Ansichten & Einsichten 71 – Provokationen

Ansichten & Einsichten 71 12. Mai 2019 Weitere Beiträge

 

In den kurzen Beiträgen
geht es um praktische
Beispiele aus dem Alltag

einer Beraterin und Trainerin über erlebte Missverständnisse und schwierige Situationen. Hier gebe ich konkrete Anregungen für Verhaltensmöglichkeiten, wie mit Respekt, Wertschätzung, Humor und (angeleitetem) Erfahrungsaustausch einfühlsame Kommunikation und konstruktive Intervention möglich sind.

Über Ergänzungen und diskussionsfreudigen Austausch freue ich mich jetzt schon!

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Wie sag ich’s?
Für ein konstruktives Miteinander!

Wie_sag-ich_es

Foto. Alexandra Grill

 

Worum geht’s?

In letzter Zeit passiert es mir immer wieder, dass mich andere Personen richtig mundtot machen. Ich möchte gerne auf Provokationen schlagfertig antworten können.

Können Sie mir konkrete Beispiele nennen?

„Du hast ganz falsche Ansichten!“ „Mit dir kann man ja gar nicht vernünftig reden!“ „Fürchtest du dich nicht auch vor der Parallelgesellschaft?“ „Wie kannst du nur mit so einer Person sprechen?“ – Wie kann ich denn auf solche Aussagen reagieren?

Es gibt keine einfachen Antworten. Auch eingeübte Sätze helfen nicht, um gut reagieren zu können. Jeder Mensch hat einen Grund für eigene persönliche Ansichten, Meinungen und Erfahrungen. Die damit verbundenen Gefühle sind der Hintergrund für die persönliche Sicht. Manchmal sind solche Provokationen der – unbewusste – Wunsch, für sich selbst eine passende Meinung zu finden. In einer bezweckten heftigen Diskussion scheint dies möglich. Das bedeutet, die Meinungen anderer ernst zu nehmen und nicht zu bewerten oder zu beurteilen. Besser ist es, genauer nachzufragen. „Warum meint die andere Person, dass eine andere Sicht der Dinge besser wäre?“ „Was heißt in diesem Fall vernünftig zu reden?“ “ Was verstehst du unter Parallelgesellschaft?“

Wenn ich solche Aussagen von anderen ernst nehme, aber nicht als persönlichen Angriff interpretiere, gelingt es, ein konstruktives Gespräch zu führen. Manchmal genügt es, überrascht und fragend zu schauen, um die andere Person zu animieren, sich konkret und konstruktiv zu erklären. Wenn ich mir zum Thema schon eine Meinung gebildet habe und mein Gegenüber davon überzeugen möchte, bietet sich an, deutlich zu sagen: „Ich sehe das anders und kann das auch begründen“.

 

Kleingruppenarbeit unerlässlich

 

Ansichten & Einsichten 70 6. Mai 2019 Weitere Beiträge

 

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Wie sag ich’s?
Für ein konstruktives Miteinander

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Foto. Alexandra Grill

 

Bei der Vorbesprechung für ein eintägiges Workshop wird mit der Auftraggeberin vereinbart, Anregungen für einen aufgelockerten Start bei Informationsveranstaltungen zu bieten. Ich bereite mich also ausführlich darauf vor, diesen Tag aktionsreich zu gestalten, damit die Teilnehmenden viele persönliche Erkenntnisse gewinnen können.
Wie besprochen arbeite ich mithilfe von Erleben, Hinterfragen und Üben. Gleich nach der Einstiegsphase biete ich die erste Reflexion an, um gerade den Beginn mit Ankommen, Einstimmen und Programmvorschau besonders sichtbar zu machen. Üblicherweise lade ich dabei ein, dies zu zweit oder zu dritt zu tun. Diese Regel habe ich durchbrochen und die Einstiegsfrage zum Hinterfragen der Vorgangweise in der gesamten Gruppe gestellt. Die
Teilnehmenden, die bis zu diesem Zeitpunkt locker mitgearbeitet haben, bleiben stumm.
Als erfahrene Lehrtrainerin weiß ich, dass der Austausch über erlebte Erfahrung – zumindest in der ersten Phase – in einer Kleingruppe oder im Paar erfolgen soll. Ich habe die lockere Atmosphäre falsch eingeschätzt und darauf verzichtet. Ohne diesen Schritt war das Vertrauen innerhalb der Gruppe – noch – nicht in dem Maße vorhanden, um vor Allen entspannt und unaufgeregt über die Wahrnehmungen zu sprechen.

Irritierende, verletzende Redebeiträge

Ansichten & Einsichten 69 29. Apr.. 2019 Weitere Beiträge

 

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Wie sag ich’s?
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Worum geht’s?
„Hast du gemerkt, wie negativ die Renate wieder war?“
Im Anschluss an ein Treffen mit Schulfreundinnen sagt das eine Teilnehmerin zu mir. Überrascht verneine ich. „Woran hast du das bemerkt?“ Anhand von einigen Beispielen erläutert mir die Kollegin ihre Wahrnehmung. Immer wieder hätte Renate andere korrigiert. Das klinge zwar meistens witzig, sie selbst habe das aber als unangenehm und belehrend empfunden. Meine Frage: „War die nicht schon in der Schule ironisch bis – fast – sarkastisch bei ihren
Redebeiträgen? Die gelassenen Reaktionen der Anderen, diese Bemerkungen eher unterhaltend zu finden, ist für meine Kollegin unverständlich. Ich kann mir schon vorstellen, dass diese Art Humor für manche Menschen irritierend, ja sogar verletzend sein kann. Wie können wir damit umgehen? Wir haben die Möglichkeit, das Gesagte zu überhören, es nicht persönlich zu nehmen oder als Reaktion übertrieben zu überzeichnen, um damit der anderen Person zu vermitteln, dass diese Aussagen für mich nicht passend sind.

 

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141. Episode aus meinem Leben – ungewöhnliche Gedanken

 

Episoden aus meinem Leben

141. Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel
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„Wir wissen, dass wir mit Religion ein gefährliches Gebiet berühren, das mit der Überkonfessionalität des Jugendrotkreuz nicht vereinbar zu sein scheint …“
„Unverständlich sind uns die Jungen, wird von den Alten beständig gesungen …“
„Der Nutzen von Auslandsbekanntschaften im Bezug auf unseren künftigen Beruf – Qomodo usus peregrinorum oficio nostro futuro prodesse possit“
„Unsere kurzgeschichte, di Inen zwar nicht di rechtschreibung der zukunft vorfüren kan und wil, di aber als versuchsbalon für di vereinfachung von deutschen rechtschreibregeln …“
„Schrille, falsche, scheußliche Töne, die unvermittelt abrissen. Der Pianist hatte sich eingebildet, das Konzert nur auf weißen Tasten spielen zu können – er war ein Neger …“

Das sind einige Zitate aus der „Stimme der Jugend“. Wir von der Jugend-Rot-Kreuz-Gruppe „Jugend der Tat“ befassen uns dort 1961 mit den unterschiedlichsten Themen, die junge Menschen interessieren oder zumindest ansprechen könnten:
„Wir 13 Burschen sind jung und unerfahren, doch haben wir noch unverbrauchten Idealismus …“

Ich maturiere, trete als Novize in den Orden der Serviten ein und schreibe nach drei Jahren unserer JRK-Zeitung:
„Werte Leser! Ihr habt einmal die ‚Stimme der Jugend‘ bezogen. Sie existiert nicht mehr. Schuld daran ist meine Überzeugung, dass deren Inhalt an der Hauptsache eigentlich vorbeiging: der religiösen Ausrichtung, also dem Denken an die Ewigkeit. Ich erwog, dass das Jugendrotkreuz, das die Patronanz an unserem Unternehmen übernommen hat, nur am Rande davon handeln kann, weil es u.a. auch eine – an sich begrüßenswerte – internationale Einigung auf humanitären Grundsätzen anstrebt. – P.S.: Aufgrund Ihrer Zahlung für die „Stimme der Jugend“ bekommen Sie noch … Hefte „Leben mit dem Tod“ zugesandt.“

Stimme der Jugend Leben mit dem Tod
In dieser neuen Zeitschrift, die ich mitbegründet habe, sind dann Zitate wie diese zu lesen:
„Der Mensch braucht den Tod, denn er ist nicht nur Strafe, er ist auch eine Barmherzigkeit Gottes.“
„Ich glaube, dass es des Menschen Auftrag ist, Unaussprechliches hinauszuschreien und Unmögliches zu vollbringen. Bitte gewähre mir diese Überzeugung als Rechtfertigung, dass ich Dich angesprochen habe.“ (vom „Bruder“ als Autor zum „Bruder“  im Titel)
„Mehr als den Krieg fürchten wir den Frieden, wie die Welt ihn meint. Dieser Friede ist nämlich – schlicht gesagt – nichts anderes als der Versuch Satans, sich Deinen Augen zu verbergen, indem er Dir die Erde als Heimat aufschwätzt, Dir, der Du nur Ruhe findest in der Liebe Deines Richters und Erlösers.“
„Der Mann ist Verwahrer der Wahrheit, wie die Frau Verwahrerin des Lebens ist. Damit ist der Mann, dem die Frau sein Leben geschenkt hat, irgendwie zum Mittler geworden zwischen der Frau und der Wahrheit. Damit ist aber auch der Mann zum Mittelpunkt der Gerechtigkeit auf Erden geworden.“
Mir blieben und bleiben die Worte ein Rätsel und ihre Entzifferung beanspruchen meine Ganglien immens und oft ohne Erfolg.
Bald wird mir klar, dass weder Stil noch Inhalt dieses Periodikums meinen Vorstellungen entsprechen. Meine Schreibweise ist erdverbunden, die Inhalte sind  wirklichkeitsnah. Ich kann nur froh sein, dass mir, dem Novizen in Vorbereitung auf die Ordens-Gelübde von Armut, Keuschheit und in diesem Fall vor allem Gehorsam, verbietet, mich dabei aktiv zu engagieren. Ich stelle also nur die Klosteradresse für die Registrierung dieses Organs von Exponenten der katholischen Hochschülerschaft zur Verfügung, schreibe dort jedoch nie ein einziges Wort.
Jetzt, 55 Jahre später, lese ich meinen Brief an die Bezieher der „Stimme der Jugend“ von damals noch einmal durch. Dabei überkommt mich die Scham für meine Naivität von damals, als ich tatsächlich glaubte, „Leben mit dem Tod“ könnte den Leserkreis von „Stimme der Jugend“ interessieren. Welche Arroganz!
Aktuell interessiert mich, was aus den damals 22/23-jährigen Studenten geworden ist. Ich nehme das Impressum, wo die (sonst anonymisierten) Namen der Redakteure stehen und durchstöbere das Internet. Ich finde dort fast jeden von ihnen. Alle haben Karriere gemacht als Fachärzte mit speziellen Schwerpunkten, juridische und theologische Universitätsprofessoren, priesterliche Ordensgründer, SOS-Kinderdorf-Proponenten, Pfarrgemeinderats-Mitglieder, Genealogie-Fachmänner  … Bei solcher Weiterentwicklung sind sie also offensichtlich ihrer jugendlichen Mission als hochtalentierte, verantwortungsbewusste, tief gläubige Katholiken getreu geblieben.

Ich hingegen habe meinen Weg von damals komplett verlassen und kann mir jetzt – Jahre nach Johanna Dohnal – nicht vorstellen, warum da auch geschrieben steht: „Die Ehe ist kein Geschäft nach dem fifty/fifty-Prinzip. Das Wesen der Ehe ist nicht die Partnerschaft, sondern das Einssein in der Liebe.“ Jetzt versuche ich diese Passage erstmals für mich zu übersetzen: „Die Ehe ist ein Zusammenleben zweier Menschen, wobei der Mann bestimmt und die Frau ihm untertan ist.
Liest man die Texte von „Leben mit dem Tod“ nicht nur auszugsweise sondern zur Gänze, werden die gedanklichen Vorstellungen der damaligen Personen freilich konkreter vermittelt.

Anstatt mich weiterhin mit „Leben mit dem Tod“ abzugeben, rief ich damals im Rahmen des Serviten-Ordens die  klösterliche Publikation „der servit“ ins Leben. Dort schrieb ich neben funktionalen Statistiken zum Klosterleben auch viel teils für mich heute Unverständliches wie beispielsweise: „Weil ich angesehen bin, erfolgreich und gerecht, sogar ein Vorbild zu sein scheine, überlasse ich es der Gnade Gottes, die auch die Sünde zulässt, mir meine unbedeutende Stellung im Vorsehungsplan bewusst zu machen, die nur mit dem Mut zum Dienen bewältigt werden kann.“ – Was wollte ich denn damals damit ausdrücken? Der Servit

trainingskompetenz® aktuell 2019-4

Europawahl 26. Mai 2019


Wollen Sie meinungsbildend sein?
Seminar „wie sag ich’s“: Überzeugen in politischen Diskussionen am 2. Mai 2019

Ina Biechl

 

Ostern ist vorbei. Der Frühling hat begonnen und die warmen Sonnenstrahlen schenken uns Energien. Haben Sie Lust bei der einen oder anderen Weiterbildung dabei zu sein? Am 30. April bieten wir Humor als Kommunikationskompetenz für mehr fröhlichen Schwung im Arbeitsalltag. Humor ist sowohl für leitende als auch für alle anderen Personen gedacht, um entspannt und locker mit schwierigen Situationen umgehen zu können. Genauso stärkt das Seminar „Meinen Impulsen vertrauen“, ein sicheres Auftreten. Alle Termine finden Sie untenstehend. Für Menschen, die meine Arbeitsweise noch nicht persönlich kennen, biete ich am 9. Mai einen Schnupperworkshop an. Interesse?
Ich freue mich schon auf ein Wiedersehen oder Kennenlernen.

Mit herzlichen Grüßen
Ina Biechl

Termine:

30. April 2019 09.30 – 18.00 Uhr

Humor als Kommunikationskompetenz

2. Mai 2019 09.30 – 18.00 Uhr
Wie sag ich’s – überzeugen in politischen Diskussionen

9. Mai 2019 16.30 – 19.00 Uhr
Schnupperworkshop Gleichwürdige Kommunikation
inkl. Buch „Gleichwürdigkeit als Geheimnis von Trainingskompetenz“

13. Mai 2019 10.00 – 15.00 Uhr
Gender-Training
Genderkompetenz in der Erwachsenenbildung

15. + 16. Mai 2019 jeweils 09.30 – 18.00
Diversity-Training
Vielfalt als Chance – praktische Anregungen für leitende Personen

20. – 22. Mai 2019 jeweils 09.30 – 18.00
Meinen Impulsen vertrauen
Selbstverständnis und Kommunikation für leitende Personen

29. Mai 2019 18.30 – 21.00 Uhr
„Stammtisch“ für alle Interessierten zum Austauschen von Erfahrungen, Diskutieren und Netzwerken
kostenfrei, Anmeldung erbeten.

Wir freuen uns über jede Kontaktnahme!

Ina Biechl und Team

P.S.: Das Institut Ina Biechl ist jetzt auch auf Facebook vertreten.

 

trainingskompetenz

 

Weiterleiten von trainingskompetenz aktuell ist erwünscht.

140. Episode aus meinem Leben – Ahnenforschung

140. Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

 

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Matrikeln
Matrikeln zu Johann Berger *1856

 

Als ich auf die Welt komme, sind meine Großeltern bereits alle verstorben. Bei meinen Großmüttern weiß ich nicht einmal wann. Mit der frei verfügbaren Zeit zu Beginn meines Ruhestandes überkommt mich als 65-Jährigen das Interesse an meinen Vorfahren. Im Tiroler Landesarchiv finde ich Matrikeln, das sind Kirchenbücher ab dem 16. Jahrhundert, die in der Jetzt-Zeit durch öffentliche Personenstands-Verzeichnisse ersetzt werden. Ich lasse mir dort Mikrofilme zu meiner Familie kopieren, zeichne mir die daraus gewonnenen Daten auf und entwickle daraus einen Stammbaum.
Ich bin sehr beharrlich und forsche an allen verfügbaren Stellen, wie in der Nationalbibliothek und vor allem im Internet, wo ich 2010 bei Ancestry, vielen anderen genealogischen Plattformen und schließlich MyHeritage lande. Erfolgreich arbeite mich bis zurück ins siebzehnte Jahrhundert und nach Mähren, wohin mich der Familienname meiner Mutter ‚Berger‘ führt.

 

Berger_Wappen Der zweite Prager Fenstersturz im benachbarten Böhmen passiert im Jahr 1618 und ist der Beginn des Dreißigjährigen Krieges. Der ist auch eine Zäsur im Leben meiner Vorfahren, wie ich bei weiteren Nachforschungen entdecke. Vor diesen Umwälzungen hießen diese nämlich nicht nur Berger sondern ‚Berger z Bergu‘, waren also adelig. Ab diesem Moment wird es noch interessanter für mich. Mein Eifer wächst, die Entdeckungen überschlagen sich und die Jahre, die ich auf die Ahnenforschung verwende, werden mehr.

 

Zunächst ist mir nicht klar, wie weit zurück mich das führen kann. Aber je intensiver und hartnäckiger ich ermittle, desto mehr Daten erschließen sich mir. Ich komme mit dem Namen meiner Mutter bis zurück ins 15. Jahrhundert, bis 1470. Da ist aus. Ist da wirklich aus?
Bis jetzt habe ich nur die männliche Linie verfolgt. Erst 2013 bemerke ich, dass ein Berger z Bergu 1590 eine Kateřina ze Zástřizl von der Burg Buchlov heiratetete. Das Schloss Buchlov ist unter dem Namen Buchlowitz bis heute erhalten. Die jahrhundertealte Dynastie der Zástřizls führt bis zirka 1350 zurück, als aus dem Herzogtum Sachsen-Wittenberg das Kurfürstentum Sachsen entsteht. Was will ich mehr?

 

Schloss Buchlov
Burg Buchlov bei der Königsstadt Uherské Hradište.

 

Trotzdem oder gerade deshalb begebe ich mich auf neue Suche. Wieso soll es mir nicht zum zweiten Mal gelingen, über die weibliche Linie weiter zu kommen? Die Mutter der Kateřina ist eine Drnovský z Drnovic, ein Geschlecht, das ich dann wieder bis zu Jindrich, geboren im Jahr 1280, zurückverfolgen kann. Er ist verheiratet mit Anka aus der sehr bekannten Familie z Kunštátu, Herren der ebenfalls noch erhaltenen Burg Boskovic. Er ist in meiner 20. Generation oder mein 17-facher Urgroßvater. So klar wird das auf der Internetplattform dargestellt. Wer kann das von sich behaupten?
Ich bin begeistert. Wir schreiben mittlerweile bereits 2017, aber mein Engagement ist nicht erloschen. Ich komme zu den Grafen von Plain Hardegg, ursprünglich eingewandert aus Frankreich, und Monate später zu den preussischen Ballenstedts und den sächsischen Markgrafen von der Lausitz bis zu Wittekind von Wettin. Er ist 795 geboren und König der Sachsen.

 

In weiterer Reihenfolge erreiche ich König Hengest, König von Sachsen und durch Heirat von 455 bis 488 auch King of Kent, dem angel-sächsischen Königreich. Ob die weiteren Vorfahren bis zu König Harderich, geboren im Jahr 111 vor Christus, reichen oder nicht? Ob es drei Generationen davor noch König Anserich gab? Wer weiß es?
Meine Freude über das Erreichte ist groß, sollte es auch nicht in allen Details den Tatsachen entsprechen.
Die Sehnsucht, Näheres über die zu meinen Lebzeiten bereits verstorbenen Großeltern zu erfahren, hat sich erfüllt.
Kent_Wappen
Wappen vom Königreich Kent
kostenfrei

139. Episode aus meinem Leben – Tanzeifer

 

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Mit siebenundvierzig Jahren lerne ich 1989 in einem Diätheim in Pfarrkirchen eine hinreißende Frau kennen, die aufmerksam zuhört, als mich eine Kursteilnehmerin fragt: „Tanzen Sie?“ Sie betrachtet mich auch sehr interessiert, als ich wahrheitsgemäß antworte: „Ja gerne, aber ich kann es nicht!“

Wir kommen uns näher und fahren gemeinsam von Oberösterreich zurück nach Wien. Als wir dort spazieren gehen, ermutigt mich mein Schatz zum gemeinsamen Bewegen in musikalischem Rhythmus: „Trau Dich doch!“ Wir kennen uns jetzt ein Monat und fast so lang sind wir ein verliebtes Paar. Gerne komme ich dieser Aufforderung ohne Umstände nach. Es ist ganz neu für mich und gerade deshalb auch so verlockend.

 

Liebespaar Runder

 

Es wird ein „Runder“. Was anderes kann ich nicht. Im Kloster war Tanzen kein Thema. Es gab keine Gelegenheit dazu, es war verboten. In meiner ersten Ehe war es nicht willkommen, es war tabu. Das ist subtiler, aber nicht weniger effizient als ein Verbot. Ich bin also völlig unbedarft und scheue mich vor jeder Anstrengung in dieser Richtung. Diese Tatsachen verwende ich als Argumente gegen das entschlossene Ansinnen meiner neuen, bereits lieb gewonnenen Partnerin: „Du bist doch einverstanden, dass wir das ändern?“

Es ändert sich. Wir besuchen eine Tanzschule nach der anderen. Wir lernen Disko-Fox, Walzer langsam und schnell, Tango und Paso Doble, Cha-Cha-Cha und Rumba, Foxtrott und auch Boogie-Woogie. Bevor ich noch die Namen der Tänze intus habe, lerne ich schon die Grundschritte dafür. Das schaffe ich mit der Zeit und viel Eifer tatsächlich, aber nur deshalb, weil meine aufopfernde Partnerin mich führt. Ich ‚errate‘ nämlich nie den richtigen Zeitpunkt für den Einsatz. Auf der Basis des ‚Mich Führen Lassens‘ erlerne ich sogar manche Tanz-Figur, die mich als passablen Tänzer erscheinen lässt.

Aus Sympathie folgen wir dem uns zugeteilten Tanzlehrer, als er sich unter dem Namen ‚Tanzschule Eddy Franzen‘ selbständig macht. Das entstandene Nahe-Verhältnis nütze ich dazu, ihn mit Vehemenz davon abzuhalten, mich wie die anderen der Reihe nach mit wechselnden Partnerinnen tanzen zu lassen. Er lässt diese meine Eigenbrötelei zu und unterstützt mich sogar, indem er meine geliebte Gattin, zu der sie mittlerweile geworden ist, während einer Perfektions-Stunde ermahnt: „Warum führst Du nicht?“

Auf zwei Hochzeiten bei unserem Gebietsvertreter für Griechenland, zu denen wir beide geladen sind, wird salopp übergangen, dass ich – auf den jetzt die Augen gerichtet sind – beim Sirtaki nicht rechtzeitig einsetze.

 

Sirtaki

 

Ähnlich geht es mir bei Tanzveranstaltungen in unserer Firma, wo man mir vieles, so auch fehlendes Taktgefühl nachsieht. Bei der Hochzeit meiner Schwägerin, die wir in einem kärntnerischen Gasthaus feiern, ist ein solches überhaupt nicht erforderlich. Das beweist mir ihre Mutter, meine Schwiegermutter, indem sie mit uns allen genau vor mir sogar über die hölzernen Wirtshausbänke und -tische tanzt.

Unsere und damit auch meine Begeisterung am Tanzen zeigt sich auch bei der Hochzeit eines Freundespaars im Burgenland. Dort muss man uns Unermüdliche darauf hinweisen, dass wir das letzte Paar am Tanzboden sind und die Musik deswegen nicht aufhören kann. Wir hätten noch länger getanzt…

Als man Knorpelmasse in mein Knie einsetzt, gebe ich es hingegen auf, ‚mich im Kreis zu drehen‘. Ich kann und will es später auch nicht mehr. Aber im fortgeschrittenen Alter bin ich recht anfällig auf die unverhohlene Aufforderung meiner lieben Frau, die sie sehr einsichtsvoll äußert: „Da könnten wir doch unseren Einheitstanz tanzen!“ Ich bin wieder bei schwungvollen oder weniger schwungvollen ‚Runden‘ gelandet. Die aber tanze ich voll Lebensfreude.

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Ansichten & Einsichten 68 – Kollegiale Beratung

Ansichten & Einsichten 68 8. Apr. 2019 Weitere Beiträge

 

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Foto. Alexandra Grill

 

„Wenn man nicht genau weiß, wohin man will, landet man leicht dort, wo man gar nicht hin will.“ (R.F.Mager)
Um herauszufinden, welche Methoden oder Übungen in den verschiedenen Weiterbildungen geeignet sind, biete ich als Lehrtrainerin den Teilnehmenden die Methode „
kollegiale Beratung“ an. Jede Person tauscht sich mit jeder anderen Person in der Gruppe aus. Bei diesem angeleiteten Erfahrungsaustausch werden Fragen gestellt wie:
Was soll mit dieser Übung erreicht werden?
Für welche Situation oder Personen ist dieses Training gedacht?
Welche Erkenntnisse soll die spezielle Vorgangsweise ermöglichen?
Durch diese ausführlichen Diskussionen mit Anderen, die ganz unterschiedliche Blickwinkel und Sichtweisen haben, erkennen die Teilnehmenden rasch, ob die spezielle Übung für die gedachte Situation gut geeignet ist oder ob eine andere Methode oder Übung passender wäre. Es sollte dabei nicht nur auf das gehört werden, was gesagt wird, sondern auch darauf geachtet werden, was gemeint ist. Dabei werden viele kreative Ideen entwickelt und die Teilnehmenden erweitern damit ihr Repertoire an Methoden und Übungen. In veränderter Form kann ein solches Üben auch für firmeninterne Diskussionen eingesetzt werden.

Episoden aus meinem Leben – Gschaftlhuber

138. Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

 

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Facebook hat auch Vorteile.

Im Jahr 2005 rege ich als Betriebsrat meine Kolleginnen und Kollegen dazu an, das Blatt „Teamwork – Mondi-Betriebsrat“ herauszubringen. Einer  unserer Vorstände, CEO, sponsert nicht nur vierteljährlich das Papier (was ja in einer Papierfabrik nichts Außergewöhnliches darstellt), sondern auch den Farbdruck für zirka 1000 Exemplare.

Ende 2007 gehe ich in Pension, die ich jahrelang hauptsächlich genieße. Sieben Jahre später wird mir bewusst, dass die „Eigenbrötlerei“ bei meinem Hobby, der Ahnenforschung, neben einigen Unternehmungen für den Rest meines Lebens nicht reicht.

Ich erinnere mich, dass ich immer ein „Gschaftlhuber“ war und gerne an die Zeit anknüpfen möchte, als ich mit der Betriebsratzeitung die Kollegen nicht nur informiert, sondern auch unterhalten habe. Nach so vielen Jahren besteht auch keine Gefahr mehr, für zu anhänglich gehalten zu werden. Mit Hilfe von Facebook nehme ich mit der Crew von damals wieder Kontakt auf. Es gelingt ganz leicht und die Reaktionen sind sehr positiv. Ich freue mich sehr.

Unterbrochen durch eine krankheitsbedingte Pause steigere ich mich jetzt wieder spontan in diese selbst gewählte Aufgabe hinein. So oft ich Exkolleginnen oder Exkollegen auf Facebook finde, lade ich sie in die Gruppe „Neusiedler Teamwork“ ein, die nur für die aktuelle oder ehemalige Belegschaft von Mondi / Neusiedler zugänglich ist. Die Schar der Interessierten, die sich kontinuierlich vergrößert, fordere ich auf, sich bei der Gestaltung zu beteiligen. Viele erstellen eine Biographie über ihren Werdegang. Diese ihre Schilderung interessiert die meisten von uns. Sie gibt uns die Gelegenheit, spannende Details bei der Entwicklung ihrer Karriere oder in ihrem privaten Leben zu erfahren.

Wo es möglich ist, verwenden wir sowohl Deutsch als auch Englisch. Längere Berichte schreiben wir in der Muttersprache oder in Englisch, weil das eher von allen verstanden wird.

Ich versuche, aus meinem großen Repertoire, zusammengetragen im Zuge meiner Tätigkeit als Betriebsrat, das herauszukramen, was  die meisten ansprechen könnte: Gruppenfotos oder Porträts, die leider nur in recht unterschiedlicher Qualität vorhanden sind.

 

Neusiedler

 

Wo ich bei Facebook-Freunden erinnert werde oder mein Kalender mir Aufschluss gibt, gratuliert „Neusiedler Teamwork“. Brenzlig wird es, wo aus Unachtsamkeit einen Tag zu früh gratuliert wird, bedeutet es doch – im Speziellen bei unseren bundesdeutschen Freundinnen und Freunden – Nachteiliges für das bevorstehende Lebensjahr. Für mich als betagten Österreicher (junge sind von diesem Brauchtum schon infiziert) bedeutet das gar nichts. Was mir jedoch besonders peinlich ist, ist die Tatsache, dass ich einer Person sowohl unter ihrem Mädchennamen als auch unter ihrem Ehenamen gratuliert habe. Welch ein Fauxpas!

Aktuell gibt es in der Gruppe „Neusiedler Teamwork“ zirka 150 Mitglieder. Obwohl ich noch einige Gruppenfotos und Porträts zu publizieren habe, freue ich mich über jeden Beitrag der Anderen. Schließlich ist das der Zweck dieser Gruppe, die ich als Pensionist zwar problemloser aber nicht auf ewig betreuen kann.

Eines wird jedenfalls sichtbar: Facebook macht’s möglich.

Ansichten & Einsichten – übertriebene Reaktion

Ansichten & Einsichten 67 1. Apr.. 2019 Weitere Beiträge

 

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Foto. Alexandra Grill

 

Worum geht’s?
„Mir ist etwas sehr Peinliches passiert. Während einer Auseinandersetzung mit einem Kollegen bin ich regelrecht explodiert, was sonst gar nicht meine Art ist. Ich bin eher ruhig und verbindlich. Das darf mir nicht mehr passieren. Was kann ich tun?“
Wir versuchen nun gemeinsam, die Ursache des für die Kundin ungewöhnlichen Verhaltens herauszufinden. Gab es einen besonderen Anlass, einen persönlichen Widerstand beim besprochenen Thema aufzubauen? Hat der Kollege eine verstärkte Reaktion herausgefordert? Beim konkreteren Nachforschen, was der Auslöser hätte sein können, erinnert sich die Kundin auf Nachfrage an ähnliche Situationen, bei denen sie sich nicht ernst genommen und angegriffen gefühlt hatte. Ja: genau die gleiche Empfindung hat jetzt ihre übertriebene Reaktion ausgelöst. Diese früheren schweren Kränkungen haben die aktuelle Situation überdimensional verstärkt, sodass sie diese nicht mehr kontrollieren konnte. Ihre Erkenntnis für zukünftige ähnliche Situationen besteht darin, für sich zu klären, wodurch sie aufgrund früherer schlimmer Erfahrungen schwer verletzt werden kann. Wir erarbeiten nun gemeinsam persönliche Strategien, damit sie jeweils
prompt und sicher auf für sie schwierige Situationen reagieren kann.