128. Episode ais meinem Leben – Liebe wächst!

Episoden aus meinem Leben

128 Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

 

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Ich freue mich über jeden Titel oder Kommentar und über jede Person, die künftig die Splitter regelmäßig erhalten will. Bitte alles an: egon.biechl@drei.at senden. Kommentare nur für mich privat bitte als solche kennzeichnen.

 


Tanz Pfarrkirchen

 

Ich bin 47, war 15 Jahre im Kloster und habe eine gescheiterte Ehe von jetzt neunzehn Jahren hinter mir. Auf einer Kur zum Abnehmen im oberösterreichischen Pfarrkirchen lerne ich eine Frau kennen, die mir ab dem ersten Tag außerordentlich gut gefällt. Nach einem Spaziergang mit ihr bemerke ich, dass auch sie positiv von mir beeindruckt ist. Nach allen Erlebnissen in der Vergangenheit erlebe ich diesen Umstand als ein Gefühl, das ich nie mehr missen möchte. Ich frage mich also: Wie mache ich aus diesen Treffen eine fortdauernde Liebesbeziehung?

Da meine Gefühle erwidert werden, wächst meine Motivation und wandelt sich in Zuversicht, als ich die versandbereite Ankündigung ihrer „Entheiratung“ lese, und in Entzücken, als sie mir ein Exemplar gibt, auf dem der Satz „Jetzt, wo ich entheiratet bin.“ ersetzt ist durch „Jetzt, wo ich entheiratet und verliebt bin.“ Da steht auch ihre neue Adresse und die Aufforderung an mich, sie nicht zu vergessen. Ich empfinde das als ihr unmissverständliches Interesse an mir und bin beglückt über diese Situation.

Zuhause in Wien treffen wir uns, treffen uns ein zweites Mal und überhaupt… Briefe brauchen wir keine.

Allerdings reise ich viel. Unsere Kontakte werden seltener. Wir machen aus der Not eine Tugend. Wir kommunizieren schriftlich. Beispielsweise erhalte ich eine Grußkarte mit einem Flugzeug der Lufthansa auf der Vorderseite, adressiert an „Egon auf Reisen!“ mit dem Text: “ Ein schnelles Flugzeug wird Dich zurückbringen!!  Ich liebe Dich.“

Meine Geschäftsreisen häufen sich. Das ist der Anlass für sie, mir drei Monate später ihr Missfallen darüber „durch die Blume“ mit einem Gedicht von Erich Kästner mitzuteilen:

„Arbeit muss es quasi geben,
Denn der Mensch besteht aus Bauch,
Arbeit ist das halbe Leben
und die andere Hälfte auch.

Vieles tun heißt vieles leiden.
Lebt. so gut es geht, von Luft.
Arbeit lässt sich schlecht vermeiden –
doch wer schuftet, ist ein Schuft!“

Der Tenor all der fünfundfünfzig Liebesgrüße von ihr in den darauf folgenden sieben Jahren bleibt so herzlich wie zu Beginn. Nur der Wortlaut ändert sich, die phantasievolle Art der Vorderseite und die Adresse. Bei der Messe in Hannover genügt wegen der geringeren Entfernung und der längeren Aufenthaltsdauer ein Brief. Bei Fahrten nach Athen, Mailand, Riyadh oder Jeddah in Saudi Arabien, Dubai, Qatar, Oman, Damaskus oder Aleppo in Syrien oder nach Amman in Jordanien packt sie mir die Liebesgrüße in den Koffer oder schickt mir in Ausnahmefällen – es gibt noch keine E-Mails – ein Fax an das jeweilige Hotel. Ich rufe sie täglich an, sodass sie mir sagt, sie fühle sich mir näher, wenn ich auf Reisen und nicht zuhause bin.

1996 händigt sie mir persönlich einen Brief aus. Darin schreibt sie von Missverständnissen, nach deren Bewältigung wir einander näher kommen. Solche Themen werden jetzt auch über E-Mails „beschrieben“.

2001, fünf Jahre leidenschaftlicher Liebesbriefe später, kommt wieder ein längeres Schreiben. Das wird dann immer gefährlich! Jedenfalls hat es den Vorteil, dass wir den Wortlaut für Details genauer ausführen und – wir bedenken es zwar noch nicht so genau – die wichtigen Ereignisse uns auch später in Erinnerung rufen können.Wieder geht es um die Ablenkung durch die beruflichen Agenden. Sie weiß zwar, dass ich mich meinen beruflichen Verpflichtungen nicht entziehen kann, beharrt aber verständlicherweise auch auf ihrem persönlichen Standpunkt.

Weitere fünf Jahre danach, ebenfalls gefüllt mit liebevollen Nachrichten in unterschiedlicher Form, tritt wieder ein ähnliches Thema in den Vordergrund. Mir wird vorgehalten, dass ich besonders für meine Gattin alles das tue, was von  mir erwartet wird. Hinweis an mich: nicht meine Pflicht erfüllen, was mir oft gar nicht bewusst ist, sondern das Augenmerk auf meine eigenen Bedürfnisse lenken. Da ich nicht weiß, wie ich diesen Problemkreis allein bewältigen kann, beginne ich eine Therapie und halte vier Jahre durch. Das Warten, in einer Gruppe von zirka zwanzig Leidensgenossinnen und Leidensgenossen bei den periodischen Aufstellungen endlich auch Hauptperson zu sein, rechtfertigt diese meine Ausdauer. Im Endeffekt jedoch – so scheint wenigstens mir – bringt es nur Teilerfolge.

Der Fünf-Jahres-Abstand – wir schreiben 2011 – bleibt bestehen. Nach beidseitigen positiven Erinnerungen vor und nach meiner Pensionierung gewinnt die Betrachtung der Beziehung zwischen uns wieder an Aktualität, sodass wir sie in den Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit stellen. Unsere Achtsamkeit und unser Bemühen tragen Früchte. Wir sind nicht mehr verliebt ineinander. Wir lieben uns.

Wir sind jetzt kaum mehr voneinander getrennt, sodass wir alles mündlich besprechen können. Die Liebesbriefe finden sich bereits in unseren Mienen. Die Probleme behandeln wir mittlerweile wortreich ohne frankierte Grußkarten oder Briefe, Faxe oder E-Mails. 

127. Episode aus meinem Leben – Gerichtsverhandlung

Episoden aus meinem Leben

127 Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel

 

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Betriebsausflug

Im Dezember 1997 macht die Verkaufsabteilung der Firma Neusiedler einen Betriebsausflug ins Schloss Greillenstein bei Gars am Kamp in Niederösterreich. Meine Auslandsreisen teile ich so ein, dass ich bei solchen Anlässen immer dabei sein kann. Ich freue mich sehr, dass wir uns bei diesen Gelegenheiten abseits der alltäglichen Arbeit grundsätzlich prächtig unterhalten. Diese Zusammenkünfte sind nicht nur für unseren Chef, sondern auch für uns Betriebsräte eine willkommene Chance zur Förderung des guten Betriebsklimas. Schließlich ist das eine unseren wesentlichen Aufgaben. Solche Wochenenden schweißen uns eindrucksvoll zusammen.

Die Event-Manager hier in der Burg haben neben vielen anderen Attraktionen einen Sketch vorbereitet, der uns gut unterhalten und abenteuerlich ablaufen soll: eine Gerichtsverhandlung.

Mein Kollege Stefan ist der Richter, Toni der 1. Beisitzer und ich der Gerichts-Schreiber. Alle drei tragen wir eine dunkle Robe, mittelalterliche Perücken und Stefan dazu noch ein richterliches Barett und einen weißen Brustlatz. Ein Kruzifix hinter uns, brennende Kerzen vor uns am Richtertisch und ein Gänsekiel in meiner Griffweite vervollständigen die forensische Atmosphäre.

Der Gemeindediener führt den Angeklagten herein. Dieser Inquisit, Bauernsohn und Hoferbe, wird beschuldigt, die Magd eines Nachbarn geschwängert zu haben. Dafür wird er vom Bauer der Magd angeklagt. Der muss nämlich für die unehelich geborenen Kinder, die Kegel seines Gesindes, aufkommen, wachsen diese doch in der Großfamilie mit auf. Das will er sich nicht aufhalsen lassen.

Es ist die Aufgabe des Richters, durch Befragungen des Angeklagten die Wahrheit herauszufinden und ihn zu einem Geständnis zu veranlassen. Seine Ehren, die personifizierte Justiz in unserer Gemeinde, unser Stefan, fragt den Beschuldigten zunächst der guten Ordnung halber um seinen Namen. Dieser ist Johannes, seine Religion römisch katholisch, sein Alter 24 Jahre. Ob er sich bewusst sei, dass ein außerehelicher Verkehr strafbar ist. Johannes bejaht, meint aber gleichzeitig, dass er nicht der Übeltäter wäre. Er sei verlobt und seiner Künftigen treu.

Ui! Das verspricht, ein problematischer Fall zu werden. Ich bereite mich vor, ein ellenlanges Protokoll zu schreiben.

Ob er bei seinen Eltern wohne. Da das nicht der Fall ist, wird alles noch viel komplizierter. Wir glauben ihm nicht und lassen ihn daher arrestieren, bis der Fall aufgeklärt ist. Er wird gefragt, wo er sich aufhalte, wovon er sich ernähre und ob er bereits einmal angeklagt oder sogar eingekerkert gewesen sei.

Da er den Unschuldigen spielt, müssen jetzt vom Bauern benannte Zeugen befragt werden. Bei Elisabeth, der Wirtin, wird recheriert, ob er sich – vielleicht im Rausch – gerühmt hätte, bei der Magd eingestiegen zu sein. Da sie bejaht, kann Johannes den neuerlichen inquisitorischen Fragen nicht mehr ausweichen. Ja, er wäre dort gewesen. Wann, wie oft und wie er das gemacht hätte. Johannes windet sich kleinlaut. Jetzt aber beginnt Renate, die Magd, um die es geht, auszupacken. Sie will ihren Dienstbotenstand hinter sich lassen und zur Bauersfrau aufsteigen. Ja, er wäre nicht nur einmal, sondern viel öfter bei ihr gewesen. Sie liebe ihn und freue sich auf das gemeinsame Kind. Die Verlobte kann ja nicht mit „solchen Umständen“ aufwarten.

Weitere Zeugen werden um ihre objektive Stellungnahme gefragt. Der Dorflehrer bestätigt, dass die Handschrift des Briefleins, das bei der Magd gefunden wurde, eindeutig von Johannes ist. Andererseits wissen alle Dorfbewohner, dass das Tüchlein, das in der Kammer von Johannes aufgetaucht war, eindeutig von Renate, der betroffenen Magd ist.

Die Sachlage ist also ganz eindeutig. Johannes anerkennt jetzt zwar sein Kind, aber wann er Renate heiraten wird, lässt er – noch – offen.

Wir alle sind erleichtert und sehen ein, dass er zunächst die neue Situation mit seiner Verlobten klären muss. Es ergeht ein Freispruch, Johannes wird entlassen und ich kann das Protokoll über den Ablauf des Prozesses fertigstellen.

Wir alle wenden uns den anderen Vergnügungen zu, die man für uns bereithält. Die gemeinsamen Aktivitäten lassen auch diesen Betriebsausflug gelingen. Sie fördern im geschäftlichen Alltag das gegenseitige Verständnis, die Zusammenarbeit. Sowohl die Rechnung des Chefs als auch die des Betriebsrats sind aufgegangen.

kostenfrei

Sich bei Seminarbeginn sicher fühlen

Ansichten & Einsichten 56
In den kurzen Beiträgen
geht es um praktische
Beispiele aus dem Alltag

einer Beraterin und Trainerin über erlebte Missverständnisse und schwierige Situationen. Hier gebe ich konkrete Anregungen für Verhaltensmöglichkeiten, wie mit Respekt, Wertschätzung, Humor und (angeleitetem) Erfahrungsaustausch einfühlsame Kommunikation und konstruktive Intervention möglich sind.

Über Ergänzungen und diskussionsfreudigen Austausch freue ich mich jetzt schon!Beiträge, die nicht veröffentlicht werden
sollen, bitte entsprechend anmerken!
Wie sag ich’s?
Für ein konstruktives Miteinander

Coachperson
Foto: Alexandra Grill

 

Ansichten & Einsichten 56
Bei unserem Diplomlehrgang trainingskompetenz® begleiten wir die Teilnehmenden über Erleben, Hinterfragen und Üben zu persönlichen Erkenntnissen und Handlungsmöglichkeiten. So üben wir auch Strategien für einen Seminarbeginn. Ein Teilnehmer ist an der Reihe, erstmals eine Gruppe einzustimmen. Die anderen Anwesenden stellen sich als  Testpersonen für dieses Experiment zur Verfügung. Meine Anleitung dabei ist, dass jede einzelne Person ganz persönlich reagiert, als wäre sie gerade angekommen und den anderen noch fremd. Meine Position bei dieser Übung ist die einer Teilnehmerin.

Alle Beteiligten haben mit mir einen Seminarbeginn erlebt. Darüber wurde reflektiert. Die resultierenden Wahrnehmungen wurden mit theoretischen Erkenntnissen von mir angereichert. Ankommen und Einstimmen der Gruppe mit Begrüßen, Programmvorschau und kurzem Kennenlernen sind das Thema.

Der Kollege beginnt mit einer freundlichen Begrüßung und stellt danach an die Person, die links von ihm im Sesselkreis sitzt, die Frage: „Worüber wollen wir heute sprechen?“. Überrascht von dieser Aussage antwortet diese mit einem Thema, von dem sie bereits weiß, dass es dem Kollegen sehr wichtig ist. Die gleiche Frage stellt er zwei weiteren Personen. Auch bei diesen Beiden ist die Irritation nicht mehr zu übersehen. Die gesamte Gruppe wird unruhig. Einzelne beginnen mit der daneben sitzenden Person zu reden.

Ich beende diese Übung und rege an, diese Reaktionen zu reflektieren. Nach einer ausführlichen Diskussion und entsprechenden Hinweisen von mir ist allen verständlich, warum dieses Experiment nicht gelingen konnte. Der Teilnehmer hatte nicht als Seminarleiter agiert, sondern als Gruppenmitglied, dem klar ist, dass sich alle kennen und das Programm vom Flipchart ablesen können. Diese Übung war für die gesamte Gruppe hilfreich. Es wurde verständlich, was Teilnehmende benötigen, um sich bei einem Seminarbeginn sicher zu fühlen.

 

126. Episode aus meinem Leben – Subdiakon

Episoden aus meinem Leben
126 Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel
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Die Ausbildung ist das Eine, die Karriere das Andere. ich lerne nicht weniger als meine Kollegen, bin aber als Österreicher in Italien. Einer meiner Mitbrüder im Orden der Servi di Maria wird ermutigt, die Prüfung zum Bakkalaureat (Bachelor) abzulegen und besteht sie. Bei mir heißt es: „Für Dich macht es keinen Sinn, das Baccalaureat in Theologie zu machen, weil es nur in Italien gilt. Damit kannst Du in Österreich nichts anfangen!“ Obwohl auch ich eine wissenschaftliche Arbeit unter Betreuung eines Hochschullehrers selbständig verfassen könnte, geniert es mich also nicht, dass ich den ‚baccalà‘ vergessen kann. Ich amüsiere mich eher darüber, dass dieses ‚baccalà‘, wie man es umgangssprachlich bezeichnet, in Wirklichkeit zu Deutsch Stockfisch oder Bohnenstange bedeutet. Wie mein Kollege, der die Prüfung als baccalaureus Theologiae seu Divinitatis verlässt, absolviere auch ich zwei Jahre Christliche Philosophie, die unter anderem auf den Erkenntnissen von Augustinus und Thomas von Aquin beruht. In dieser Zeit versuchen wir, ausschließlich, mit der natürlichen Vernunft, wenn auch nicht gegen christliche Elemente, zu argumentieren, um alle Interessierten erreichen zu können. Wir sind für künftige Gespräche außerhalb unserer Umgebung gewappnet. Außerdem bin ich jetzt der italienischen Sprache mächtig und zum Klosterfotografen avanciert.



Dalmatika für Subdiakone
Bachelor und Freund für Zuflucht

Im Gegensatz zum Baccalaureat werde ich ein halbes Jahr, bevor ich das eigentliche Theologiestudium absolviert habe, dazu angehalten, die klerikale Karriereleiter hinaufzusteigen. Jetzt stehe ich vor dem Abschluss das Studiums der biblischen, der historischen, der systematischen, der praktischen und der interkulturellen Theologie und kann auf diesem Gebiet mitreden. Allerdings erklimmt man die liturgische Position eines Priesters zunächst mit den sogenannten „Niederen Weihen“. Alle vier Stufen dieser Konsekration erhalte ich in einem Aufwaschen. Die erste davon ist das ‚Ostiariat‘. Ab dem Jahr 251 waren sie Türsteher und beauftragt, den Ungetauften und Büßern einen Platz im hinteren Bereich der Kirche zuzuweisen und sie dann nach dem Wortgottesdienst und vor Beginn der Eucharistie-Feier hinauszuweisen. Gleich danach werde ich zum ‚Lektor‘, verantwortlich für die Lesungen aus dem Alten Testament bei der Messfeier. Die Weihe zum ‚Exorzisten‘ oder Teufelsaustreiber ist nur historisch bedingt und nicht mehr zeitgemäß. Sie wird – wenn überhaupt – von erfahrenen Kirchenmännern mit dem Auftrag eines Diözesanbischofs ausgeführt. Im Gegensatz dazu darf ich als ‚Akolyth‘ vor der Kommunionsfeier Wasser und Wein in den Kelch des zelebrierenden Priester eingießen. Dafür hätte ich nicht so viel lernen müssen. Daraufhin folgt Mitte 1969 die erste Höhere Weihe, jene zum Subdiakon, bei der ich mit einer Albe, einem Manipel und einer prachtvollen Dalmatika bekleidet werde. Bei Hochämtern kann ich jetzt neben dem Priester und dem Diakon der Dritte im Bunde sein. Allerdings bin ich einer der Letzten, die dieses Privileg genießen dürfen, weil dieses liturgische Amt nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, 1962 bis 1965,  im Jahr 1972 von Papst Paul VI. abgeschafft wird. Der Diakon allerdings bleibt bestehen. Bei dieser nächsten Stufe in der klerikalen Laufbahn erhält man zusätzlich eine Stola, die allerdings über die Schulter und nicht wie beim Priester über den Hals getragen wird.

Ich bekomme sie nicht mehr. – Warum? Dieser einschneidende Schnitt der Weihe zum Subdiakon ist verbunden mit der Pflicht zum Zölibat. Blindlings nehme ich das in Kauf, gehört es doch zum normalen Werdegang eines Priesters. Jetzt allerdings beginne ich, den Ernst der Lage zu erfassen. Ich habe doch auch hier in Italien schon einige amüsante Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts kennengelernt. Will ich wirklich zölibatär leben? Kann ich den Versuchungen widerstehen?
Ich treffe eine Entscheidung und informiere den zuständigen Vorgesetzten von meinen Entschluss, die klerikale Laufbahn zu verlassen.

Außerhalb des Klosters sehe ich für mich keine Zukunft in Italien, also auch nicht mit eben der italienischen Frau, die mich in ihr Herz geschlossen hat. Sie ist mit ein Grund für meinen Entschluss, den natürlichen Werdegang eines katholischen Klerikers zu verlassen. Bevor ich Italien Richtung Österreich verlasse, informiere ich sie schweren Herzens.

Anschließend „verstecke“ ich mich vor ihr und meinen Leidensgenossen, die ich einer solchen Situation zurücklasse, bei einem Ex-Kollegen, der den Orden schon früher verlassen hat.

Ich kehre zurück nach Österreich, bekomme anstandslos die von mir erbetene Dispens und bin ab sofort auf dem Weg zu einer anderen Karriere.

125. Episode aus meinem Leben – Mutter-Sohn-Verhältnis

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Schulmädchen Blindheit
1911 ist meine Mutter sechs Jahre alt und ein selbstbewusstes fesches Mädchen mit einer zeitgenössischen Kinder-Frisur. Mit zweiundzwanzig Jahren ist sie auch ohne besondere Haarpracht eine sehr attraktive junge Frau. Von Beruf ist sie Zimmermädchen in einem Hotel in Matrei am Brenner.1932 ist sie mit ihren siebenundzwanzig Jahren im Krankenhaus. Sie ist blind. Augenentzündungen wegen einer zu feuchten Wohnung haben dazu geführt. Zu ihrem Namenstag am 31. Juli 1932 erhält sie Glückwünsche von ihrem väterlichen Freund Rudolf Liensberger, der vorher auch blind gewesen war. In kurrenter Schrift formuliert er ihre Situation ihm gegenüber  wie folgt: „Du hörst ihn wohl und siehst ihn nicht, kannst nicht schau’n sein Angesicht. Auch dein Freund, der heute sieht, der kennt den Tag als Nacht…“ Einfühlsam macht er ihr Mut, begleitet sie unter anderem auch auf einer Pilgerwanderung nach Heiligwasser und bleibt mit ihr weiterhin in engem, vor allem brieflichen Kontakt. Er bringt sie sogar dazu, unter seiner Patenschaft am 7. Dezember 1933 vom evangelischen zum katholischen Bekenntnis zu konvertieren.  Anfang 1938 verstirbt er, die offenbar einzige liebevolle Bezugsperson ihrer jungen Jahre, im 71. Lebensjahr.

Mittlerweile wird sie operiert; nicht einmal, nicht zweimal, nein viel öfter! Die Art dieser vielen chirurgischen Eingriffe beschreibt sie später mit den Worten: „Neunzehnmal wurde mir die Hornhaut wie ein ‚Erdäpfel‘ abgeschabt!“ Das zwanzigste Mal erlässt man ihr. Die Behandlung ist erfolgreich. Sie erlangt ausreichend Sehvermögen zurück, um selbständig Hausarbeiten erledigen zu können. Sogar lesen kann sie, wenn sie sich die Spezial-Brille aufsetzt, die man extra für sie konstruiert hat und bei der für das linke Auge ein Vergrößerungsglas hinzugefügt ist.

Hochzeit Idylle
Im Jahr 1941 wird meine Mutter die Haushälterin meines Vaters und von ihm schwanger. Auf Wunsch meiner Tante heiße ich Egon, was mir immer sehr gefällt. Biechl heiße ich deshalb, weil meine Eltern noch heiraten, bevor ich geboren werde.Eine Liebesbeziehung zwischen den beiden erlebe ich nie, jedenfalls nicht bewusst. In meinen Kleinkind-Augen gibt es sie nicht. Auch von Fotos kann ich keine erkennen. Aber das gute Verhältnis zu meinem Bruder Heini, den mein Vater aus der ersten Ehe seiner ersten Frau adoptiert hat, ist eindeutig erkennbar. Zwischen den beiden fühle ich mich sichtlich wohl.

Meine Mutter opfert sich auf für mich, pflegt mich speziell in den beiden Schuljahren, die ich wegen meiner Kopfschmerzen nach den erlittenen Gehirnerschütterungen verliere. Ich gewinne an Selbstbewusstsein, weil sie mir jene Arbeiten anvertraut, die mein Vater erledigen hätte müssen, wäre er noch bei uns gewesen.

Ein Lichtblick für sie: von meinem Vater geschieden legt sie einem verheirateten Bauern aus dem Nachbarort öfters die Karten. Geschockt bin ich, als ich die zwei beim Küssen überrasche. Das Bild, das ich bis jetzt von meiner Mutter hatte, verändert sich gewaltig.

Obwohl sie mich als ihren Augapfel sieht, lässt sie mich ab meinem zwölften Lebensjahr insofern los, als ich fern von ihr eine Klosterschule besuchen darf. Sie nimmt – notgedrungen – auch in Kauf, dass ich bei ihren monatlichen Besuchen kaum mein Desinteresse an ihr verbergen kann. Sie hält mich nicht einmal davor zurück, ins Noviziat des Serviten-Ordens einzutreten. In dieser Zeit sind ihre Besuche unerwünscht.

Sie nimmt ihr Leben trotz aller gesundheitlichen Probleme in die eigene Hand, ohne mich zu belasten. Damit verschwindet sie komplett aus meinem Gesichtskreis.

Aber ganz kann ich sie nicht vergessen. Ich suche eine Aussprache mit ihr und nütze dazu einen Blitzbesuch. Ich bringe eine Flasche Wein mit. Obwohl sie fast nie trinkt, stößt sie mit mir an. In dieser Situation verschwinden meine sonst üblichen Hemmungen, die ich als Theologiestudent habe. Ich setze mein Vorhaben um, ihr all das vorzuwerfen, was ich jemals an ihr auszusetzen hatte. Ich beschwere mich, dass sie andauernd lautstark mit meinem Vater gestritten hat. Ich beanstande, dass sie mich dabei als ihr „Faustpfand“ benützte. Ich beschuldige sie, dass sie mich immer von meinem Vater fern gehalten habe. Ich konfrontiere sie mit meiner Meinung, dass hauptsächlich sie an der Trennung und Scheidung von ihm Schuld getragen hätte. Ich behaupte, dass ich die Rolle meines Vaters übernehmen musste. Je mehr ich vom Wein trinke, umso aggressiver werde ich. Unbeirrt beklage ich mich, dass sie mir keine Freiheiten gelassen habe. Nur vereinzelt lasse ihre Gegenargumente gelten. Sie weint. Ich schäme mich zwar, aber meine Anschuldigungen nehme ich nicht zurück.

Bald darauf wird meine Mutter in das Krankenhaus eingeliefert und stirbt dort bereits mit 64 Jahren.

Da es seit dem geschilderten dramatischen Treffen und ihrem Tod keine Gelegenheit zu einer Aussöhnung zwischen uns gab, belastet mich die von mir gezeigte rücksichtslose Art sehr, wirklich sehr.

Heute, 50 Jahre später, sehe ich das viel entspannter. Zwischen meiner Tochter, die mir ähnliche Vorwürfe vermittelt hat, und mir ist es geglückt, wieder gegenseitiges Einvernehmen herzustellen. Wenn die Zeit gereicht hätte, so glaube ich, wäre das auch zwischen meiner Mutter und mir möglich gewesen.

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124. Episode aus meinem Leben – Schneepflug

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Im Jahr 1948 zieht unsere Familie vom Ötztal ins Tiroler Außerfern nach Lermoos. Hier wohnen wir in einem Haus, das meine Tante in eine sogenannte Fremdenpension, das „Haus Bergfrieden“, umbauen lässt. Knapp daneben – nur durch einen geschotterten Gemeindeweg getrennt – ist die Talstation eines Schilift-Typs, bestehend aus einem großen Schlitten für die Berg- und einem für die Talfahrt mit Platz für je vierundzwanzig Schifahrer auf sechs Sitzbänken.

Die hiesigen Nachbarskinder wecken in mir die Lust, es ihnen beim Schi-Fahren gleich zu tun. Ich habe zwar keine neuen Ski, wie sie nach englischen Vorbild heißen, aber gebrauchte genügen mir auch. Solche bekommt man hier in diesem Wintersportort ganz leicht. Sie haben zwar keine Stahlkanten wie die Schier der Profis, aber sie eignen sich sehr wohl zum Gleiten im Schnee. Auch dann, wenn sie einmal brechen, kann man sie gegen geringes Entgelt wieder zusammenleimen, „schäften“ lassen. Ich brauche das öfter als einmal. In solchen Situationen, bei denen meine Mutter schon wieder etwas finanzieren soll, ducke ich mich dafür gerne unterwürfig.

Ich kann zwar nicht gut Schi-Fahren, aber zum Schneepflug reicht es schon. Gäste aus dem Ausland können auch nicht mehr. Meist sind sie aber schwerer als ich. Das bemerke ich, als sich ein Holländer vor mir nicht einbremsen kann. Der Zusammenprall nimmt mir das Bewusstsein. Beim Aufwachen sehe ich, dass sich bereits viele Leute in großem Kreis um mich geschart haben, bevor man mich zum Arzt bringt.

Ein ähnliches Erlebnis habe ich beim Rodeln. Daran ist aber kein Ausländer schuld, sondern mein Übermut. Ich bin derjenige, der auch das steilste Stück bis ganz nach oben hinaufgeht. Beim Hinunter-Rodeln überschätze ich meine Fahrkünste und bleibe wieder einmal ohnmächtig liegen. Meine zwei siebenjährigen Kollegen sind sehr bestürzt und stützen mich beim Nachhausegehen.

Lermoos ist der Heimatort von Walter Schuster, dem Dritten bei der Olympiade 1956 im Riesentorlauf und von Josl Rieder, dem Slalom-Weltmeister 1958. Kein Wunder also, dass mich das animiert, einen Torlauf, den meine Schulkollegen gesteckt haben, zu fahren. Nach einem Tor verheddere ich mich in den restlichen Stangen und maße mir nie mehr an, „im Flaggen-Wald zu wedeln“. Ich bin zu ungelenk und habe einen Heiden-Respekt vor dieser Disziplin. Der ist auch darin begründet, dass Hilde Hofherr, mehrfache Österreichische Meisterin und erfolgreiche Teilnehmerin an Weltmeisterschaften und Olympiaden in Slalom, Riesenslalom, Abfahrt und Kombination, meine Firmpatin ist.

Im Gymnasium gibt es recht wenig Gelegenheit, mit meinen Schulgefährten Schi-Ausflüge zu machen oder gar eine Schi-Tour zu unternehmen. Und für einen Theologiestudenten im Ordensgewand ist Schi-Fahren ohnehin – fast – tabu.

 

Pian della Regina Schifahren
Erst etliche Jahre später kommt für mich die Gelegenheit, wieder Wintersport zu betreiben und mit Tochter und Stiefsohn Schi zu fahren. Jetzt haben wir Schier mit Stahlkanten und sind auch zeitgemäß für diesen Sport gekleidet.Allerdings gibt es bei dieser Gelegenheit auch aufregende Momente. Bei der Rückkehr von einem Schi-Ausflug mit den beiden komme ich ohne Schneeketten auf einer ungestreuten Bergstraße ins Schleudern. Dabei dreht sich mein Auto um die eigene Achse. Ich versuche es krampfhaft zu verbergen, erschrecke aber mehr als die zwei Kinder. Ich habe eine Riesen-Angst vor der vorhersehbaren dramatischen Reaktion meiner Frau und bitte die beiden, ihrer Mutter nichts und zwar gar nichts davon zu erzählen.

Jahre später bevölkere ich mit unseren Enkelkindern niederösterreichische Schipisten und bringe ihnen vor dem Unterricht bei Schilehrern bei, was ich fast schon verlernt habe. Aber es macht mir viel Vergnügen, trotzdem eine Art von Lehrmeister zu sein. Als sie bei Schi-Rennen Preise gewinnen, bin ich zusammen mit ihrer Großmutter riesig stolz auf sie.

Jetzt mit meinen 76 Jahren lebe ich nur mehr in der Erinnerung an damals. Bei alpinen Schi-Rennen im Fernsehen fiebere ich mit und bin – ganz klar – ein Fan der Österreicherinnen und Österreicher. Selber fahre ich nicht mehr. Ich stelle mir vor, dass es mir nach einem Sturz wohl sehr schwer fiele, wieder aufzustehen.

123. Episode aus meinem Leben – Weihnachtswunsch

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Ich bin 1942 in Innsbruck geboren und jetzt zweieinhalb. Zusammen mit meinen Eltern, dem einseitig beinamputierten Vater und der halblinden Mutter, wurde ich nach meiner Geburt nach Huben im Ötztal evakuiert. Für mich ist hier nichts anders, sondern alles neu.

Wir wohnen in einem verlassenen Bauernhaus. Zum Vater muss ich vom Hausflur ein paar Stufen zu seiner Werkstätte, der ehemaligen guten Stube, hinaufkraxeln. Er ist nach meiner Wahrnehmung fast immer dort, hat am rechten Auge eine Lupe eingeklemmt und arbeitet vorsichtig mit sehr kleinen Instrumenten an den Uhren einzelner Dorfbewohner herum. Die Wörter „Zahnrad“ und „Pinzette“ merke ich mir in diesem Zusammenhang. Ich bin gerne bei ihm. Aber er verjagt mich ständig mit den Worten „Ich brauche Ruhe bei meiner Arbeit!“

Deswegen spiele ich viel lieber im Freien. Dort grabe ich mit meinem Schauferl in Sand und Erde, die ich mit Wasser aus meinem Küberl breiig rühre.

Wie ich vom Hausflur zu meinem Vater hinaufgehen muss, muss ich zu meiner Mutter in die Küche hinuntergehen. Dort bin ich öfter. Beim Kochen störe ich viel weniger. Mein Schaukelpferd steht dort und meine Spielsachen liegen hier am Boden verstreut. Meine Mutter darf ich nur dann nicht stören, wenn sie „Karten legt“. Das macht sie nicht nur für sich selber, sondern auch für manche unserer Nachbarinnen. Dafür bekommt sie Milch und Butter. Einmal werden wir sogar zum Mittagessen eingeladen, bei dem eine achtköpfige Bauernfamilie um einen runden Tisch sitzt. Meine Mutter darf sich dazusetzen und ich darf – als einziger – auf der Bank stehen, weil ich sonst nicht in die riesige Pfanne mit Mus hineinlangen könnte. Mir gefällt meine Sonderstellung, bekomme ich doch auch ein spezielles Löfferl. Begleitet vom Kichern der anderen Kinder mampfe ich mit und lass es mir schmecken. Die „Mitesser“ haben auf einem Bord knapp unter der Tischplatte ihren eigenen Löffel liegen, den sie auch selber reinigen oder – besser gesagt – abschlecken.

Es naht Weinachten und meine Mutter fragt mich: „Was wünschst Du Dir vom Christkind?“ Ich sage, dass ich das nicht weiß. „Würde Dir ein Baukasten gefallen?“ „Jaaa!“ sage ich. Jeden Tag denke ich daran, dass ich bald einen Baukasten bekommen werde. Ich denke mir auch schon einen Platz dafür aus. Meine Mutter hat von einem Nachbarn ein kleines Fichtenbäumchen bekommen und schmückt es für den Heiligen Abend. Also heute Nacht kommt das Christkind, das ich bereits in einer Krippe liegen gesehen habe! Aber ich denke nicht an das auf Stroh gebettete Baby, sondern nur an meinen Baukasten.

Die Christbaumkerzen werden angezündet. Wir verharren in stummer Andacht. Singen ist nicht der Eltern Ihres. Die beiden wünschen sich nur alles Gute und zeigen mir dann die beiden Päckchen, die im Halbdunkel unter dem Christbaum liegen. Ich stürze mich darauf, wundere mich aber, dass sie so klein sind. Ein Baukasten ist doch viel größer! Ich reiße das Geschenkpapier herunter. In dem einen Packerl sind Schokolade-Kekse, im anderen Holzklöße, mit denen man spielen kann. „Und wo ist der Baukasten?“ frage ich. „Das ist doch der Baukasten!“ antwortet mein Vater. Die Enttäuschung ist mir ins Gesicht geschrieben. Ich hatte schon geplant, den Kasten für meine Spielsachen, den Baukasten eben, im Hausflur zwischen zwei Holzpfosten, Stützen für die mindestens hundert Jahre alte Keusche, aufzustellen und dort alles, was jetzt von mir auf dem Boden herumliegt, hineinzulegen. Ich kämpfe mit den Tränen.

 

Spielkiste Baukasten

trainingskompetenz® aktuell 2018 – 7

trainingskompetenz® aktuell  2018 – 7

„Die Sprache macht den Menschen aus…

Ina Biechl
Foto: Alexandra Grill

 

…Mein Wunsch: dass man wieder einen Ton miteinander hat. Einen, der diese Bezeichnung auch verdient. Und mehr Herzensbildung.“
(Michael Heltau, Zitat Kurier 2. Dezember 2018)
Auch Uwe Lübbermann (Presse 25. November 2018) spricht mir aus der Seele. Er stellt die Gleichwürdigkeit der Menschen in den Mittelpunkt. Auch wir versuchen seit vielen Jahren diese Gleichwürdigkeit durch Achtsamkeit und Wertschätzung in unseren Aus- und Weiterbildungen zu vermitteln. Ein gutes Miteinander beflügelt uns und macht den Arbeitsalltag leicht und freudvoll. Im kommenden Jahr werden wir uns daher auch verstärkt dem „Humor im Arbeitsalltag“ widmen, um dem Lachen und der Leichtigkeit mehr Raum zu bieten.

In diesem Sinne wünschen wir allen Leserinnen und Lesern fröhliche Festtage und einen beschwingten und spannenden Beginn 2019.
ina biechl und team

 

trainingskompetenz

 

Vorschau 2019

Schnupper-Workshop zum Kennenlernen unserer Arbeitsweise
jeden 2. Donnerstag im Monat jeweils 16:30 – 19:00 Uhr
Die Teilnehmenden bestimmen die Themen.
2019: 10. Jänner, 14. Februar, 14. März

Führungskräftetraining nächste Termine:

Konfliktmanagement
Thematisieren, nachfragen, klären
Wenn’s drunter und drüber geht – Möglichkeiten der Intervention
17. – 19. Jänner 2019 jeweils 09.30 – 18.00 Uhr

Arbeitsmoderation
Moderation – eine Technik? Eine Haltung? Beides!
22. – 23. Februar 2019 jeweils 09.30 – 18.00 Uhr

Stammtisch
für leitende Personen und alle, die gerne diskutieren und Erfahrungen austauschen
„mit Humor wird alles leichter“ Anregungen für den Arbeitsalltag
30. Jänner 2019 18.30 – 21.00 Uhr (kostenfrei!)

Weiterleiten von trainingskompetenz aktuell ist erwünscht. Wir freuen uns über jede Kontaktnahme!

Wir wünschen eine gute Zeit
Ina Biechl und Team

Ansichten & Einsichten – Wir können doch Du zueinander sagen?

Als Lehrtrainerin werde ich auch eingeladen bei Lehrgängen anderer Organisationen Seminartage abzuhalten. Wichtig für mich ist dabei, auch dann, wenn wenig Zeit zur Verfügung ist, eine Kennenlernrunde anzuleiten. Eine Vorstellrunde in der grossen Gruppe ist für viele Menschen unangenehm. In unseren Lehrtrainings beginnen wir jedes Modul mit einer anderen Methode, um die Vielfalt erlebbar zu machen. In diesem Fall bitte ich alle Personen mit jeder anderen Person der gesamten Gruppe in Kontakt zu treten und etwas zu erfragen, was sie über diese Person – noch – nicht wissen. Ich selbst beteilige mich an diesen Gesprächen und kann mich daher mit jeder Person austauschen. So lernen wir einander kennen und die Teilnehmenden können zu mir als Leitende dabei Vertrauen entwickeln.

Bei so einer Kennenlernrunde überraschte mich eine Teilnehmerin mit „Wir können doch Du zu einander sagen?“ Mein Impuls war, nicht darauf zu reagieren. Das ist ungewöhnlich bei mir. Ich bin für Klarheit und spreche gerne alles an und aus. In diesem Fall habe ich – wie bei einem Lehrtraining üblich – bei der Reflexion über diese Übung auch diese – meine – Reaktion zum Thema gemacht und erklärt: hätte ich JA gesagt, hätte es für mich nicht gestimmt. Hätte ich NEIN gesagt, wäre das eine rüde Zurückweisung gewesen, ganz unpassend für mich. Üblicherweise bin ich mit den Teilnehmenden per Sie. Bei Weiterbildungen, die länger dauern und Selbsterfahrungssequenzen enthalten, wo ich auch eigene Erfahrungen einbringe, ist für mich ein DU gerne möglich.

In den kurzen Beiträgen
geht es um praktische
Beispiele aus dem Alltag

einer Beraterin und Trainerin über erlebte Missverständnisse und schwierige Situationen. Hier gebe ich konkrete Anregungen für Verhaltensmöglichkeiten, wie mit Respekt, Wertschätzung, Humor und (angeleitetem) Erfahrungsaustausch einfühlsame Kommunikation und konstruktive Intervention möglich sind.

Über Ergänzungen und diskussionsfreudigen Austausch freue ich mich jetzt schon!Beiträge, die nicht veröffentlicht werden
sollen, bitte entsprechend anmerken!
 

Wie sag ich’s?
Für ein konstruktives Miteinander

Coachperson
Foto: Alexandra Grill

 

119. Episode – Antonella

 

Episoden aus meinem Leben

119 Splitter – Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel
Link zur Übersicht aller bisherigen Splitter
Link zum Feedback auf diesen Splitter
Link zum Feedback auf den letzten Splitter Ich freue mich über jeden Titel oder Kommentar und über jede Person, die künftig die Splitter regelmäßig erhalten will. Bitte alles an: egon.biechl@chello.at senden.
Kommentare nur für mich privat bitte als solche kennzeichnen.

Antonella ist Krankenschwester in einem Turiner Spital. Ich habe sie dort kennengelernt. Gegenseitiges Interesse ist aufgeflammt. Ich bekomme von unserem Pater Magister die Erlaubnis, sie bei ihr zuhause zu besuchen. Dort lerne ich ihre Mutter und später auch ihre Schwester kennen.

Der Padre Maestro, von dem ich die Genehmigung erhalten hatte, befragt mich anschließend über den Verlauf meines Besuchs bei Antonella, die viele von uns Klerikern in der Klinik kennen gelernt hatten. Ich schildere ihm die familiäre Atmosphäre, die ich bei dieser Gelegenheit erfahren durfte.

Das fasziniert auch ihn und einige andere aus unserer klösterlichen Gemeinschaft. Auch sie zeigen Interesse, dorthin mitzukommen. So organisiere ich ein Treffen. Wir feiern ein gemeinsames Fest bei Antonella, zu dem wir ein paar Flaschen Barbera, den typischen Piemonteser Rotwein mitbringen. Wir amüsieren uns köstlich, sodass sich solche Kontakte mehren und quasi zur Selbstverständlichkeit werden.

Fasching ohne Kostüm
(Wer findet mich?)

Vermischung

Handkuss auf klerikal

Handkuss

Allerdings bin immer noch ich der Koordinator für solche Begegnungen, was ich auch genieße. Ich bin auch derjenige, der öfter als alle anderen in der Wohnung von Antonella, die mittlerweile zu „meiner“ Freundin geworden ist, zu Gast ist.

Die Gastfreundschaft erwidern wir Klosterinsassen mit Gegeneinladungen in unseren Konvent. Ganz gegen die üblichen strengen Regeln jeder Niederlassung unseres Ordens haben wir im Klerikat, reserviert für uns Junge, noch immer keine Klausur. Padre Montá, der ehemalige General des Ordens, der jetzt bei uns Prior (der Erste unter Gleichen) ist, hält es, gefragt von unserem Pater Magister, nicht für vorrangig, die feierliche Zeremonie der Einsegnung einer Klausur für uns werdende Priester vorzunehmen. Die Klausur würde uns von allen Außenstehenden und vor allem von Frauen abschirmen.

Aufgrund dieser folgenschweren Achtlosigkeit sind wir den Versuchungen, die das Leben zu bieten hat, schutzlos ausgeliefert. Mittlerweile hat sich der kleine Personenkreis um Antonella um einige ihrer Freundinnen und Freunde erweitert, denen wir das ganze Riesengebäude im Anbau an die Basilika von Superga zeigen können. Spontan lade ich unsere Gäste auch in meine Zelle ein, wo ich studiere und schlafe. Antonella benützt es dazu, zusammen mit einem meiner Kollegen auf meinem Bett zu sitzen, eine Freundin von ihr, in den Schubladen meines Schreibtischs zu wühlen, und einen Freund, sich meinen Zweit-Habit anzuziehen und auf „fromm“ zu machen.

Doppelbett

Heim-Bett

Mustermönch

Frömmigkeit

Es ist kein weiter Schritt dazu, dass ich bis spät in der Wohnung von Antonella bleibe und mich von ihr mit ihrem Auto ins Kloster zurückführen lasse. Wir küssen uns, sie berührt mich „unsittlich“. Ich lasse das zu. Aber in meiner verbliebenen Tugendhaftigkeit und erfüllt von bedrohlichem schlechten Gewissen vermeide ich, bei ihr dasselbe zu machen. Stur beharre ich auf meiner ambivalenten Haltung und verabschiede mich, getrieben durch die Zwiespältigkeit meiner Gefühle.

Als ich später dann doch ihrem Drängen nachgeben will und in der Wohnung ihrer Schwester eine Liegestatt herrichte, kommt sie zu spät von der Arbeit, ist schockiert von meiner Aktion und – für mich ganz unerwartet – abweisend. Endlich wäre ich bereit gewesen …

Zwei Wochen später entscheide ich mich, meine klerikale Laufbahn an den Nagel zu hängen und nach Österreich zurückzukehren. Eine Zukunft in Italien ohne Beruf und ohne irgendeine Erfahrung im Alltagsleben scheint mir nicht erstrebenswert. Eine solche Variante ist mir, verankert im Kloster, nie on den Sinn gekommen. Ich verbringe die letzte Woche vor der Heimreise bei meinem Freund, der vor mir das Kloster verlassen hat. Sie versucht, mich zum Bleiben zu überreden. Vergeblich …