreit von den Zwängen eines Lebens im Kloster. Ich lege mein Ordenskleid ab und damit die Verpflichtung zu Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam. Bis jetzt haben die Oberen des Ordens die Regeln für jede Situation in meinem Leben vorgegeben, jetzt darf ich alles allein bestimmen, ohne auf irgend jemand hören zu müssen.
Im Beruf habe ich freilich Vorgesetzte, die bestimmen was unsere gemeinsamen Ziele sind und wie wir sie erreichen sollen. Solche Vorschriften kenne ich zur Genüge, besser als andere. Hier fühle ich mich zu Hause, brauche nicht viel umzulernen.
Braut

Die Freiheit in den essentiellen Belangen des Lebens stellt mich allerdings vor Probleme. Ich bin nicht mehr gebunden, den Tageslauf minutiös einzuhalten. Man kann mich nicht mehr widerspruchslos an einen anderen Ort versetzen. Ich kann flirten mit wem ich will, ohne schlimme Folgen befürchten zu müssen. Aber wer sagt mir, wo ich wohnen soll, was ich essen und trinken soll, wie ich mich anziehen soll. Ich habe niemanden, der mich instruiert, wie ich mit Unsicherheiten umgehen soll.
Prompt komme ich in eine Situation, die mir absolut fremd ist. Früher haben sich Frauen für mich interessiert, weil ich durch mein Ordensgewand eine Herausforderung war: „Kann ich bei einem Mann, der sich dem Zölibat verpflichtet hat, im Gegensatz zu anderen doch etwas erreichen?“ Jetzt treffe ich eine Frau, die meinen Ehrgeiz herausfordert: „Kann ich bei ihr erreichen, dass sie sich für mich interessiert?“
Es gelingt mir. Aber wie geht es weiter. Es gibt niemanden, an den ich mich vertrauensvoll wenden könnte. Ich stolpere hinein in dieses Abenteuer. Manchmal fühle ich mich von meinem Draufgängertum überfordert. Alles ist neu für mich. Ich habe keinerlei Erfahrung in solchen Belangen. Ich will es nicht wahr haben, aber ich brauche Hilfe. Die Eltern sind gestorben, Geschwister hat es nie gegeben. In einem anderen Bundesland existiert zwar eine Tante, um Rat bitten möchte ich sie nicht. Bis vor acht Monaten gab es meinen verlässlichen Beichtvater, den Pater Magister, den Pater Prior, den Pater Provinzial und sogar den Pater General. Aber jetzt?
Beim Begräbnis ihres Vaters, den ich nie kennen gelernt habe, bin ich dabei. Danach will sie mit mir intim sein. Es ist mein allererster Geschlechtsverkehr.
Da es keine andere Möglichkeit gibt, mit dieser attraktiven Frau zusammenzuleben, ziehe ich zu ihr nach Wien. Alles Übrige ergibt sich von selbst. Ich werde von ihrer Mutter und ihrem Sohn aus erster Ehe herzlich willkommen geheißen. Der Neuling in der Wohngemeinschaft bleibe ich. Zum Arbeiten darf ich mir im Vorzimmer einen Tisch aufstellen, worüber ich sehr froh bin. Bald heiraten wir. Da ich relativ gut verdiene, erwartet meine Frau von mir die Finanzierung vieler notwendiger Investitionen und teilweise auch solcher, die hintan gestellt werden könnten. Ich nehme dafür Kredite auf. Wohl fühle ich mich dabei nicht, aber es gibt niemanden, von dem ich mir Rat holen könnte.
Der unvergessliche Lichtblick in unserer Beziehung ist die Geburt meiner Tochter. Ich, der zu lebenslanger Keuschheit verpflichtete und mittlerweile davon dispensierte Mönch, werde Vater. Meine Freude kennt keine Grenzen. Jetzt haben wir zwei Kinder.
An der Kreditspirale ändert das nichts. Die Armut bleibt mir trotz der Dispens von meinem Gelübde erhalten.
Zusehends verkümmert die emotionale Liebe zwischen meiner Frau und mir. Ich bin überfordert, einen Dialog zwischen uns aufzubauen. Ich weiß nicht, was ich tun kann, um diese Entwicklung einzubremsen. Einen Beichtvater, den ich fragen kann, habe ich nicht mehr. Das eheliche Zusammenleben nach einigen Jahren ist eben so, denke ich mir.
Auch die beiden Kinder leiden in dieser Situation. Sie stehen meiner Frau näher, ist sie doch außerhalb der Schulzeiten immer mit ihnen zusammen. Ich fühle mich aus dem Familienverband ausgegrenzt und sehe – unerfahren wie ich immer noch bin – keine Handhabe, dem entgegen zu wirken.
Ich beginne, mich von zu Hause fernzuhalten. Ich mache Überstunden, mehr als notwendig. Um den Vorwürfen meiner Frau zu entgehen, bleibe ich bis spät abends in einem Kaffeehaus.
Eine Kollegin erkennt meine niedergedrückte Stimmung und hilft mir bei ausführlichen Gesprächen, den Gedanken zu entwickeln, dass ich mit meiner Ehe Schluss machen kann und auch sollte.
Das wird zur Gewissheit, als ich auf einer Parkbank sitze und beim Nachdenken über meine Situation keine Luft mehr bekomme.

 

Hochzeit

 

kostenfrei

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