139. Episode aus meinem Leben – Tanzeifer

 

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Mit siebenundvierzig Jahren lerne ich 1989 in einem Diätheim in Pfarrkirchen eine hinreißende Frau kennen, die aufmerksam zuhört, als mich eine Kursteilnehmerin fragt: „Tanzen Sie?“ Sie betrachtet mich auch sehr interessiert, als ich wahrheitsgemäß antworte: „Ja gerne, aber ich kann es nicht!“

Wir kommen uns näher und fahren gemeinsam von Oberösterreich zurück nach Wien. Als wir dort spazieren gehen, ermutigt mich mein Schatz zum gemeinsamen Bewegen in musikalischem Rhythmus: „Trau Dich doch!“ Wir kennen uns jetzt ein Monat und fast so lang sind wir ein verliebtes Paar. Gerne komme ich dieser Aufforderung ohne Umstände nach. Es ist ganz neu für mich und gerade deshalb auch so verlockend.

 

Liebespaar Runder

 

Es wird ein „Runder“. Was anderes kann ich nicht. Im Kloster war Tanzen kein Thema. Es gab keine Gelegenheit dazu, es war verboten. In meiner ersten Ehe war es nicht willkommen, es war tabu. Das ist subtiler, aber nicht weniger effizient als ein Verbot. Ich bin also völlig unbedarft und scheue mich vor jeder Anstrengung in dieser Richtung. Diese Tatsachen verwende ich als Argumente gegen das entschlossene Ansinnen meiner neuen, bereits lieb gewonnenen Partnerin: „Du bist doch einverstanden, dass wir das ändern?“

Es ändert sich. Wir besuchen eine Tanzschule nach der anderen. Wir lernen Disko-Fox, Walzer langsam und schnell, Tango und Paso Doble, Cha-Cha-Cha und Rumba, Foxtrott und auch Boogie-Woogie. Bevor ich noch die Namen der Tänze intus habe, lerne ich schon die Grundschritte dafür. Das schaffe ich mit der Zeit und viel Eifer tatsächlich, aber nur deshalb, weil meine aufopfernde Partnerin mich führt. Ich ‚errate‘ nämlich nie den richtigen Zeitpunkt für den Einsatz. Auf der Basis des ‚Mich Führen Lassens‘ erlerne ich sogar manche Tanz-Figur, die mich als passablen Tänzer erscheinen lässt.

Aus Sympathie folgen wir dem uns zugeteilten Tanzlehrer, als er sich unter dem Namen ‚Tanzschule Eddy Franzen‘ selbständig macht. Das entstandene Nahe-Verhältnis nütze ich dazu, ihn mit Vehemenz davon abzuhalten, mich wie die anderen der Reihe nach mit wechselnden Partnerinnen tanzen zu lassen. Er lässt diese meine Eigenbrötelei zu und unterstützt mich sogar, indem er meine geliebte Gattin, zu der sie mittlerweile geworden ist, während einer Perfektions-Stunde ermahnt: „Warum führst Du nicht?“

Auf zwei Hochzeiten bei unserem Gebietsvertreter für Griechenland, zu denen wir beide geladen sind, wird salopp übergangen, dass ich – auf den jetzt die Augen gerichtet sind – beim Sirtaki nicht rechtzeitig einsetze.

 

Sirtaki

 

Ähnlich geht es mir bei Tanzveranstaltungen in unserer Firma, wo man mir vieles, so auch fehlendes Taktgefühl nachsieht. Bei der Hochzeit meiner Schwägerin, die wir in einem kärntnerischen Gasthaus feiern, ist ein solches überhaupt nicht erforderlich. Das beweist mir ihre Mutter, meine Schwiegermutter, indem sie mit uns allen genau vor mir sogar über die hölzernen Wirtshausbänke und -tische tanzt.

Unsere und damit auch meine Begeisterung am Tanzen zeigt sich auch bei der Hochzeit eines Freundespaars im Burgenland. Dort muss man uns Unermüdliche darauf hinweisen, dass wir das letzte Paar am Tanzboden sind und die Musik deswegen nicht aufhören kann. Wir hätten noch länger getanzt…

Als man Knorpelmasse in mein Knie einsetzt, gebe ich es hingegen auf, ‚mich im Kreis zu drehen‘. Ich kann und will es später auch nicht mehr. Aber im fortgeschrittenen Alter bin ich recht anfällig auf die unverhohlene Aufforderung meiner lieben Frau, die sie sehr einsichtsvoll äußert: „Da könnten wir doch unseren Einheitstanz tanzen!“ Ich bin wieder bei schwungvollen oder weniger schwungvollen ‚Runden‘ gelandet. Die aber tanze ich voll Lebensfreude.

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