Ansichten & Einsichten – übertriebene Reaktion

Ansichten & Einsichten 67 1. Apr.. 2019 Weitere Beiträge

 

In den kurzen Beiträgen
geht es um praktische
Beispiele aus dem Alltag

einer Beraterin und Trainerin über erlebte Missverständnisse und schwierige Situationen. Hier gebe ich konkrete Anregungen für Verhaltensmöglichkeiten, wie mit Respekt, Wertschätzung, Humor und (angeleitetem) Erfahrungsaustausch einfühlsame Kommunikation und konstruktive Intervention möglich sind.

Über Ergänzungen und diskussionsfreudigen Austausch freue ich mich jetzt schon!

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sollen, bitte entsprechend anmerken!

Wie sag ich’s?
Für ein konstruktives Miteinander!

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Foto. Alexandra Grill

 

Worum geht’s?
„Mir ist etwas sehr Peinliches passiert. Während einer Auseinandersetzung mit einem Kollegen bin ich regelrecht explodiert, was sonst gar nicht meine Art ist. Ich bin eher ruhig und verbindlich. Das darf mir nicht mehr passieren. Was kann ich tun?“
Wir versuchen nun gemeinsam, die Ursache des für die Kundin ungewöhnlichen Verhaltens herauszufinden. Gab es einen besonderen Anlass, einen persönlichen Widerstand beim besprochenen Thema aufzubauen? Hat der Kollege eine verstärkte Reaktion herausgefordert? Beim konkreteren Nachforschen, was der Auslöser hätte sein können, erinnert sich die Kundin auf Nachfrage an ähnliche Situationen, bei denen sie sich nicht ernst genommen und angegriffen gefühlt hatte. Ja: genau die gleiche Empfindung hat jetzt ihre übertriebene Reaktion ausgelöst. Diese früheren schweren Kränkungen haben die aktuelle Situation überdimensional verstärkt, sodass sie diese nicht mehr kontrollieren konnte. Ihre Erkenntnis für zukünftige ähnliche Situationen besteht darin, für sich zu klären, wodurch sie aufgrund früherer schlimmer Erfahrungen schwer verletzt werden kann. Wir erarbeiten nun gemeinsam persönliche Strategien, damit sie jeweils
prompt und sicher auf für sie schwierige Situationen reagieren kann.

Episode aus meinem Leben – wie ich alt werde

 

Episoden aus meinem Leben

137. Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel
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Der Morgen einer Person in meinem Alter und in meiner Verfassung beginnt mit einer schwungvollen Gewichtsverlagerung aus dem Bett. Vorher schaue ich noch den Dehn- und Streckübungen meiner Frau zu, ohne mitzumachen. Ich genieße das Privileg, den Zeitpunkt meines Aufstehens frei wählen zu können. Er liegt zwischen halb sieben und halb acht Uhr. Die Einnahme der Medikamente, die ich häufchenweise zu mir nehme, richtet sich danach.

Zum Ausgleich für die Zubereitung des Mittagessens durch meine Frau, das Erfahrung und Kreativität verlangt, richte ich ohne viel Aufwand ganz automatisch das Frühstück. Es bleibt mir daher nur die Zeit für das Lesen der interessantesten Teile einer Zeitung beim Schlürfen des Kaffees, während meine Frau fünf Zeitungen liest und immer noch Gelegenheit findet, mir zwischendurch Teile davon vorzulesen.

Danach setze ich mich erwartungsvoll und mit großem Vergnügen hinter meinen Mac, lese E-Mails und Nachrichten aus den Social Media. Da ich dort viele Initiativen setze, kann ich auch viele Rückmeldungen genießen.

Manchmal lasse ich mich dazu bewegen, zusammen mit meiner Frau einen Spaziergang für die körperliche Ertüchtigung zu unternehmen. Der Unterschied in Alter und Gewicht lassen mich schlecht aussehen. Nicht nur dass ich manchmal eine Parkbank brauche, taumle ich auch durch die Gegend, als ob ich betrunken wäre. Aber von Bitter Lemon allein kann das nicht kommen. Die Ärzte kramen bei solchen Gelegenheiten immer wieder lateinische oder griechische Fachausdrücke hervor wie in diesem Fall Polyneuropathie. So etwas steht mir in meinem Alter eben zu.

Zurückgekehrt setze ich mich wieder voller Elan vor meinen Computer. Ich senke meinen Kopf so tief, damit ich Inhalte wahrnehmen kann, die nicht vom Bildschirm, sondern von meinem Erinnerungsvermögen kommen. Dann beginne ich eifrig zu schreiben. Es gilt, die Anfangsschwierigkeiten zu überwinden. Sobald ich das tatsächlich geschafft habe, lösche ich fast immer den ersten Absatz aus meiner neuen Geschichte. Anschließend foltere ich die Tastatur, bis zumindest ein Teil des geplanten Ganzen fertig ist. Beim Verfassen hilft mir die Erinnerung an meine früheren Taten und Untaten. Die unmittelbar vergangenen sind meinem Gedächtnis ohnehin leider oder zum Glück entronnen.

Um die Mittagszeit werde ich von meiner Frau mit dem Standardsatz „du kannst schon Händewaschen“ zum Essen geladen. Das ist meist eine willkommene, manchmal jedoch auch eine unliebsame Unterbrechung. Genießen tu ich das Mittagsmahl immer, denn meine geliebte Frau hat die Kochkünste meiner Schwiegermutter nicht vergessen, sondern vervollkommnet.

Wenn mir dann jedoch beim Abräumen des Tisches etwas hinunter fällt, stellt das schon ein Problem für mich dar. Das Bücken ist mit großer Anstrengung verbunden, sodass ich es manchmal durch Niederknien ersetzen muss. Und zum Aufstehen brauche ich jedenfalls einen festen Halt.

Sobald ich endlich die aktuelle Episode aus meinem Leben fertig habe, ist sie noch nicht fertig. Das Lektorat meiner Frau erfordert noch viel Nachdenken meinerseits, gibt mir jedoch auch eine gewisse Sicherheit.

Egon Poet
Ist das Opus „druckreif“, setze ich mich wieder an den Computer, diesmal an den Windows-Laptop, weil sich dort das Programm zum Hochladen und Veröffentlichen des Geschriebenen befindet. Oft benütze ich auch die Gelegenheit, Fotos oder Nachrichten in der Facebook-Gruppe mit meinen Ex-Kolleginnen und-Kollegen zu integrieren. Alternativ vergnüge ich mich im Kreise von Freunden mit dem Kartenspiel Whist, das fast jedem die Chance einräumt zu gewinnen.

Mit viel Gelassenheit beende ich den Tag fast immer vor dem Fernseher. Meistens vergesse ich dabei, wie ich schon so bin, die Computerbrille mit der Gleitsichtbrille zu tauschen. Meine Kopfhörer, die die Ohren meiner Frau und unserer Nachbarn vor einem zu hohen Geräuschpegel schonen sollen, rennen mir auch nicht nach. Die unvermeidlichen Medikamente vergesse ich nur in absoluten Ausnahmefällen. Dazu bin ich viel zu lebensfroh, will ich doch auch am Tag danach wieder schwungvoll mein beachtliches Gewicht aus dem Bett in eine aufrechte Stellung verlagern.

Ansichten & Einsichten – firmeninterne Konflikte

Ansichten & Einsichten 66 25. Mrz. 2019 Weitere Beiträge

 

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einer Beraterin und Trainerin über erlebte Missverständnisse und schwierige Situationen. Hier gebe ich konkrete Anregungen für Verhaltensmöglichkeiten, wie mit Respekt, Wertschätzung, Humor und (angeleitetem) Erfahrungsaustausch einfühlsame Kommunikation und konstruktive Intervention möglich sind.

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Wie sag ich’s?
Für ein konstruktives Miteinander

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„Geht’s jetzt endlich los?“

Ungeduldig fordert mich ein Teilnehmer eines firmeninternen Konflikt-Trainings auf, der Gruppe Lösungsvorschläge für das interne Problem anzubieten. Das bewegt mich, nicht nur diesem Teilnehmer, sondern der gesamten Gruppe meine Vorgangsweise konkreter zu erläutern.

Bei Gruppentrainings muss ich als Trainerin darauf achten, dass für alle Beteiligten angemessen Raum und Zeit vorhanden sind, damit von jeder Person das Fachwissen und der mögliche Beitrag für das Gelingen in der richtigen Bedeutung berücksichtigt werden. Für manche Teilnehmende „geht alles zu langsam“. Ich soll konkrete Lösungen anbieten.

Jede Gruppe ist ein Zusammentreffen verschiedener Individuen. Die Wahrnehmung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden ist die Voraussetzung für einen gelingenden Gruppenprozess. Die Bedürfnisse jeder Person in der Gruppe sind für mich gleich wichtig. Meine Rolle ist es, den Entscheidungsprozess der Konfliktlösung zu begleiten.

Begleiten heißt nicht, vorgeben oder vorschreiben. Mit Anregungen werden Blickwinkel und Sichtweisen erweitert. Mit Ermutigung und Zutrauen wird es möglich, sich auf Veränderungen einzulassen. Meine Aufgabe ist es, das Wesentliche zu erfassen und eine angemessene Begleitung für die individuelle Entwicklung zu bieten.

Der Kollege kann diese Vorgangsweise nachvollziehen und die Gruppe ist nun gerne bereit, sich auf die gemeinsame Arbeit einzulassen.

 

Episode aus meinem Leben – k. & k. Gerichtsbarkeit

Episoden aus meinem Leben

136. Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel
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Gerichts-Saal
Ich liebe Betriebsausflüge, in der wir Angestellte der Wiener Niederlassung unserer Firma einander besser kennen lernen und näher kommen können. 1997 im Renaissance-Schloss Greillenstein im Bezirk Horn wird für uns neben den verschiedenen sportlichen Unternehmungen eine Gerichtsversammlung um das Jahr 1850 nachgestellt. In einem passend ausgestattete Gerichtssaal finden wir alle erforderlichen Utensilien wie Kruzifixe, Kerzen, Tintenfässer und Federkiele. Zum Anziehen erhalten wir historische Kostüme, insbesondere richterliche Roben, Perücken und Barette für die Repräsentanten der Gerichtsbarkeit.

Den Richter oder Justitiar gibt Stefan, ich den Schreiber und Anton den Beisitzer. Wahllos suchen wir einen als ‚Inquisiten‘ oder Schuldigen aus unserer Kollegenschaft. Im Endeffekt wird Michael widerspruchslos dafür bestimmt. Zur ‚graviden‘ Magd, um die es geht, wird erst nach längeren Diskussionen Andrea ausgesucht.

Am Beginn der Gerichtsverhandlung wird die Anklage des Gutsherrn, der als Oberhaupt aller auf seinem Hof Bediensteten automatisch auch für deren leibliches Wohl sorgen muss, verlesen: „Der Knecht Michael hat die Magd Andrea geschwängert, ohne mit ihr kirchlich verheiratet zu sein. Damit will er die Verpflichtung, den Lebensunterhalt für sein Kind zu bezahlen, dem Gutsherrn aufbürden.“

Sofort bekomme ich als Protokoll-Schreiber viel zu tun. Der ‚vorarrestierte‘ Angeklagte wird befragt, wie er heiße, welcher Religion er angehöre, ob er vermählt oder ‚einschichtig‘ sei und wie alt er wäre; von ‚wannen‘ er gebürtig sei und wer seine ‚Erzeuger‘ wären. Interessant wird es, als der Richter ihn verhört, ob er wisse, wessen er angeklagt wäre. Er verneint und wird jetzt mit der ganzen Schwere seines Frevels konfrontiert. Ich schreibe mir die Finger wund.

Bevor der Richter von seiner vorrangigen Position noch das Wort  ergreifen kann, mischt sich der Pfarrer, die hier unwidersprochene Respektsperson ein: „Hier in einem katholischen Land zählt es zu den Todsünden, das Gebot der Keuschheit zu missachten. Hat ‚er‘ tatsächlich dagegen verstoßen?“ Michael verneint vehement. Ohne darauf zu achten, beschuldigt ihn der örtliche Seelsorger, dass man protestantische Umtriebe vermuten müsse, wenn er es getan hätte.

Das Gericht distanziert sich von der moralischen Instanz und befragt Andrea die Magd, von wem sie schwanger sei. Kleinlaut antwortet sie, ihrer eigenen Schuld bewusst, dass es tatsächlich der Angeklagte gewesen wäre. Jetzt werden der Reihe nach alle Anwesenden am Geschehen beteiligten Beteiligten befragt. So lässt Beatrix, die Wirtin des Dorf-Gasthauses, wissen, dass Michael bei der ‚Zecherei‘ mit Bier und Wein mehrmals geprahlt hätte, öfter mit unzweideutiger Absicht in Andreas Kammer gewesen zu sein.

Im Anschluss an die Befragung von rund zehn ‚Testimonen‘, die über detaillierte Feinheiten Bescheid wissen sollten, und nach etwa eineinhalb Stunden ‚exkulpierte‘ sich Michael, der ‚Maleficant‘, damit, dass er von der reizenden Andrea, die sich jetzt in anderen Umständen befindet, verführt worden wäre; sie hätte absichtlich ihren Busen vor ihm entblößt.

Wir lachen über die schauspielerischen Nuancen unserer individuell gestalteten Aufführung der mittelalterlichen Gerichtsversammlung und haben auch Spaß an den unterschiedlichen Auffassungen, was als schändliches Delikt zu werten ist und was nicht.

Was hat sich alles verändert seit der kaiserlichen Entschließung zur österreichischen Gerichtsbarkeit von 1849! Wie wird das wohl in weiteren 150 Jahren sein? Wird man ähnlich amüsiert über unsere Gerichtsbarkeit von 2019 (oder gar 1997) lächeln?

Ansichten & Einsichten – Meinen Impulsen vertrauen

 

Ansichten & Einsichten 65 18. Mrz.. 2019 Weitere Beiträge

 

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Beispiele aus dem Alltag

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Wie sag ich’s?
Für ein konstruktives Miteinander!

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Worum geht’s?
Ich habe eine neue Stellung als Führungskraft angetreten und fühle mich noch unsicher. Ich spüre die Erwartungen der Mitarbeitenden, weiß aber nicht genau, wie ich mich verhalten soll.
Wir klären nun gemeinsam, worin diese Unsicherheit besteht: einerseits sind die „informellen Regeln“ in dieser Organisation noch nicht erkennbar und andererseits fehlt die Erfahrung in einer Führungsposition.
Wie es der Kunde richtig einschätzt, ist wichtig, auf Bedürfnisse und Erwartungen zu achten. Genauso wichtig ist es, wie andere kompetente leitende Persönlichkeiten mit den eigenen Empfindungen bewusst umzugehen. Personen in einer Führungsposition brauchen Selbstbewusstsein. Das bedeutet, dass sie alle ihre Fähigkeiten und Möglichkeiten kennen und dadurch gelassen agieren. Diese innere Sicherheit wird durch äußere Klarheit sichtbar. So kann eine Führungskraft offen und ehrlich kommunizieren und authentisch sein. Das ist glaubwürdig und daher annehmbar. Als kompetente leitende Personen nehmen wir die Befindlichkeiten Anderer ernst, beziehen sie aber nicht auf uns persönlich. So können wir jede noch so schwierige Situation meistern.
Meine Anregung:
den eigenen – ersten – Impulsen, also im Unterbewusstsein gespeicherten Erfahrungen, zu vertrauen. Dieses Authentisch-Sein ist die Individualität, in der wir uns von Einflüssen Anderer abgrenzen können. So fühlen wir uns sicher und vermitteln Klarheit und damit Sicherheit für die Mitarbeitenden. Hilfreich ist dabei immer, anschließend zu reflektieren, welche Erfahrungen und welches Wissen diesen Impuls begründet haben.

Nächstes Seminar „Meinen Impulsen vertrauen“

Episode aus meinem Leben – Ehe mit Schwierigkeiten

135 Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

 

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Ich schaffe den Spagat zwischen meinem Kloster- und meinem Eheleben nicht.
Ich bin befreit von den Zwängen eines Lebens im Kloster. Ich lege mein Ordenskleid ab und damit die Verpflichtung zu Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam. Bis jetzt haben die Oberen des Ordens die Regeln für jede Situation in meinem Leben vorgegeben, jetzt darf ich alles allein bestimmen, ohne auf irgend jemand hören zu müssen.
Im Beruf habe ich freilich Vorgesetzte, die bestimmen was unsere gemeinsamen Ziele sind und wie wir sie erreichen sollen. Solche Vorschriften kenne ich zur Genüge, besser als andere. Hier fühle ich mich zu Hause, brauche nicht viel umzulernen.
Braut

Die Freiheit in den essentiellen Belangen des Lebens stellt mich allerdings vor Probleme. Ich bin nicht mehr gebunden, den Tageslauf minutiös einzuhalten. Man kann mich nicht mehr widerspruchslos an einen anderen Ort versetzen. Ich kann flirten mit wem ich will, ohne schlimme Folgen befürchten zu müssen. Aber wer sagt mir, wo ich wohnen soll, was ich essen und trinken soll, wie ich mich anziehen soll. Ich habe niemanden, der mich instruiert, wie ich mit Unsicherheiten umgehen soll.
Prompt komme ich in eine Situation, die mir absolut fremd ist. Früher haben sich Frauen für mich interessiert, weil ich durch mein Ordensgewand eine Herausforderung war: „Kann ich bei einem Mann, der sich dem Zölibat verpflichtet hat, im Gegensatz zu anderen doch etwas erreichen?“ Jetzt treffe ich eine Frau, die meinen Ehrgeiz herausfordert: „Kann ich bei ihr erreichen, dass sie sich für mich interessiert?“
Es gelingt mir. Aber wie geht es weiter. Es gibt niemanden, an den ich mich vertrauensvoll wenden könnte. Ich stolpere hinein in dieses Abenteuer. Manchmal fühle ich mich von meinem Draufgängertum überfordert. Alles ist neu für mich. Ich habe keinerlei Erfahrung in solchen Belangen. Ich will es nicht wahr haben, aber ich brauche Hilfe. Die Eltern sind gestorben, Geschwister hat es nie gegeben. In einem anderen Bundesland existiert zwar eine Tante, um Rat bitten möchte ich sie nicht. Bis vor acht Monaten gab es meinen verlässlichen Beichtvater, den Pater Magister, den Pater Prior, den Pater Provinzial und sogar den Pater General. Aber jetzt?
Beim Begräbnis ihres Vaters, den ich nie kennen gelernt habe, bin ich dabei. Danach will sie mit mir intim sein. Es ist mein allererster Geschlechtsverkehr.
Da es keine andere Möglichkeit gibt, mit dieser attraktiven Frau zusammenzuleben, ziehe ich zu ihr nach Wien. Alles Übrige ergibt sich von selbst. Ich werde von ihrer Mutter und ihrem Sohn aus erster Ehe herzlich willkommen geheißen. Der Neuling in der Wohngemeinschaft bleibe ich. Zum Arbeiten darf ich mir im Vorzimmer einen Tisch aufstellen, worüber ich sehr froh bin. Bald heiraten wir. Da ich relativ gut verdiene, erwartet meine Frau von mir die Finanzierung vieler notwendiger Investitionen und teilweise auch solcher, die hintan gestellt werden könnten. Ich nehme dafür Kredite auf. Wohl fühle ich mich dabei nicht, aber es gibt niemanden, von dem ich mir Rat holen könnte.
Der unvergessliche Lichtblick in unserer Beziehung ist die Geburt meiner Tochter. Ich, der zu lebenslanger Keuschheit verpflichtete und mittlerweile davon dispensierte Mönch, werde Vater. Meine Freude kennt keine Grenzen. Jetzt haben wir zwei Kinder.
An der Kreditspirale ändert das nichts. Die Armut bleibt mir trotz der Dispens von meinem Gelübde erhalten.
Zusehends verkümmert die emotionale Liebe zwischen meiner Frau und mir. Ich bin überfordert, einen Dialog zwischen uns aufzubauen. Ich weiß nicht, was ich tun kann, um diese Entwicklung einzubremsen. Einen Beichtvater, den ich fragen kann, habe ich nicht mehr. Das eheliche Zusammenleben nach einigen Jahren ist eben so, denke ich mir.
Auch die beiden Kinder leiden in dieser Situation. Sie stehen meiner Frau näher, ist sie doch außerhalb der Schulzeiten immer mit ihnen zusammen. Ich fühle mich aus dem Familienverband ausgegrenzt und sehe – unerfahren wie ich immer noch bin – keine Handhabe, dem entgegen zu wirken.
Ich beginne, mich von zu Hause fernzuhalten. Ich mache Überstunden, mehr als notwendig. Um den Vorwürfen meiner Frau zu entgehen, bleibe ich bis spät abends in einem Kaffeehaus.
Eine Kollegin erkennt meine niedergedrückte Stimmung und hilft mir bei ausführlichen Gesprächen, den Gedanken zu entwickeln, dass ich mit meiner Ehe Schluss machen kann und auch sollte.
Das wird zur Gewissheit, als ich auf einer Parkbank sitze und beim Nachdenken über meine Situation keine Luft mehr bekomme.

 

Hochzeit

 

kostenfrei

Episoden aus meinem Leben – Pensionierung

134 Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

 

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Zur Verabschiedung in die Pension erhalte ich von meinen Kolleginnen und Kollegen ein gebundenes Buch mit so vielen positiven Rückmeldungen über und an mich, dass ich jedes Mal gerührt bin, wenn ich es zur Hand nehme. Seit ich meine Splitter schreibe, blättere ich noch öfter darin. Aber je genauer ich lese und je mehr ich von den unvermeidlichen Komplimenten abstrahiere, desto öfter und besser erinnere ich mich an das Wesentliche bei der Beziehung zu den Einzelnen, mit denen ich im Laufe der 31 Jahre zusammengearbeitet habe. Das ist es, was mir verstohlene Tränen in die Augen treibt. Die tatsächlichen Ereignisse, von denen hin und wieder die Rede ist, heben manchmal mein Selbstbewusstsein, aber manchmal treiben sie mir auch die Schamröte ins Gesicht. Wie bin ich doch froh, dass mir niemand dabei zuschaut. Pensionierung

Da schreibt ein Kollege zum Beispiel: „Bei unserer Arbeit sind wir in mehreren Punkten eng verbunden gewesen. Eines der Themen war die ‚berüchtigte‘ Ladenhüterliste für Verpackungen. Mit deinem Ansatz, ‚freie‘ Verpackungen zu schaffen, wolltest Du den Diskussionen darüber entgehen – eine grandiose Idee, die wirklich viel gebracht hat.“ Ich freue mich über diese Anerkennung. Es war nämlich so, dass viele meiner Kunden keine großen Mengen bestellen konnten. Also kam es öfters vor, dass sie die Mindestmenge für eine eigene Verpackung, personifiziert mit ihrem Firmen- Logo, nicht erreichten. Daher mussten diese Ladenhüter schließlich vernichtet werden; verschwendetes Geld! Weil diese Kunden aber keine Verpackung mit Hersteller-Marken, sogenannte „Millbrands“ kaufen wollten, habe ich eine Reihe von „freien“ Emballagen bereitstellen lassen. Damit kann eine solche Verpackung exklusiv für einen Kunden in seinem eigenen Land verwendet werden. Wenn das auch nicht ideal war, aber für die Kunden hat es gepasst und für unsere Firma auch.Wenige Zeilen weiter in der Laudatio desselben Kollegen steht: „Legendär ist das ‚Pissoir-Abkommen‘. Unser Vorstandsdirektor und du seid euch einig geworden, 8.000 Tonnen Papier in 55 Gramm zu verkaufen. Die Neusiedler hatte ohnehin zu viel Papier auf Lager und Leykam Lieferprobleme. Oje, da habt ihr uns ganz schön reingeritten.“ Dazu muss man wissen: wir produzierten ungern und wenig Papier in einer Stärke von 60 Gramm. Je geringer die Grammatur, desto empfindlicher die Papierbahn. Das dünnere Papier verursacht mehr Abrisse in der Papiermaschine. Das Papier muss verkollert, vernichtet werden, was Zeit und Geld kostet. Diese Abrisse bringen auch viel unnötige und unangenehme Arbeit für die Schichtarbeiter mit sich. Bei 55-grammigem Papier potenzieren sich diese Effekte. Wer konnte mich, den Betriebsrat, da noch liebhaben außer der Vorstandsdirektor?Wir wissen: es ist nicht alles Gold, was glänzt. In diesen Erinnerungen gibt es noch viele Elemente, die nur einer der beiden Kategorien zuzuordnen sind. Ein Satz wie „Du warst immer hilfsbereit und dennoch hartnäckig, um in der Sache weiterzukommen.“ bringt die Momente wieder, in denen ich gerührt bin und verstohlen …

Ansichten & Einsichten – mich kennen lernen

Ansichten & Einsichten 63 4. Mrz.. 2019 Weitere Beiträge

 

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Worum geht’s?
Ich möchte etwas verändern, weiß aber nicht was und wie.
In einem ausführlichen Gespräch finden wir heraus, dass die Kundin ihre eigenen Lebenserfahrungen – noch – nicht reflektiert hat. Wir suchen nun gemeinsam nach Klarheit unter dem Motto: mich kennen lernen. Mit Informationen über die Entwicklung eines Menschen und mit Fragen an die Kundin versuche ich, sie zu unterstützen.
Die Persönlichkeit entwickelt sich schon ab der Kindheit. Welche Begabungen habe ich und welche Chancen stehen mir zum Zeitpunkt der Geburt zur Verfügung? Wie erlebe ich Sicherheit in der Kindheitsumgebung? Wie nehme ich mich über Rückmeldungen meiner Umgebung wahr. Gibt es neben Geborgenheit auch soziale Anerkennung? Kann ich viele unterschiedliche Erfahrungen machen? Werde ich ermutigt? Gibt es Zutrauen in die Realisierbarkeit meiner Fähigkeiten? Wie erlebe ich meine Eltern und andere Personen als Vorbilder für meine Haltung und meine Lebensgestaltung? Das alles und noch vieles mehr macht mein Wesen aus. So erkenne ich die Schwächen, Stärken und Besonderheiten meiner Persönlichkeit.

 

Für mich war bewegend, dass dieses Coaching große Zufriedenheit bei der Kundin auslöste:„Jetzt kenne ich mich und mag mich so wie ich bin. Ich brauche nichts zu verändern.“

Für Interessierte ein Buchtipp zum Thema: „Das passende Leben“ von Remo H. Largo – was unsere Individualität ausmacht und wie wir sie leben können.

Remo H. Largo

Ansichten & Einsichten – Zeitvorgabe

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Coachperson
Foto: Alexandra Grill

 

Ansichten & Einsichten 62

 

„Wie viel Zeit haben wir?“
Das ist oft die Frage an mich, wenn ich eine Übung in kleinen Gruppen anrege. Manche Teilnehmende sind dann irritiert, wenn ich meine: „Soviel Zeit sie benötigen“. Üblicherweise gibt es in Seminaren eine klare
Zeitvorgabe für Diskussionsrunden. Für mich ist angeleiteter Erfahrungsaustausch während eines Kommunikationstrainings eine wichtige Ergänzung, um unterschiedliche Erfahrungen und Blickwinkel sichtbar und spürbar zu machen. Für eine entspannte Arbeitssituation scheint mir eine Zeitvorgabe hinderlich. Warum? Am Beginn einer Kleingruppenarbeit müssen sich die Teilnehmenden erst einstimmen und zwar nicht nur auf das Thema, sondern auch auf die Personen. Das bedeutet, dass es einige Zeit braucht, eine gemeinsame Vorgangsweise zu finden. Meine Aufgabe ist es, dabei unterstützend zu sein. Ich löse den Zeitdruck dadurch, indem ich die Gruppen beobachte und notfalls Anregungen biete, wie vorgegangen werden kann. Wenn der Zeitrahmen, den ich für diese Übung vorgesehen habe, fast erreicht ist, frage ich in den Gruppen nach: „Wie viel Zeit brauchen Sie noch?“ Somit entsteht kein Stress, zu einem bestimmten Zeitpunkt ein Ergebnis zu erreichen. Gleichzeitig kann ich die von mir für diese Übung geplante Zeitspanne einhalten, ohne die Teilnehmenden dafür verantwortlich zu machen. Für mich hat sich herausgestellt, dass diese Art des Zeitmanagements allen Beteiligten zusagt.

Episoden aus meinem Leben – Scharia

Episoden aus meinem Leben

132 Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

 

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Scharia ist für uns nur ein exotisches Wort, welches ein wesensverschiedenes Rechtssystem betrifft. Jetzt lerne ich, was es tatsächlich bedeutet.

Ein junger sympathischer Mann stellt sich in unserer Firma vor. Sein Vorname ist Christian und deutet auf eine deutsche, womöglich katholische Mutter hin. Der Nachname hingegen verrät seine väterliche Herkunft. Alles das ist kein Thema beim Einstellungsgespräch als Vertreter für die Länder des Mittleren Ostens. Aufgrund seiner einschlägigen Qualitäten befürworte auch ich, ihn zu engagieren. Er ist dafür vorgesehen, mich als späterer Gebietsvertreter auf meinen Reisen in diese Länder zu begleiten.

Unsere Zusammenarbeit funktioniert ausgezeichnet. Wenn schon nicht unsere Kunden, so kennt er doch die Gegebenheiten in den arabischen Ländern bei weitem besser als ich. Bei unseren Abnehmern führe ich in ein. Ich erkläre ihm dazu die Vielfalt unserer Produkte. Er muss auch über die jeweiligen Preise Bescheid wissen. Die errechnen sich ja nicht nur aus den Herstellungskosten, sondern auch aus den vielen Varianten von Versandspesen, Zollabgaben und unterschiedlichen Zahlungskonditionen. Christian ist sehr lernfähig und begleitet mich oft auf meinen Reisen.

Unsere Zusammenarbeit entwickelt sich außerordentlich gut. Unsere berufliche Beziehung wird zur persönlichen Freundschaft. Wir treffen uns zusammen mit unseren Frauen, sodass ich mit ihm ein intensiveres Naheverhältnis als zu den meisten meiner Arbeitskollegen habe. Als meine Frau und ich zusammen mit meiner hochgeschätzten Schwiegermutter nach Zypern reisen, werden wir dort zu einem typisch arabischen Essen eingeladen, das meiner Frau zu exotisch ist, meiner Schwiegermutter und mir jedoch ausgezeichnet schmeckt.

Klar, dass Christian und seine Gattin bei den sechzig Gästen dabei sind, die wir zu meinem sechzigsten Geburtstag einladen. Bei dieser Gelegenheit bekomme ich viele Geschenke. Eines davon sticht besonders hervor: ein Kaftan für Scheichs. Er ist von Christian und seiner Ehefrau. Ich freue mich besonders und probiere ihn sofort aus.

Moussa_Monika Moussa_Christian
Scheich_Egon

Im Jahr 2000 übersiedeln die beiden von Zypern nach Dubai. Sechs Jahre später reist Monika zu einem Arzt in Wien. Aus diesem Anlass ruft Christian meine Frau an, Monika wäre krank und sie solle sich um sie kümmern. Das entspricht dem, was er auch Monika mitteilt. Warum er wirklich diese Maßnahme ergreift, stellt sich erst heraus, als er seiner Gattin am Telefon zu verstehen gibt, er ziehe mit einer anderen Partnerin in das neue Haus, das Monika gerade eben eingerichtet hatte, ein. Es hätte für sie keinen Zweck mehr, in die Vereinigten Arabischen Emirate zurückzukehren, weil für sie dort kein Platz mehr wäre. Er lässt sie auch wissen, dass er nicht gedenke, irgendwelche Unterhaltszahlungen zu leisten. Auf die Einlieferung in ein Krankenhaus angewiesen, muss sie zur Kenntnis nehmen, dass sie sich das nicht leisten kann, weil sie nämlich aufgrund der fehlenden Anmeldung in der Firma ihres Gatten in Österreich nicht krankenversichert ist.

Daraufhin klagt sie ihn hier in Österreich auf Scheidung. Obwohl er dazu nicht erscheint, wird er schuldig geschieden. Christian braucht sich darum nicht zu kümmern, befindet er sich doch in einem arabischen, fast ausschließlich islamischen Land. Dort gelten die Gesetze der Scharia und nicht die irgend eines anderen Staates.

 

Scheich_EgonMonika ist schockiert und verzweifelt. Trotz einer Unterstützung, die wir im Rahmen unserer Möglichkeiten anbieten, hat sie die Hoffnung, Christian wenigstens so weit umzustimmen, dass er sie in einer anderen seiner Immobilien wohnen lässt. Meine Frau rät ihr davon ab. Besitz wäre nicht alles. Sie solle doch alles hinter sich lassen und in Österreich bleiben. Monika entscheidet sich anders und fährt zurück nach Dubai. Die 20 Jahre, die sie mit Christian gelebt und als seine Frau die Firma mit aufgebaut hatte, sollen nicht umsonst gewesen sein und so enden.

Zurück in Dubai hat sie tatsächlich keine Unterkunft. Christian hat alle Schlösser ausgetauscht, die Kreditkarten gesperrt und ihr den Zugang zu den gemeinsamen Konten verweigert. Auch die Herausgabe ihrer persönlichen Sachen und Kleidung ist nicht durchzusetzen. Jetzt spürt sie dramatisch, wie frauenfeindlich arabische Gesetze sind. Der Ehemann muss nur dreimal vor dem Richter sagen „Du bist geschieden!“, dann ist die Ehe aufgelöst.

Christian bezahlt nichts und ist – gedeckt durch die Scharia, die ihm unzählige Einsprüche einräumt – zu keinerlei Entgegenkommen bereit. Monika wohnt bei einer Bekannten, auf die sie auch finanziell angewiesen ist. Ausreisen kann sie nicht mehr, weil ihr der Pass von Amts wegen entzogen worden war. Wegen mangelnden Geldes kann sie nicht einmal auf eine der Immobilien im Besitz von Christian klagen. Als Frau wäre sie, trotz gegenseitiger Beteuerung von Rechtsanwälten, ohnehin im Hintertreffen. Bald danach stirbt sie, ohne wieder in ihre Heimat zurückgekehrt zu sein.

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